Die

(Adjektiv?)

 

   ,

 

 

 

 

die

(Adjektiv?)

 

(siehe Seite 26-1)

 

 

 

 

 

und der

(Adjektiv?)

 

(Ein langes Gesicht mache

ich nur in der PDF-Datei.

Von wegen WYSIWYG.)

 

 

Abgerundete rechteckige Legende: Hm!Wolkenförmige Legende: Adjektiv?
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erfahrungsbericht von Rolf Schöne – wer war denn das?

Ach ja, dieser Mitarbeiter dieser Rechnerbetriebsgruppe!

© Im Selbstverlag, Dezember 2001

 

 


Liebe bzw. sehr geehrte Mitglieder dieses (Adjektiv?) Zentrums Mathematik,

 

seit Anfang 1997 hatten wir im Rahmen dieses Zentrums mehr oder weniger miteinander zu tun. Ich war daran nicht schuld und hätte Sie lieber in Ruhe gelassen. Nachdem wir aber zu­erst einen jungen, dynamischen Präsidenten bekamen und dann als Neuzugang auch noch ei­nen nicht mehr ganz so jungen, dafür aber um so dynamischeren Dekan (war es umgekehrt? wer kennt sich noch aus?), wurde ich im Jahre 1997 zu dieser aus dem Nichts ins Leben geru­fenen „Rechnerbetriebsgruppe Mathematik“, vulgo RBGMath, abkommandiert.

 

Etwas Besseres wußte man mit mir als inzwischen Unkündbarem offenbar nicht anzufangen. Es hat mich niemand gefragt, ob ich das könne oder ob ich mir das zutraue. Ich wollte nach 25 Jahren Spaß an der Arbeit im Institut für Angewandte Mathematik nicht kündigen und habe die Sache erst einmal abgewartet. Meine Tätigkeit bis dahin war interessanter und an­spruchsvoller, als z.B. Rechner zu flicken, Drucker zu reparieren, Kabel zu legen, Toner zu ersetzen usw. – was ich bisher zwar auch getan hatte, aber eben nicht ausschließlich. Es gibt schon einen Unterschied zwischen einer Kesselflicker- und einer Entwicklungstätigkeit.

 

Ein Rechnerentwickler kann vielleicht auch Rechner flicken. Diese Rechner auch zu admini­strieren ist allerdings etwas ganz anderes. Man hielt mich z.B. sofort für einen Experten für Microsoft Windows NT und war enttäuscht, daß ich bei einem Problem damit nicht sofort aus dem Stegreif helfen konnte. Aber ich war, glaube ich, trotz meines Alters immer bereit, noch Neues zu lernen. Eine Koryphäe bin ich trotzdem nicht mehr geworden. In einem früheren Leben allerdings, vor Anfang 1997, habe ich mich mit den Dingen ausgekannt.

 

Das ist aber schon eine Ewigkeit her. Etwas genauer: Es war zu der Zeit, als die Mathematik „in einer schwierigen Schieflage“ war (s. SZ v. 30.09.99, S. L5). Vor dem Urknall also, der zwar das Institut für Angewandte Mathematik eliminierte, dafür aber die ganze Mathematik zur „Angewandten“ promovierte (a.a.O.). „Hart erarbeitet“ (a.a.O.) von nur zwei(!) Herren. Siehe dazu auch die TUM-Mitteilung 1-99/00, S. 6 ff., genauer: S. 8, Spalte 1, Absatz 2.

 

Was ich mit Ihnen erlebt habe (alles erinnere ich nicht mehr), möchte ich retrospektieren und bitte Sie, das Folgende mit einem augenzwinkernden Schmunzeln zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn Sie sich in der einen oder anderen Episode als handelnde Person wiedererkennen. Es werden auch Leute vorkommen, denen das Schmunzeln beim Lesen vergehen wird. Be­troffen werden sie sich trotzdem nicht gleich fühlen. Dazu sind sie zu souverän, werden aber vielleicht durch die geschilderten Begebnisse zum Nachdenken angeregt. Es sind ja Denker. Sie alle werden nicht namentlich erwähnt werden (mit Ausnahme zweier Personen, die in Zi­taten genannt werden, also nichts dafür können) und dürfen beruhigt weiter lesen. Sollten Sie sich wider Erwarten schief zitiert fühlen, so schicken Sie mir per E-Mail eine Beschwerde.

 

Verzeihen Sie bitte mein nachgeäfftes Bestreben, sexuell korrekt zu bleiben und diesen Text zu diesem Zweck abwechselnd mit Klammern, Schrägstrichen und großen „I“ angereichert zu haben. Ich wollte mir nichts nachsagen lassen. Wenn Sie mir jetzt genau dieses nachsagen wollen – bitte. Ich höre weg, weil ich endlich weg bin.

 

Nun kann es sein, daß ich gar nicht mehr hinhören kann, weil man mir wegen dieser E-Mail noch heute den Rechnerzugang sperrt. Dann würden Ihre Beschwerden natürlich ins Leere laufen – ohne meine Schuld. Oder läßt man mir den Zugang noch für ein paar Tage aus erzie­herischen Gründen, damit ich noch mitbekommen kann, was ich da wieder angerichtet habe?

 

Jetzt geht es aber endlich los, nicht streng chronologisch, sondern kunterbunt, aus dem Bauch:

 

Betreff: Die Neue Deutsche Rechtschreibung

 

Sie wird ab Sonntag, den 1. August 1999 von den meisten Periodika verwendet, wenn auch nicht konsequent, sondern mit gewissen Anpassungen. Die Zeit macht das etwas früher (sie kommt auch schon am Donnerstag vor diesem Stichtag heraus), die SZ rechtzeitig zum Wo­chenende, andere, wie Der Spiegel, erst am Montag, den 2. August. Aber fast alle haben sich angepaßt. Und zwar nach jeweiligem Belieben. Sie haben sich alle gerechtfertigt, warum sie sich nicht vorbehaltslos an die gesetzliche Vorgabe halten – jeder mit einer anderen, aber ähnlichen Begründung. Da muß man natürlich unbedingt mithalten, und zwar vorbehaltslos - wie schaut man sonst aus - und hat mich schon am Montag gefragt:

 

„Seit gestern wird die Neue Deutsche Rechtschreibung verwendet. Warum wendet Microsoft-Word 97 die Neue Deutsche Rechtschreibung bei mir heute nicht schon an?“

 

Unausgesprochene Frage: „Welche? Mit welcher Neuen Deutschen Rechtschreibung wollen Sie unbedingt mithalten? Glauben Sie wirklich, daß diese noble Firma die Anpassung für Sie automatisch zum richtigen Zeitpunkt erledigt? Meinen Sie das ernst oder soll ich diese Frage als Witz, Ironie, Satire oder Sarkasmus auffassen?“ Ich habe vorsichtshalber nicht nachge­fragt, sondern cool (wie es meine Art ist) darauf hingewiesen, daß ich schon am 09.11.1998 in „Aktuelles“ auf der Homepage der RBGMath den Verweis auf eine Download-Seite von Mi­crosoft gesetzt hatte, wo man sich das Lexikon damals schon hätte kostenlos holen können.

 

„RBG? Informationen? Aktuelles? Da habe ich noch nie reingeschaut!“ (War doch Ernst!)

 

Daß da noch nie jemand vom Zentrum Mathematik hineingeschaut hat, hatte ich selbst schon auch ohne Zugriffszähler bemerkt (weil man mir Fragen stellte, die dort schon beantwortet waren). Andere, außerhalb, haben diesen Dienst sehr geschätzt und waren enttäuscht, als ich ihn im April 1999 eingefroren hatte, weil ich irgendwann nicht mehr bereit war, die Seiten in meiner Freizeit zu erstellen und zu pflegen. Anders ging es aber nicht, weil eine halbe Stelle seit Bestehen der RBG nicht besetzt worden war. Für andere, außerhalb, war der Dienst trotz einer überwältigenden Solidarität zwischen den Webmastern dieser Welt auch nicht gedacht.

 

Die Demonstration des Zugangs zu diesem Link wurde mit der Bemerkung quittiert:

 

„Da müßte ich mich ja erst hinklicken!“

 

Na, was soll man da sagen? Am besten: „Ist das vielleicht zuviel verlangt?“ Gedacht, getan.

 

Am Tag darauf bekam ich den Vorwurf zu hören: „Der Link ist falsch!“ Kein Wunder nach einem ¾ Jahr. Microsoft schläft ja nicht, sondern paßt seine Seiten laufend dem gerade herr­schenden Geschmack der Kundschaft an. „Ich habe es aber selbst gefunden!“ Na also, aller­dings bedurfte das mindestens eines Klickes mehr als ursprünglich nötig – und Zeit auch!

 

*  *  *

 

Betreff: Der neue Pool in S0202

 

Optimal sollte er ausgestattet werden. Das Geld für die Rechner war allerdings knapp. Also kaufen wir nur 20 Stück, aber optimal mit Speicher und Grafik ausgestattet. Soll ja was tau­gen. Das Geld für die Möblierung war reichlich. Also kaufen wir satte 40 Stück Tische und Stühle. Und für den Rest noch 2 Schränke. Damit nichts weg kommt, wird jeder Rechner in einen Käfig gesperrt und dessen Monitor angekettet, für über 450 Mark, jeweils. Zugegeben, es schaut dort recht locker aus. Als wäre es so geplant gewesen. Hat sich aber nur so ergeben.

 

Und die Dusche muß auch renoviert werden (die nehmen wir dann mit nach Garching). Leider hat keine(r) der im Pool (im Sommer ohne Klimaanlage transpirierenden) Tätigen Zugang da­zu. Die Beschlußfasser allerdings schon. Also duscht, Leute, auf Teufel komm raus! Muß sich doch rentieren! Auf keinen Fall darf sich die Dusche erst in Garching amortisieren!

 

*  *  *

 

Betreff: Die alte Lüftung

 

Ich meine die im Block S4, Ecke Barer/Gabelsberger. Sie war laut. Zugegeben. Und schon nach ca. 28 Jahren ist das auch jemandem aufgefallen, der dann die Frage stellte: „Brauchen wir die noch? Die war doch für diesen Dings - wie heißt er noch, Hybris... oder so ähnlich - ach ja! Hybridrechner, den es doch (warum eigentlich?) gar nicht mehr gibt. Hybridrechner! Nicht Fisch, nicht Fleisch. Das kann ja nichts taugen!“ Ich war zwar nicht dabei, kenne aber die Antwort. Darum erfinde ich diese Aussage einfach. Satire darf ja ziemlich viel. Oder alles.

 

Stattdessen gibt es aber im 2. Stock drei Poolräume mit mehreren viel Wärme produzierenden Rechnern, denen diese Lüftung (es ist eine Klimaanlage) auch gut täte. Auch die UserInnen selbst produzieren pro Stück circa 100 Watt an Wärme. Und nachdem es dort keine Dusche gibt, wäre die Klimaanlage auch für die schwitzenden UserInnen von äußerst großem Nutzen.

 

Aber sie ist halt laut. Abschalten geht nicht, weil in diesen Räumen sonst im Sommer mehr als 40ºC herrschen (gemessen habe ich im Mai allerdings nur 39,5ºC). Daher der Beschluß des Direktoriums (besetzt mit Leuten, die auch von den Grundlagen der Physik eine Ahnung haben (sollten)): „Die Klimaanlage läuft von abends 8 bis morgens 8.“ Das ist sehr weise. Oder etwa nicht?

 

Ein Beteiligter (nicht Angehöriger des Direktoriums) hat es auf diesen Nenner gebracht: „Das wäre genauso, als würde man tagsüber das Licht brennen lassen, um es nachts nicht so dunkel zu haben.“ Bravo! Dieser Beteiligte ist übrigens auch Mathematiker (aber eben nur promo­viert, meines Wissens nicht mal habilitiert, doch immerhin lebenslänglich beamtet).

 

Nach meiner Meinung fragen Sie lieber nicht. Sie wissen sicher weitaus besser als ich, warum ein Nenner nicht zu Null evaluieren darf. Drum bleibe ich lieber drunter. Also im Zahlenstrahl links von der Null. Oder genauer gesagt: Alles, was mit einem Minuszeichen versehen ist, das trifft es ganz gut. Das ist dann also der gemeinste kleidsame Nenner.

 

Zu dumm. Jetzt habe ich meinen Standpunkt doch noch verraten. Aber wenigstens nicht ganz genau, so daß mir keiner einen Strick daraus drehen kann. Vielleicht geht meine Wertung der Angelegenheit zwar doch immerhin gegen Null, ist aber gleichzeitig nicht sehr negativ? Hm.

 

*  *  *

 

Betreff: Die neue Art, sich das vergessene Paßwort zu beschaffen

 

Ich gestehe, für eine ½ Minute dienstlicher Arbeit ½ Pfund privaten Kaffees kassiert zu ha­ben. Hat mich damit jemand aktiv bestochen? Bin ich der passiven Bestechung schuldig? Ist etwa schon der Staatsanwalt auf unserer beiden Spur? Immer noch plagen mich (wen noch?) Gewissensbisse. Hoffentlich endet das gut. Wenn nicht, dann gehe ich halt vor der Rente noch kurz (kurz?) ins Gefängnis. Ich sagte: Vor der Rente. Danach habe ich keine Zeit dafür.

 

*  *  *

 

Betreff: Noch ein Bestechungsfall

 

Microsoft Word stürzte dauernd ab, und zwar nicht reproduzierbar. Da bin ich immer froh, über einen gewissen Erfahrungsschatz zu verfügen, um irgendwann feststellen zu können, daß es an nichts anderem als dem Treiber für die Grafikkarte liegen kann. In solchen Fällen holt man sich einen aktuellen verbesserten Treiber aus dem Internet, und die Sache ist erledigt.

 

Bloß: Wenn man nur auf den Preis schaut und Rechner von einem zweifelhaften Lieferanten kauft, der SCSI anbietet, aber nur Halb-SCSI liefert und auch sonst uralte Komponenten in sein Schnäppchen einbaut, dann gibt es den Fall, daß der Hersteller dieser Komponenten er­klärt: Von diesem meinem alten Schrott will ich nichts mehr wissen. Der Lieferant heißt De­lektron, die „Marke“ Axonex. Axonexe stehen bei uns reihenweise herum, weil jemand auf dieses lukrative Angebot hereingefallen ist. Kaufen Sie also nie bei Delektron einen Axonex oder was sonst von denen gerade als Schnäppchen angeboten wird.

 

Was ich eigentlich sagen wollte: Die antike Grafikkarte wurde vom Herstseller tatsächlich nicht mehr mit neuen Treibern unterstützt. Also mußte eine neue Karte rein. Es war aber kein Geld da. Darum habe ich eine bei mir herumliegende private Karte installiert - und schon hat Word funktioniert. Ein User bekam mit, was ich da trieb und spendierte mir darauf hin doch glatt eine Flasche Schnaps. Nochmals danke. Ist das nun Bestechung? Gewissensbisse können einen sehr plagen. Der Schnaps war aber gut und hat die Gewissensbisse ohne jeden Rück­stand verscheucht.

 

Ohne jeden Rückstand? Warum erinnere ich mich dann heute noch daran?

 

*  *  *

 

Betreff: Noch ein Geständnis

 

Ich gestehe, daß ich seit 1972 alle meine Urlaubsanträge während meiner Dienstzeit ausgefüllt habe, obwohl das in diesem Gelben Zettel vom Mai 1999 nicht ausdrücklich gestattet wurde. Es war mir einfach nicht klar, daß ich das nicht nicht durfte. Ich gestehe außerdem, daß ich mich zur Klärung dieser Frage nicht an eine der zuständigen Personen im „... Personalsekre­tariat / H8 und dort konkret: Frau Schaireiter (Tel. 289-28273) oder Frau Kulmner (Tel. 289-25741)“ (siehe Gelber Zettel, B) 1.) gewandt habe, obwohl mir das doch so an’s Herz ge­legt wurde. Der Fettdruck ist nicht von mir.

 

Außerdem beichte und bereue ich, daß ich mehrfach in der nicht „unterrichtsfreien Zeit“ (a.a.O., A) 1.) auf diese Weise Urlaub beantragt habe und dafür zu Recht scharf gerügt wurde.

 

Ach so, ich habe nach A) 1. dieses Gelben Zettels gar keine Lehrverpflichtung? Dann beichte das ich eben nicht. Die obigen beiden Vorkommnisse bereue ich trotzdem außerordentlich, bitte aber ausdrücklich nicht um Vergebung – und wenn ich dafür in der Hölle brennen muß.

 

*  *  *

 

Betreff: Die neue Art, Dateien zu speichern

 

Ja, wohin damit? Am besten ist immer noch die Vorgabe. „OK“. Weg damit. Da ist es gut aufgehoben. Microsoft wird schon wissen, wo.

 

Und wenn man das mehr als einmal getan hat, erhebt sich zwangsläufig die Frage:

 

„Ja, wo nur?“ Auf dem Desktop natürlich! Aber da sind so viele nette, wirklich hübsche Bild­chen, die allesamt „An den Dekan der Fakultät für Mathematik.doc“ heißen.

 

„Was mach‘ ich nur, was mach‘ ich nur? Ach, da rufe ich 28227 an, der findet mir Adamiecz und Zirngibl schon. Telefonieren koschtjanix.“

 

In der Tat. Weil: Mein fürstliches Gehalt (horrend!) beziehe ich sowohl so, wie auch so. Und ich bin ja sowieso da. Das Gehalt ist wirklich horrend für einen Ungelernten wie mich – ich habe schließlich etwas anderes, anspruchsvolleres gelernt und werde dafür besoldet.

 

*  *  *

 

Betreff: Die alte Art, den Rechner zu booten

 

„Immer dann, wenn ich mein Horoskop anschauen will, stürzt mein Rechner ab.“

 

Tja. Was bleibt einem da schon? Strg+Alt+Entf und Task beenden. Und wenn das nicht geht: Ein Boot. Daß es so geht, habe ich Ihnen immer noch nicht verraten. Jetzt wissen Sie es (ein schönes Abschiedsgeschenk, nicht wahr? Ich bin ja so großzügig). Bloß: Wo ist das Boot?

 

*  *  *

 

Betreff: Eine ganz neue Art, Disketten zu beschaffen

 

Die geht per E-Mail. „Kann ich ein paar Disketten haben?“ Na klar doch, hier sind sie!

 

Zu dumm, daß sie bis heute nicht abgeholt wurden und bei der RBGMath immer noch unge­nutzt herumliegen. Den Umzug nach Garching werden sie unbeschädigt überstehen.

 

*  *  *

 

Betreff: Dieselbe Person möchte ein Notebook kaufen

 

Ausnahmsweise per Telefon, an dem sich ungefähr folgender Dialog entwickelte:

 

„Sie! Ich möchte ein Notebook kaufen! Sagen Sie mir, welches!“

 

„Wofür brauchen Sie es denn? Haben Sie graphische Anwendungen, wollen Sie damit nur Briefe schreiben, E-Mailen und Tabellenkalkulationen durchführen, oder wollen Sie heftig darauf rechnen? Brauchen Sie einen Anschluß ans Internet? Legen Sie Wert darauf, daß es mit der Batterie lange läuft oder...“

 

„Sie! Ich möchte ein Notebook kaufen! Sagen Sie mir, welches!“

 

„Ich will ja nur gerade herausfinden, was Sie brauchen.“

 

„Ich brauche ein Notebook!

 

„Dann gehen Sie am besten in Kaufhäuser oder in die Schillerstraße und schauen sich welche an. Denn es soll Ihnen ja gefallen. Der Bildschirm muß Ihnen gefallen, weil Sie ja unter Um­ständen lange davor sitzen müssen. Achten Sie darauf, daß es sowohl einen Anschluß für eine externe Maus als auch einen TFT-Bildschirm ...“

 

„TFT - was ist denn das?“

 

„Ein qualitativ hochwertiger Bildschirm, der es erlaubt, auch schon einmal schräg davor zu sitzen und trotzdem noch etwas zu sehen. Und die Tastatur muß Ihnen auch gefallen, falls Sie die bei Ihrer Arbeit extensiv verwenden müssen. Sie ist bei jedem Modell unterschiedlich ausgelegt. Wie auch die Maus. Eine externe Maus sollte anschließbar sein. Und wenn Sie sich für ein Modell entschieden haben sollten, so sagen Sie mir bitte, was ich Ihnen bestellen soll. Für einen Preis, der etwas niedriger ist als in Kaufhäusern oder in der Schillerstraße, kann ich es Ihnen beschaffen.“

 

„Ja, gut.“

 

Eher nicht gut. Denn obwohl ich mich im WeltWeitenWeb noch umgesehen hatte und per Hauspost (wie ätzend unmodern) diese(n) Userin über alle in Frage kommenden Geräte infor­mierte und ihr auch ein für sie brauchbares Gerät empfahl, kam bei meinem Vorgesetzten eine Beschwerde über mich an:

 

„Ich bin von dem nicht beraten worden. Und bestellt hat er auch keines für mich.“

 

Punkt. Ein Lob meinem Vorgesetzten, der mich dafür überhaupt nicht schimpfen wollte. Auch nach insistierender Aufforderung nicht.

 

*  *  *

 

Betreff: Die neue Art, einen Rechner einzuschalten

 

Wie? Ganz einfach! Man muß den Knopf reindrücken. Ganz reindrücken! Nur Mut!

 

*  *  *

 

Betreff: Eine andere Art, Rechner zu warten

 

Das Telefon klingelt früh morgens, was mich etwas erstaunt:

 

„Haben Sie schon einmal nach meinem Rechner geschaut?“

 

Da läuft es mir kalt über den Rücken. Habe ich vielleicht etwas vergessen, was ich gestern oder - um Himmels Willen – vor noch längerer Zeit versprochen hatte? Und noch immer nicht erledigte? Was war das nur? Ich komme einfach nicht drauf. Was sagt man da am besten? Ich probiere:

 

„Nein. Heute noch nicht. Ist es sehr dringend? Was war denn gleich Ihr Problem? Ich habe da zwar eine Prioritätenliste, auf der ich Sie aber nicht finde. Also, worum geht es?“

 

„Um nichts. Ich wollte nur, daß Sie einmal prophylaktisch nachschauen.“

 

Habe ich nicht getan. Weil ich es vor drei Tagen anläßlich eines Pseudoproblems schon getan hatte.

 

*  *  *

 

Betreff: Eine durchaus gängige Art, Probleme zu lösen

 

Ein hektischer Anruf, nicht ganz so früh am Morgen:

 

„Kommen Sie schnell, mein Rechner spinnt total!“

 

Der Rechner spann überhaupt nicht. Microsoft Word spann wieder einmal und hat einige Zeichen – ganz normale – falsch dargestellt. Eine Zuordnung zu einem anderen Zeichensatz war nicht feststellbar. Unerklärlich. Ein paar Klicks haben es repariert: „Datei/Schließen/Ja“ und „Datei/Öffnen/...suchen, ...finden!/Öffnen“ – voilà: Es geht!

 

Damit schinde ich Eindruck. Welch ein erfülltes Arbeitsleben!

 

Bloß: Der Scheff von det Janze hat währenddessen sehr darauf geachtet, daß ich den ganzen Text aber auch ja nicht lese. Wofür hält er mich?

 

Jetzt kann ich es endlich verraten. Einmal muß es ja sein: Mein Deckname lautete „El Puto“. ¿Ha entendido? Gulliver in Ehren. Schauen Sie doch mal in „http://www.laputa.de“ rein.

 

*  *  *

 

Betreff: Noch eine Art, Eindruck zu schinden

 

Das ist die, in Rechnern, an Kabeln, auf Motherboards, in Druckern und Festplatten einfach so herum zu löten. Mit dem Erfolg, daß das Teil – nein, nicht trotzdem, sondern deshalb – wieder funktioniert. Whow! Oder wie immer man heutzutage dazu sagt.

 

*  *  *

 

Betreff: Zur Abwechslung ein nützlicher Tip (Tip schreibe ich hartnäckig immer so)

 

Sollten Sie jemals in die Verlegenheit kommen, eine Unfallanzeige abgeben zu müssen (z.B. weil Sie dienstlich stolpern und sich dienstlich etwas verstauchen), so tun Sie das! Und zwar unverzüglich! In Ihrem Interesse! Ich hoffe, Sie haben noch so etwas wie eine mechanische Schreibmaschine und Kohlepapier (was sind das für Antiquitäten?). Die Unfallanzeige ist in 4 bis 5-facher Ausfertigung abzugeben. Die 5. für die Polizei, falls die auch involviert sein sollte (der Vordruck ist allerdings nicht dabei und offenbar gesondert anzufordern). Deren Anschrift ist Ihnen ja bekannt. Nicht? Das ist Ihr Fehler. Aber die anderen 4 Anschriften kennen Sie wenigstens. Auch nicht? Das ist Ihr Fehler. Können Sie wenigstens die Frage mit der Nummer 24 ankreuzen? Sie lautet: „Ist der Verletzte tot? Ja/Nein“. Auch nicht? Das ist Ihr Fehler. Dann sind Sie nämlich tot. Deshalb wird man nicht persönlich angesprochen!

 

Ach so, Sie sollen die Unfallanzeige nicht selbst ausfüllen, weil Sie solche Fragen nicht be­antworten können, alle Adressaten nicht kennen können, die technischen Voraussetzungen dafür nicht erfüllen? Sie haben vollkommen Recht. Dafür gibt es ja bei uns dieses Service­büro. Das dachte ich mir auch und übermittelte diesem Dienstleistungsdings (Servicebüro ist wirklich besser) alle Angaben für diese Unfallanzeige, mit der herzlichen Bitte, die Formulare eins bis vier mit Durchschlag für mich auszufüllen (die Polizei war nicht involviert).

 

Schon zwei Tage später hatte ich die Antwort eines Leitenden Akademischen Direktors (nicht unserer, es war der mit dem Bundesverdienstkreuz am Revers) auf dem Tisch, in Form eines handschriftlichen Geschmieres auf meinem Original-Anschreiben (fein säuberlich laserge­druckt). Der Tenor, nein die Tenöre (nur zwei): „Die Unfallmeldung (oder nicht doch: -Anzei­ge?) ist Ihre (unterstrichen) Aufgabe ... Frau Schaireiter hat dafür keine Zeit!“.

 

Aha! Sollten Sie also jemals in die Verlegenheit kommen, eine Unfallanzeige abgeben zu müssen, so tun Sie das! Selbst! Und zwar unverzüglich! In Ihrem Interesse! Mindestens 4-fach. Handschriftliches wird hoffentlich auch akzeptiert, aber mindestens 4-fach. Nur - die Adressaten kann ich Ihnen immer noch nicht verraten. Insofern ist das vielleicht doch kein so ganz nützlicher Tip (schreibe ich hartnäckig immer so). Entschuldigen Sie bitte, wenn ich zuviel versprochen haben sollte. Besserung verspreche ich nicht. Kann ich nicht mehr ver­sprechen. Bin ja schon weg vom Fenster, möchte auch gar nicht mehr durchschauen. Brrr!

 

Die Sache mit dem Bundesverdienstkreuz für diesen Leitenden Akademischen Direktor des Instituts für Informatik (das gibt es noch) in der Fakultät für Informatik will ich hier nicht weiter ausbreiten. Er hat es wahrscheinlich schon lange verdient und viel zu spät bekommen, bloß wofür – das hat uns niemand gesagt, und es stand auch nicht in der Zeitung. Auch wer ihn dafür vorgeschlagen hat, wird mir daher leider für immer verborgen bleiben. Vielleicht darf man sich so etwas auch schon für äußerst effiziente und ressourcensparende Arbeitsweise an’s Revers heften? Warum haben Sie, ich und viele andere noch keines am Revers? Sei’s drum. Wir werden es schon auch noch bekommen. Diese Inflation gibt mir allerdings zu den­ken, weil sie mit einer Werte-Deflation verbunden ist. So schlage ich Ihnen vor, das Ding bes­ser nicht am Revers zu tragen – um uns wohltuend vom Rest der Verdienstträger abzusetzen.

 

*  *  *

 

Betreff: Die Hochglanz-Broschüre

 

Ja welche nur? Gedruckt wurde sie schon im Juli 1999 auf chlorfrei gebleichtem Papier. Und die meine ich. Es könnte ja inzwischen auch eine neuere geben. Oder mehrere neuere, noch hochglänzendere solche, die allesamt Hochglanz-Broschüre genannt werden (was sonst), und die man vor mir versteckte, damit ich nicht wieder so eine lästerhafte Rundfrage loslassen kann. Per E-Mail an alle. Dieses „alle“ vor allem hat man mir vorgeworfen.

 

Von einem Emeritus weiß ich (auf einem ganz kurzen Umweg), daß die Hochglanz-Broschü­re auch als Stinkpapier bezeichnet werden könne – Selbstlob stänke, bzw. stinke. Ein anderer (nur PD) bezeichnet sie als so etwas wie die Waschmittelwerbung – dort dürfe das Vorgän­gerprodukt auch nicht als gut bezeichnet werden. Ein(e) dritte(r) bis siebte(r), alle fünf nicht nur PD, sowie viele Kolleginnen und Kollegen sehen wie ich auch einen Zusammenhang zwi­schen der „in vorbildlicher Weise“ durchgezogenen Straffung der Organisationsstruktur und dem, was bis dahin die alten Knaben angeblich verbrochen haben sollen. Schämen sollten sie sich, und die letzten vier sollten endlich verschwinden, andere Greise auch. So liest man die Seite 82 dieser Hochglanz-Broschüre ganz unbefangen (siehe dort).

 

Als Betroffener liest man die Hochglanz-Broschüre natürlich nicht so unbefangen, schreibt dem ganzen (Adjektiv?) Zentrum eine E-Mail - und vergleicht „Vorher“ mit „Nachher“.

 

Das Ergebnis dieses Vergleiches wollen Sie wissen? Ist doch egal, die Vergleicher sind eh‘ schon alle wech vom Fenster. Dafür sorgt schon die Natur. Vielleicht komme ich am Ende dieses unverschämten Pamphlets noch einmal kurz darauf zu sprechen.

 

*  *  *

 

Betreff: Ein Fehler in der Telefonanlage

 

Ich hätte diesen überaus lästigen Fehler unserer Technischen Betriebsabteilung schon längst melden sollen und gestehe, es aus purer Faulheit nicht getan zu haben. Offenbar haben näm­lich nur fünf Einträge im Briefkasten des Telefons Platz. Das ist natürlich viel zu wenig.

 

Andererseits reichen mir nach zwei Urlaubstagen diese fünf Aufforderungen, bei der Kund­schaft zurückzurufen, und ich gestehe auch, den Fehler deshalb absichtlich nicht gemeldet zu haben.

 

Peinlich (für mich) ist nur, daß drei der fünf Klienten den ganzen Tag über nicht erreichbar waren. Mußten sie etwa meinetwegen zwangsweise frei nehmen und zwei – nein drei – kostbare Urlaubstage opfern, weil sie zum Arbeiten keinen funktionierenden Rechner zur Verfügung hatten? Peinlich, peinlich.

 

Peinlich (nicht für mich) ist aber auch, daß die beiden anderen nicht mehr wußten, warum sie mich zu einem Rückruf aufgefordert hatten.

 

*  *  *

 

Betreff: Ein schwerwiegender Druckerfehler

 

Eine Betreuerperson: „Der Drucker sagt: ‘Toner fast leer‘. Was kann man da tun?“

 

*  *  *

 

Betreff: Ein sehr schwerwiegender Mausfehler

 

Es war eigentlich keiner. Der bzw. die hauptsächliche UserIn war mit ihrer bzw. seiner Maus ganz zufrieden. Nur Seiner Spektabilität, der (die?) gelegentlich glaubte, mit ihr umgehen zu müssen, beliebte die Gangart dieser Maus nicht zu gefallen. Was tun?

 

Am besten eine neue kaufen. Aber welche? Welche hätte denn Seine Spektabilität gerne? Auskunft darüber konnte ich keine bekommen, also kaufte ich die billigste für 17 Mark (die alte, nichtstaugende, nicht weggeschmissene, kostete sicher das 10-fache) und schloß sie an. Sie ging auf Anhieb. Congratulations!

 

Der bzw. die hauptsächliche UserIn war mit ihrer bzw. seiner neuen Maus genauso zufrieden. Kein Wunder, die Gangart war ja auch dieselbe wie zuvor.

 

Aber die Maus war neu und auch entsprechend neuer designed. War es das, was Seine Spekt­abilität davon überzeugte, daß er endlich Satisfaktion hat? In Bonn auch? Genau, der war es.

 

*  *  *

 

Betreff: Eine Art Fürsorglicher Ordinarius

 

Das Netz geht nicht. Also vergesse ich die Prioritätenliste und gehe sofort hin, mit Werkzeug­tasche und Leiter. Vor der Tür zum Sekretariat treffe ich eine Assistentin und einen Assisten­ten, die beide auch hinein wollten. Der Assistent hält mir die Tür auf. Danke. Das ist nicht selbstverständlich (bei ihm schon). Drinnen faucht eine Kaffeemaschine. Prima, denke ich, jetzt bekomme ich einen Kaffee.

 

Denkste! Der Ordinarius: „Frau Dings, Herr Dings (nicht ich), wollen Sie einen Kaffee?“ Wahrlich fürsorglich, der Herr. Na, wenn ich keinen bekommen soll, so steige ich halt auf meine Leiter.

 

„Sie! Fallen Sie mir da bloß nicht herunter!“

 

Fürsorglich, der Herr. Oder will er nur keinen Ärger bekommen, der Herr?

 

*  *  *

 

Betreff: Derselbe Fürsorgliche Ordinarius

 

irrt im 3. Stock von S0 herum und findet seine Räume nicht, die ihm das Direktorium für sei­ne Mitarbeiter zugeteilt hat. Hat er das nicht mitbekommen? Schläft doch sonst nicht. Oder hatte er keinen Stift dabei und einfach vergessen, was ihm gehört? Ich nehme der Einfachheit halber einmal an, daß er wegen einer anderweitigen wichtigen Verpflichtung an dieser ent­scheidenden Sitzung nicht teilnehmen konnte. Und daß ihm keiner etwas sagte. Trotzdem muß man sich fürsorglich darum kümmern, damit sich die Mitarbeiter auch wohl fühlen.

 

Er, in halblauten Gedanken: „Ja wo sind sie denn, die Räume? Ja wo sind sie denn?“

 

„Hier sind sie! S3018 für 2 bis 3 Leute, die ich nicht kenne, und S3014 ist für Herrn T.“

 

„Woher wissen Sie das?“

 

„Ich weiß so manches!“

 

„Aha! Aber diese Schranktür schließt nicht. Die auch nicht. An der fehlt sogar der Schlüssel!“ Und schaut mich vorwurfsvoll böse an, der Herr.

 

Habe ich übler Rechnerbetriebsgruppler wieder einmal etwas total vermasselt? Ich? Geweida!

 

*  *  *

 

Betreff: Eine souveräne Art der Vergraulung

 

So geschehen auf dem Weg zu einer Dienstleistung, die ich als eines der wenigen Mitglieder der Rechnerbetriebsgruppe (hier Gruppe genannt) immer gerne leistete. Was blieb mir auch anderes übrig. Abkommandiert ist abkommandiert. Als ehemaliger Soldat akzeptiere ich das. Ach, wen sehe ich da im Lichthof von S4? Den Ober-Raumbeauftragten.

 

„Na, ist die Einrichtung fertig?“ (Er meinte offenbar die Ethernet-Verkabelung der dem Zent­rum neu zugewiesenen Räume S3014-18)

 

„Ja, wenn Sie die Ethernet-Verkabelung in S3014-18 meinen.“

 

„Und was macht die Gruppe jetzt? Arbeiten? SPIELEN?“

 

Es tut mir nicht leid, ihn stehen gelassen zu haben. Mobbing fand bisher in der Regel auf einer Hierarchieebene statt. Fortschrittlich, wie man am Zentrum ist, führt man das auch von oben nach ganz unten ein. Ich gebe zu, daß es auch ein Freud’scher Verbrecher gewesen sein könnte. Darum mache ich mir nicht viel daraus und speichere es im Hirnkastl wie gewohnt unter ‘Indizien‘. Gehe ja eh bald in Rente und kann dieses Mobbing souverän an mir abpral­len lassen. Return to sender.

 

Oder bin ich als Kulturmensch nur zu empfindsam für diesen harten Job? Und das soll alles ganz normal sein? Hm. Das kann nicht normal sein. Sonst hätte ich von 1972 bis 1997 auch schon 25 Jahre darunter leiden müssen. Etwas mehr als 25 Jahre lang. Mußte ich aber nicht, und da ist eine Exclamation Mark angebracht.

 

Das wollte ich mal gesagt haben, auch wenn es mir kaum jemand glauben wird. Glauben Sie es ruhig.

 

*  *  *

 

Betreff: During Hours

 

Da läßt mich jemand antanzen, nur um mir zu zeigen, welch superber sog. Bildschirmschoner aufgrund meiner Hinweise selbständig von dem nagelneuen, superschnellen und höchst über­flüssigen CD-ROM-Laufwerk (genehmigt von einem Leitenden Akademischen Direktor) in­stalliert werden konnte. Was noch fehlt ist allerdings der Sound dazu („Blup...blup...schnapp“ und „Töff töff töff“). Krrr krrr. Krrr!

 

Ob dieser Leitende Akademische Direktor den Sound wohl auch noch genehmigen wird? Das muß er wohl tun. Einmal steht nirgends geschrieben, daß es nur fürsorgliche Ordinarien, aber keine fürsorglichen Leitende Akademische Direktoren geben darf. Zum zweiten muß man als fürsorgender Vorgesetzter dafür sorgen, daß sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz(?) wohl fühlen. So ist es wirklich. Glauben Sie es. Ich erfuhr es täglich mehrmals. Mindestens.

 

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Betreff: During Hours Zwo

 

Das Problem „Sound“ ist immer nicht nicht gelöst. Denn schon am nächsten Tag (nach dem vorherigen Installieren weiterer sog. Bildschirmschoner) ging gar nichts mehr. Ich bin ja ge­wappnet und habe immer ein paar Werkzeuge bei mir, mit denen ich den Zustand eines Rech­ners feststellen kann. Ergebnis der Untersuchung: In der „root“ waren einige nicht dahin ge­hörende selbstentpackende Dateien mit phantasievollen Namen und der Endung „.EXE“, da­für fehlten viele wichtige Dateien (z.B „autoexec.bat“, „config.sys“ und „command.com“) und einige Unterverzeichnisse, so daß Windows nicht mehr zum Laufen zu bringen war. Ohne Windows geht ja heutzutage gar nichts mehr. Auch nicht einmal das mehrfache Anlegen von Dateien des Namens „An den Dekan der Fakultät für Mathematik.doc“ auf dem Desktop.

 

Also: Wichtige Dateien retten, CD-ROM-Treiber suchen (er war weg) und installieren, Win­dows neu installieren (war bis auf ein paar nebensächliche Dinge auch weg), Applikationen neu installieren (waren fast alle noch da), Viren suchen und deaktivieren (waren einige), dann wichtige Dateien wieder drauf spielen (Bildschirmschoner nicht!), nochmals Virencheck – das Übliche halt. Koschtjanix.

 

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Betreff: During Hours Drei

 

Zwei Tage später werden in einem Word-Dokument nach dem Öffnen von hinten her alle Zei­chen im Takt von 10 Zeichen pro Sekunde gelöscht. Leider habe ich das nicht selbst gesehen, weil ich – das gebe ich zu – um 13 Uhr immer noch beim Kaffee gehockt bin und eine Vier­telstunde später erst die Aufforderung zu einem Rückruf auf meinem Telefon entdeckte. Also nichts wie hin. Einen Rückruf ersparte ich mir, nachdem das Ziel inzwischen nur einen Stock tiefer lag. Froh war ich, dort einen kompetenten Vertreter (ein leibhaftiger Leitender Akade­mischer Direktor) anzutreffen, der das Problem inzwischen schon sehr souverän gefixt hatte. Glücklich, wer solche Vertreter hat.

 

Aber endgültig ist das Problem noch nicht behoben. Ist da immer noch ein Virus aktiv oder klemmt nur die Backspace-Taste der Tastatur? Und wenn nur die Taste klemmt, warum be­ginnt das Löschen von hinten? Normalerweise steht der Cursor (Schreibmarke sagt man auch dazu) nach dem Öffnen am Anfang des Textes. Probieren wir es erst einmal mit einer anderen Tastatur. Und was, wenn dieser Fehler nochmals auftritt? Die sog. Bildschirmschoner deak­tivieren, oder besser runterschmeißen! Notfalls das Ganze noch einmal. Koschtjanix.

 

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Betreff:  Eine Art Diebische(r) Elster (männlich?, weiblich? Um korrekt zu sein)

 

Elstern klauen, sagt man. Vor allem glänzende Dinge aller Art, sagt man. Ein vernickelter Abschlußwiderstand für Coax-basierte Ethernetze ist so ein Ding. Eine Elster weiß, was das bedeutet. Und weiß auch, wie wichtig so ein Abschlußwiderstand ist. Und wenn sie keinen hat? Richtig, sie klaut sich einen. Kriecht hinter einen fremden Rechner, achtet dabei darauf, daß dieser nicht am eigenen Subnetz hängt, popelt das Ding runter und auf ihren eigenen Rechner drauf. Und schon geht er. Elstern sind also auch äußerst intelligente Tiere.

 

Der andere Rechner und das Subnetz geht aber nicht mehr. Ich bin nicht ganz so intelligent, aber auch nicht so blöd wie Toastbrot, und suche den Fehler (dringend mußte er behoben werden) erst einmal in der Software. Da war aber nix. Schade um die schlappe Viertelstunde. Koschtjanix. Zudem konnte ich meinen Erfahrungsschatz beträchtlich erweitern.

 

Nur eines treibt mich heute noch um: Wie schaffte die Elster das? So ein Bajonettverschluß (eine Elster weiß, was das ist) rastet ziemlich heftig ein und ist mit einem Elsternschnabel kaum zu lösen. War es also doch nur ein(e) intelligente(r) UserIn?

 

Mich foppt sie/er aufgrund meines nun sehr umfangreichen Erfahrungsschatzes nicht mehr. Was sage ich da? Meinen reichen Erfahrungsschatz brauche ich ja gar nicht mehr. Will ihn jemand haben? Koscht nix!

 

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Betreff:  Wie E-Mail funktioniert

 

Sie funktioniert ganz einfach, nämlich so: Man überlegt sich, wem man schreiben will, gibt ihre oder seine Adresse ein, verfaßt den Brief und schickt ihn ab.

 

Ganz einfach? Es geht schon bei der Adresse los. Sie muß eindeutig sein. Wenn ein Brief an „Dings, Arcostr. 22, 80291 München“ adressiert wird, ohne z.B. eine Angabe des Vornamens oder des Geschlechts, so erwartet man von der Post, daß sie Nachforschungen anstellt, wenn es in der Arcostr. 22 in 80291 München mehr als eine oder einen „Dings“ geben sollte. Sie öffnet dann den Brief unter souveräner Umgehung des Postgeheimnisses (was soll sie sonst tun?), folgert aus der Anrede (weiter liest sie nicht), wer der oder die AdressatIn ist und stellt den Brief zu. Das funktioniert oft.

 

In unserem besonderen Fall macht so etwas unsere Poststelle, wenn die Anschrift nur „Dings, Arcisstr. 21, 80290 München“ lauten sollte. Und dann kommt die Post auch zuverlässig an. Das funktioniert immer.

 

Bei der E-Mail funktioniert das leider nie. Wenn die Adresse nicht eindeutig oder nicht kom­plett ist, so benachrichtigt uns ein gewisser „postmaster“, daß er die Mail nicht losgeworden sei. Und sagt uns auch, warum.

 

Zum konkreten Fall. Jemand brachte seine Mail nicht los und hinterließ ihre (seine) Rückruf­nummer auf meinem Telefon. Also sofort rückrufen, es könnte ja wichtig sein.

 

„Schöne, grüß‘ Gott, was gibt‘s?“

 

„Sie, ich wollte dem Dings eine E-Mail schicken, und jetzt sagt mir so ein Postmaster irgend­was, was ich nicht ganz verstehe: ‘unknown‘ oder so, oder wie man das ausspricht.“

 

„Was haben Sie als Adresse angegeben?“

 

„Ja, halt ‘dings‘, dann des komische Zeichn, und dann ‘mathematik‘, is des vielleicht net rich­tig?“

 

„Na, des is net richtig, Es muß eindeutig sein. Sie müssen schon die komplette Adresse einge­ben. Sie lautet in Ihrem speziellen Fall ‘dings@mathematik.tu-muenchen.de‘, und dann wird es hundertprozentig auch ankommen. Sie müssen angeben, daß der ‘dings‘ nicht nur bei der ‘mathematik‘, sondern auch an der ‘tu-muenchen‘ und außerdem in Deutschland (‘de‘) behei­matet ist.“

 

„Aha. - Und der Postmaster, wer ist das eigentlich? Mit dem tät ich gern mal reden! Dem hätt ich was zu sagen.“

 

„Der Postmaster ist keiner, mit dem Sie sprechen können. Das ist ein Rechner, der Ihnen sagt, was Sie verkehrt gemacht haben, und zwar ganz genau.“

 

„Aha.“

 

„Ja. Pfüat Eahna Gott, bis morgen.“ Oder bis zur gestörten vormittäglichen Brotzeit.

 

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Betreff: Ein ruhiger Arbeitsplatz

 

Ein Fragebogen hat mich gefragt, ob ich ohne Lärmbelästigung arbeiten könne. Wie kommt der Autor zu dieser Frage, die er offenbar für essentiell hält? Sonst stünde die Frage ja nicht im Fragebogen. Kann sich dieser Autor wirklich vorstellen, daß es jemanden gibt, der nur mit Lärmbelästigung arbeiten kann? Ich kann es nicht mit, sondern nur ohne Lärmbelästigung und hätte deshalb wie jede(r) andere auch, beinahe „Ja“ angekreuzt – wenn mir nicht wieder ein­mal gerade noch rechtzeitig ein Licht aufgegangen wäre. Bin ich wirklich der einzige gewe­sen, der angesichts laufender Festplatten und Lüfter und quiekender Telefone (läuten tun die ja nicht mehr) „Nein“ angekreuzt hatte?

 

„Angesichts“ liegt natürlich voll daneben. „Angehörts“ wäre zwar eine Wortneuschöpfung, ist aber auch nicht so gut. Und nachdem wir immer noch keine Germanisten, Linguisten und Se­miologen an unserer Spitzenuniversität haben, kann ich niemanden um Rat fragen. Traurig.

 

Auch das Pendant zu „satt“ fehlt uns immer noch, wenn man statt „nicht mehr hungrig“ eben „nicht mehr durstig“ ist. Dieses von der Duden-Redaktion preisgekrönte „sitt“ lasse ich nicht gelten. Angesichts solcher Forschungsdefizite könnte man sich glatt sinnlos besaufen – wenn man nur wüßte, in welchem namenlosen Zustand man dann wäre. Ach so, man sei dann be­soffen. Tatsächlich, aber „angesichts“ dieser Tatsache bliebe immer noch zu klären, wie man den Bezug auf unsere anderen Sinne bezeichnen soll. Wenn es einem z.B. stinkt. „Angeruchs der Umstände am Zentrum ...“ ist ebenfalls nicht so gut, wenn man schildern will, was beim Lesen der Hochglanz-Broschüre oder in einem Mobbing-Fall empfunden wird.

 

Dann schildere ich es eben nicht.

 

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Betreff: Ein wirklich ruhiger Arbeitsplatz

 

Ich kenne eine Person, die einen hatte. Festplatten liefen keine, Lüfter auch nicht, weil diese Person nur über ein X-Terminal verfügte, über das man sich allerdings mit dem schnellsten Rechner der Welt hätte verbinden können (siehe Hochglanz-Broschüre S. 85 Spalte 1). Eine „Spitzenforschung“ wäre also durchaus möglich gewesen (siehe dort).

 

Das Dumme war, daß auf diesem X-Terminal „HP“ stand. Es war zwar nicht von HP, sondern von einem renommierten X-Terminal-Hersteller, der HP belieferte. Aber HP hat sein Wapperl drauf geklebt, und das reicht. Hat nicht ein kompetenter Kollege gesagt: „Kaufe ja nie HP‘s“?

 

Das Terminal mußte also weg (das Institut für Informatik hat sich über diesen unerwarteten Zugang sehr gefreut) und durch eine Sun-Workstation ersetzt werden. Der kompetente Kolle­ge hat schließlich Sun empfohlen. Nur: Warum ist die Sun-Workstation so laut? Klar: Sie hat neben einer Festplatte auch mindestens zwei Lüfter. Unerträglich! Was tun? Das ist einfach: „Bildschirm (lautlos), Tastatur (fast lautlos) und Maus (fast noch lautloser) bleiben bei mir, und die laute Sun-Workstation kommt nebenan in das Besprechungszimmer, da stört sie kei­nen, vor allem nicht mich“ (was weiß ich, wer sich dort mit wem worüber besprochen hat).

 

Nun ist alles gut. Bloß diese Löcher in der Wand, die ich dieser Person in ihrem Zimmer zu diesem Zweck bohren mußte, wollten ihr gar nicht gefallen. Diese Rüge lege ich zu den ande­ren. Es sind nicht viele. Es ist die einzige, bisher.

 

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Betreff: Noch eine Rüge

 

Halt, jetzt fällt es mir ein: Da war vorher doch schon eine Rüge eingetrudelt, und nun sind es eben deren zwei. Die erste war so berechtigt wie die zweite. Sie wollen wissen, was da war? Fragen Sie mich nicht, dazu müßte ich erst in meiner Datenbank nachschauen. Ich soll das tun? Also, OK, das tue ich nur ausnahmsweise, während meiner Dienstzeit. Das Ergebnis:

 

Im Gebäude sowieso im Stockwerk sowieso mußte das Ethernet bereinigt werden. Es ging um einen neuen Anschluß am Dicken Gelben Coax-Kabel, das dort in der Wand verlegt ist. Einen neuen Anschluß am Dicken Gelben Coax-Kabel kann nur die Netzwerk-Gruppe der Rechner­betriebsgruppe Informatik durch einen neuen Transceiver anbringen (weil die RBGMath für diese veraltete Technik immer noch nicht ausgerüstet ist und auch keine Netzwerk-Gruppe hat). Zur Vorbereitung dieser Installation habe ich schon einmal die Wandverkleidung herun­ter genommen und vor einem Waschbecken abgestellt. Ich nahm an, naiv wie ich bin, daß sie da am wenigsten stört. Zumal der Zugang zum Waschbecken nicht wirklich gestört war, und wenn er wirklich gestört gewesen wäre, auf dem Stockwerk noch mehrere andere Waschbek­ken zugänglich waren. Aber das Brett vor diesem Waschbecken störte halt doch, was bald zu einer telefonischen Rüge führte. Mein Hinweis, daß die Informatiker wegen dringender Arbei­ten am eigenen Netz erst in zwei Wochen für uns Zeit hätten, wurde akzeptiert. Schön. Nach drei Wochen wurde der Transceiver von den Informatikern auch installiert.

 

Am Tag darauf stellte sich allerdings heraus, daß das Netz nicht mehr ging. Der Kollege von der Informatik hatte zufälligerweise Zeit für unser Problem, und so gingen wir beide zusam­men sofort hin. Die Begrüßung für den Kollegen: „So. Sie sind also derjenige, der für diesen Schlamassel verantwortlich ist.“ Etwas freundlicher hätte man mit ihm schon umgehen kön­nen. Vielleicht braucht man ihn ja noch einmal.

 

Bei der Durchsicht der Datenbank ist mir noch eine dritte Rüge aufgefallen. Sie erinnern sich sicher auch. Es war die Sache mit dem nicht besorgten Notebook. Wie konnte ich das verges­sen? Sie sehen, diese Rüge war berechtigt, und sei es nur, weil ich sie schon vergessen habe.

 

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Betreff: Ein Umzug

 

Sie erinnern sich an diesen fürsorglichen Ordinarius. Nachdem er wußte, wo seine Leute ihre Zimmer haben sollten, ließ er sie umziehen. Ein Leut (politically correct?) hatte bisher noch keinen Rechner, weil es noch nie einen brauchte. In seinem neuen Zimmer sollte es aber einen bekommen, weil E-Mail braucht heute jedes Leut. Meinte der Herr.

 

Dafür habe ich einen schon etwas älteren, aber für diesen Zweck durchaus noch brauchbaren Pentium-Rechner mit 133 MHz angeboten, den ich bisher als Testrechner verwendet hatte. Was? Einen älteren? Ich brauche für meine E-Mail mindestens einen neuen Rechner, Pentium III mit mindestens 500 MHz, mindestens 128 MB RAM und mindestens einer 10 GB-Platte. Nachdem kein Geld da war, wurde mein Angebot aus dem Bestand von M1 akzeptiert.

 

Ein zweites Leut hatte bisher schon einen Rechner, den es in die Diaspora mitgenommen hat. Aber wie es so ist: Hat man bisher seinen Posteingang auf Papier gelesen, so will man das auch mit der E-Mail tun. Also ausdrucken. Vor dem Umzug war der Drucker gleich nebenan, doch wo ist er jetzt? Ha, da ist keiner! Das merkte nach drei Wochen auch das erste Leut. Jetzt sind es schon zwei Leute, die einen Drucker brauchen. Es war aber wieder kein Geld da.

 

Ein lukratives Angebot der RBGMath gab es unverständlicherweise auch nicht. Wozu hat man die überhaupt, wozu alimentiert man die überhaupt? Man hat sie z.B. dafür, aus der Ver­einigungsmenge dreier defekter Laserdrucker einen funktionierenden für S3014-18 zu fabri­zieren. Und wenn das nicht geht, dann stehe ich eben so blöd da wie jetzt. Und ein Geld ist auch nicht da. Hat vielleicht der Studiendekan noch eines übrig?

 

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Betreff: Weil wir gerade dabei sind

 

erzähle ich Ihnen noch etwas. Fürsorge heißt auch, daß die Mitarbeiter das Beste vom Besten bekommen, und das zu einem guten Preis – wenn schon kein Geld da ist. Wenn man nun ei­nen Rechner kaufen will, so soll doch die hoch alimentierte RBGMath beraten. Wozu ist sie sonst da? Ein gutes Angebot, bestehend aus lauter Qualitätskomponenten, war der Rechner ZZZ der Firma CCC, zu dem ich dem beauftragten Assistenten geraten habe (Sie kennen ihn, er hat mir die Tür aufgehalten). Es wurden 2 Stück bestellt, und als sie ankamen stellte sich heraus, daß einer nicht lief. So ein Mist. Aber das kann passieren (Transportschaden?). Schö­ne fragen, was man da tun kann. Ob er den Rechner vielleicht hinschaffen kann?

 

„Nein, das kann ich nicht. Haben Sie denn keine Vor-Ort-Garantie dazu gekauft? Dann wäre es gar kein Problem. Die kämen her und würden ihn kostenlos reparieren oder ersetzen. Das ist nicht teuer und rentiert sich immer.“

 

„Für eine Vor-Ort-Garantie war kein Geld da.“ Für keine Vor-Ort-Garantie war ein Geld da.

 

„Das tut mir leid. Dann schaffen Sie ihn eben selbst irgendwie hin. Ist ja noch in der Stadt.“

 

Nun geschah es, daß dieser Fall in einer Direktoriumssitzung zur Sprache kam. Davon erfahre ich sonst nichts, ist auch gut so. Ich will gar nicht wissen, was da besprochen wird. Im Rah­men des ersten Jahresgesprächs in meiner langjährigen Zugehörigkeit zur TUM mußte ich mir allerdings anhören, daß die RBGMath (in diesem Fall ich) falsch beraten hat. Wo soll ich das speichern? Unter ‘Rügen‘ oder doch besser gleich unter ‘Indizien‘? Dort, wo auch die Sache mit dem nicht besorgten Notebook inzwischen steht. Ja, besser dort. Was meint der Herr?

 

Sagte ich, daß ich gar nicht wissen wolle, was da besprochen wird? Weil wir gerade dabei sind: Manchmal wäre es doch ganz gut, wenn man davon wüßte. Man könnte z.B. dafür sor­gen, daß diverse Löcher vor dem Weißeln und Legen von neuen Teppichböden gebohrt und diverse überflüssige Kabel vor dem Weißeln herausgerissen werden. Wenn einem davon sonst nichts gesagt wird - oder erst hinterher gesagt wird, auf dem Umweg über eine befreundete Fakultät, die ihre eigenen Interessen hat und ihren Anteil schon gemacht zu haben glaubt.

 

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Betreff: Ein neues Netz

 

Ich dachte schon, daß die Selbstverdrahtung eines neuen Netzes in S3014-18 die letzte Aktion dieser Art vor dem Umzug nach Garching für mich sein würde. Weit gefehlt, so kann man sich bei uns täuschen. Nicht vor, sondern nach dem Freiwerden der Räume S1227-36 gegen­über dem Goldenen Mann hat man (wer?) sich überlegt, welche MitarbeiterInnen des neu zu errichtenden Servicebüros für Mathematik und Informatik in welche Zimmer ziehen sollen und was sie an Netzanschlüssen brauchen. Hm, daran stimmt etwas nicht, die Räume sind schließlich nicht zufällig frei geworden, sondern gezielt frei gemacht worden, um Platz für das Servicebüro zu bekommen. Man (wer?) hat sich das also doch überlegt und vor uns, der RBGMath, perfekt geheim halten können.

 

Hat man (wer?) sich das wirklich überlegt? Wieviele Netzanschlüsse brauchen wir in welchen Zimmern? Wer bezahlt wieviel wofür nach welchem Schlüssel? Ach, was sollen solche Über­legungen, wozu haben wir nicht nur eine, sondern gleich zwei kompetente Rechnerbetriebs­gruppen. So läuft das. Weil keiner entscheidet. Und wer zahlt nun was? Das weiß keiner. So steigt mir auf den Hut, von dort oben hat man eine gute Übersicht. Steigt mir dann aber auch sofort wieder herunter und denkt hinterher darüber nach –nicht oben -, was da zu sehen war.

 

Noch was: Wichtig ist wieder, daß geweißelt und Teppichboden gelegt wird. Bevor wir unsere Löcher bohren. Wer hat diese Reihenfolge bestimmt? Angehörige einer Spitzenuniversität. Dann muß es wohl richtig sein. Ich gehöre schließlich auch zu diesen Angehörigen und weiß, was richtig ist. Bloß hat man vor dieser Aktion weder mich, noch den Technischen Betriebs­leiter der RBGMath gefragt, ob es anders herum vielleicht nicht doch sinnvoller wäre. Aller­dings ist mir vorher der besseren Übersicht wegen niemand auf den Hut gestiegen. War das der Grund für diese Fehlentscheidung? Schwamm drüber! Schwamm drüber? Wer hat einen Schwamm für mich? Niemand? Dann eben kein Schwamm drüber und abspeichern unter ‘Indizien‘. Dann ist es auch weg. Noch besser: Aufschreiben, dann ist es ganz weg.

 

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Betreff: Das neue Netz, zum Zweiten

 

Man hat zwar interfakultär auf mittlerer Ebene miteinander über Einzelheiten der Realisierung an Ort und Stelle geredet – und nicht nur ge-E-Mailt oder sich schriftlich verständigt. Hätte man nur ge-E-Mailt oder sich schriftlich verständigt, dann hätten alle Beteiligten etwas in der Hand gehabt und nicht nur eine Taube auf dem Dach. Einzelheiten erspare ich Ihnen.

 

Sie wollen trotzdem wissen, was da gelaufen ist? Nun gut. Wenn Sie es nicht anders haben wollen.

 

Vereinbart wurde (leider nur mündlich), daß erst einmal die Kostenfrage geklärt werden sol­lte. Sollte! Die personell starken Informatiker hatten einen Informationsvorsprung (woher?) und 2 von 10 Räumen bereits verdrahtet. Damit glaubten sie ihre Schuldigkeit getan zu haben. Wir personell schwachen Mathematiker hatten keine Information (woher auch?) und sollten die restlichen 8 Räume dieses gemeinsamen Servicebüros verdrahten. Der Hinweis, daß an der Relation 2 : 8 etwas nicht stimme, wurde akzeptiert. Als Ausgleich dafür dürfen wir das Kabel von der Trommel der Informatik abwickeln, ca. 403 Meter, der Meter zu DM 0,70. Das sind immerhin ca. DM 282,10. Prima, vielleicht wäre bei uns für das Kabel kein Geld mehr da gewesen. Wäre bei uns für das Kabel kein Geld mehr da gewesen? Wer weiß. Wenn man von oben nach unten keine Informationen durchreicht, dann weiß man ganz unten gar nichts. Ist doch klar. Wäre bei uns für das Kabel noch Geld da gewesen und wir hätten davon gewußt, so hätten wir entsprechend argumentieren können. Das konnten wir aber nicht und haben für die Informatik zum Preis von DM 282,10 sage und schreibe acht Räume verdrahtet.

 

Die Arbeitszeit rechne ich nicht, weil wir ja sowieso immer da sind. Zwei ganze und zwei hal­be Mitarbeiter, macht drei. Die Informatik hat deren sicher dreißig oder mehr. Unwichtigeres (Unwichtigeres?) schiebe ich dann eben weiter vor mir her. Darin bin ich sehr geübt. Wie lan­ge soll ich noch schieben? Ist mir wurscht, dann kommen halt noch weitere Rügen. Und die sind mir eigentlich auch wurscht, weil sie unter solchen Umständen nicht gerechtfertigt sind. Bin ich wirklich blöd? Sollte ich alter Knacker endlich verschwinden? Nichts lieber als das, aber meine Zeit werde ich wohl noch abarbeiten müssen. Zu Ihrem Unbehagen.

 

Wenigstens hat die RBGMath endlich einen neuen Mitarbeiter. Seit 2½ Jahren warte ich auf ihn, und schon ist er da. Er wollte eigentlich auch promovieren, muß aber stattdessen erst einmal beim Verdrahten helfen.

 

Beim Verdrahten trifft man eine Menge Leute, die sich allesamt sehr wundern. „Was machen Sie eigentlich da?“ ... „Warum machen Sie das?, ich habe was ich brauche, ich brauche nicht mehr, auch keinen neuen Netzwerkanschluß!“ ... „Aha, aber Sie haben mir doch erst kürzlich einen Dreck hinterlassen, als Sie mir in meinem alten Zimmer einen Netzwerkanschluß gelegt haben, jetzt schon wieder!“ ... „Was? Das glaube ich nicht, man hat sich das doch vorher gut überlegt!“ ... „Ich verstehe das nicht!“ ... „Ist das wirklich so?“ - Meine Antworten (...) erspa­re ich Ihnen.

 

„Ist das wirklich so?“ Ja, das ist wirklich so. Selbst der Unter-Raumbeauftragte, der mir ziem­lich verständnislos beim Arbeiten zuschaute, wußte nichts davon. Der Ober- Raumbeauftragte offenbar schon, denn er war so weise, mich keines Wortes zu würdigen, als er uns dort antraf. Hätte er mich angesprochen, so bin ich mir nicht sicher, was ich ihm in welcher Form geant­wortet hätte. Es ist nicht so, daß ich das einfach weggesteckt habe – ich will ja kein Magenge­schwür bekommen. Unter ‘Indizien‘ ist es aber gut aufgehoben und weg. Vielleicht fragt er mich hinterher, ob ich jetzt endlich Zeit zum SPIELEN hätte. Das käme dann auch noch zu den ‘Indizien‘.

 

Als wir dann fertig waren, hat unsere Arbeit gar nicht gefallen. Graue Kabel zwischen Limba­täfelung und weißer Decke! Das stört ungemein, wenn man nachdenkenderweise seinen Blick zur Decke hebt. Graue Kabel auch in der Limba-Fuge zwischen zwei Limba-Platten! Die stö­ren nur dann, wenn man gerade einmal nicht nachdenkt, also selten. Aber ein Zustand ist das nicht. Zur Rechtfertigung brachten wir vor, daß wir keine Installationsfirma seien, Fachkräfte sowieso nicht und daß es billig sein sollte (sonst hätte es ja eine Firma machen können, z.B. mit Kabelkanälen und allem Pi-Pa-Po), für Kabelkanäle und Pi-Pa-Po also kein Geld da ge­wesen wäre.

 

Jetzt sprangen da aber eine Woche lang zwei Informatiker herum, die bei dieser Gelegenheit für ihre zukünftigen Vorführungen in den Foyers vorsichtshalber noch ein paar Anschlüsse in den Schaukästen versteckten. Ha! Warum nicht die fragen? Gedacht, getan. Sie kamen gegen den Charme nicht an und haben auf die Limba-Täfelung einen knallweißen breiten Kabelka­nal montiert. Schön! An der weißen(!) Decke im Flur brauchte es dann noch einen grauen(!) Kanal. Noch schöner! Jetzt stehen wir mit unserer Null-Kabelkanal-Lösung ganz schön blöd da, wie Toastbrot. Wäre doch bloß ein Geld da gewesen. Hätte doch bloß einer geredet.

 

Und die Bibliothek (als ob sie es nicht schon wäre) muß auch noch verdrahtet werden, hört man nebenbei gerüchteweise. Wann? Man wird schon sehen. Hauptsache ist, daß zuerst ein­mal geweißelt (und Teppichboden verlegt?) wird. Hat man (wer?) im Jahre 2 vor Garching immer noch nichts dazugelernt? Offenbar ist Geld – Ihres und meines – für solche Zwecke schon da. Klar. Vom Biblischen Zehnten ist ja schon lange keine Rede mehr, vom Staatlichen Halben schon eher.

 

Das soll also auch noch gemacht werden. Und schon hat noch jemand davon gehört. Sie wer­den nicht erraten, wer es war. Eingekastelt von der Bibliothek war er, links und rechts, hing zum Teil links am Bibliotheksnetz und zum anderen Teil durch die Decke am Netz im Stock­werk darüber. Nicht etwa durch den dafür vorgesehenen Schacht, sondern direkt. Durch ein Loch in der Decke zum Boden im Stockwerk darüber. Nichts wie drauf mit einem Media-Converter und einem Hub zur Erweiterung für noch ein paar Rechner. Zustände sind das, die können so nicht bleiben, zumal es beim Erweitern dieses Chaos-Netzes schon häufiger zu Schwierigkeiten gekommen ist.

 

Bloß: Wer soll die Bibliothek verdrahten? Weder vom Unter-Raumbeauftragten noch vom Ober-Raumbeauftragten haben wir etwas gehört. Also betrifft es uns nicht. Stimmt das?

 

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Betreff: Das neue Bibliotheks-Netz

 

Wird wohl stimmen. Deshalb habe ich den Betreuer am Lehrstuhl des fürsorgenden Ordina­rius‘ gebeten, seinen Chef zu bitten, sich von Professor zu Professor auf gleicher Ebene mit dem Wissenschaftlichen Leiter der Rechnerbetriebsgruppe Informatik darüber zu verständi­gen, ob ein Anschluß seiner Einheit an dieses neue Netz in einem Aufwasch möglich sei, weil es sinnvoll wäre.

 

Das Ergebnis: Es gibt neben dem Unter-Raumbeauftragten und dem Ober-Raumbeauftragten offenbar auch einen Haupt-Raumbeauftragten, der sich auskennt, entscheidet und seiner Hilfs­truppe nichts davon sagt, weil sie die Informationen sowieso nicht weiter gibt an Leute wie mich, die dann die Arbeit machen müssen. Jedenfalls habe ich nichts mehr davon gehört.

 

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Betreff: Der neue Mitarbeiter der RBGMath

 

Sie haben eben davon erfahren, daß es ihn nach 2½ Jahren endlich gibt. In meinem Dienst­zimmer wäre noch Platz für ihn gewesen. Aber das geht nicht: Er ist Nichtraucher, ich aber nicht. Ich war froh, daß man mir das Rauchen nicht verboten hat (das hätte man durchaus ma­chen können – was hat man am Zentrum nicht schon alles gemacht). Also braucht er ein eige­nes Zimmer. Zwei Türen weiter könnte man etwas frei machen. Nur wäre nicht gewährleistet, daß er dort ungestört arbeiten kann, nachdem dort auch der Zugang zum Lager ist. Also zieht man eine neue Wand ein – koschtjanix – und schirmt ihn von diesem Durchgangsverkehr ab.

 

Da tauchen natürlich Fragen auf: Wäre nun er Raucher oder ich Nichtraucher, so hätten wir in einem Zimmer miteinander auskommen können und uns auch nicht übermäßig gegenseitig gestört, z.B. durch meine Gänge zum Lager nebenan. Ist das tragbar? Ja. Ist mein gelegentli­cher Gang zum Lager durch sein eigenes Zimmer tragbar? Nein! Daher die neue Wand. Allein der Maler hat 3 Tage lang daran gearbeitet – und die Tür immer noch nicht gestrichen gehabt.

 

Davon, daß danach alles doch etwas anders gekommen ist, will ich Ihnen nichts erzählen. Auch nicht davon, daß das Bauamt eine Designer-Lampe in ein noch anderes Zimmer verle­gen wollte. Nur soviel: Dafür ist Geld offenbar immer noch da. Ihres und meines.

 

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Betreff: Das neue Netz, zum Dritten

 

Sie erinnern sich vielleicht. Das Servicebüro mußte verdrahtet werden. Wozu plant man das? Um es danach zu realisieren. Mein Plan wurde auch realisiert. Und dann ging nichts. Warum? Weil die Informatiker glaubten, sich da mit dran hängen zu müssen und ein weiteres Patch-Feld installiert haben, und zwar im Schrank oben mit der Nummer „II“. Mein geplantes und auch realisiertes Patch-Feld bekam von ihnen die Nummer „I“ und wurde im Schrank unten montiert. Araber und Hebräer und andere schreiben von rechts nach links. OK, wenn sie das so wollen. Chinesen schreiben von oben nach unten. OK, wenn sie das so wollen. Informati­ker schreiben offensichtlich von unten nach oben. OK, wenn sie das wollen, aber eigentlich wollten sie das nicht. Der Fehler hatte also seinen Ursprung zwischen zwei Kopfhörermu­scheln, nämlich im Kopf. Und wenn man das realisiert hat, dann geht das Netz auch schon.

 

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Betreff: Noch was zum neuen Netz

 

Ich bringe gerade einen reparierten Rechner zurück an seinen Standort, um ihn wieder an die­ses Neue Netz anzuschließen, als mich dort der Ober-Raumbeauftragte tatsächlich anspricht:

 

„Na, ist die Einrichtung fertig?“

 

„Ja, schon seit vier Wochen.“

 

„Dann haben Sie jetzt ja wieder mehr Zeit (zum SPIELEN? Oder wie meint er das?). Und wie weit sind Sie mit dem Info-Point?“

 

„Info-Point? Davon habe ich bis jetzt noch nichts gehört.“

 

„Ach, das wird schon werden.“

 

Mir schwante etwas. Hat doch der Präsident einen solchen „Point“ einrichten lassen. Und was der Präsident kann, das können wir schon lange, wenn auch später - wird man sich gedacht haben (wer?). Wo soll der hin? Ist neues Kabel zu verlegen, das man vor vier Wochen leicht hätte mitverlegen können? Fragen wollte ich im Zustand der Erregung lieber nicht, gesagt hat er auch nichts mehr. „Ach, das wird schon werden.“ Ist doch ein hübsches I-Pointchen.

 

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Betreff: ... - oder habe ich das schon erzählt?

 

In der Hauspost lag ein Wunschzettel. Es war zwar nicht im Advent, auch bin ich weder der Nikolaus, noch das Christkind und auch nicht der Weihnachtsmann (nicht?). Trotzdem habe ich den Wunsch erfüllt.

 

Ach so, Sie kennen den Wunsch noch nicht. Er lautete ungefähr so:

 

„Ich ziehe demnächst um. Also, Weihnachtsmann, auf geht’s, verlege den vorhandenen Netz­anschluß in meinem alten Zimmer von meinem alten Zimmer in das Nachbarzimmer links von meinem alten Zimmer, in dem noch kein Netzanschluß ist, und bringe danach einen neu­en Netzanschluß in meinem alten Zimmer an“.

 

Auch in meiner Rolle als Weihnachtsmann bin ich nicht annähernd so blöd wie Toastbrot und habe kurz entschlossen einfach einen neuen Anschluß in das Nachbarzimmer links von sei­nem (des Kindes) alten Zimmer gelegt – mit weniger, als dem halben veranschlagten Arbeits­aufwand. Und alle, alle waren zufrieden, auch das Dr. Kind. Obwohl es gar nicht Weihnach­ten war.

 

Eine Folgerung daraus (vielleicht sogar eine Schlußfolgerung) sei mir erlaubt: Mathematiker mögen intrigieren, differenzieren, minimieren, maximieren und optimieren können. Kürzen können nur Weihnachtsmänner, nämlich den Arbeitsaufwand. Ein Dissertationsthema?

 

Aber wahrscheinlich wird mir als Weihnachtsmann diese Folgerung als Behauptung oder Ver­mutung untergeschoben werden, deren Beweis noch für einige Generationen ausstehen wird. Macht nichts, ich kann es erwarten, Weihnachtsmänner leben ewig. MathematikerInnen, auch wenn sie zu den Herausragenden des verflossenen 20. Jahrhunderts oder gar des verflossenen 2. Jahrtausends oder noch garer der ganzen Menschheitsgeschichte gehören, leider nicht. Das ist eigentlich schade. Was heißt, was bedeutet eigentlich „eigentlich“?

 

Rufen wir alle Geisteswissenschaftler der TUM zusammen (Philosophen, Philologen, Germa­nisten, Linguisten und Semiologen), dann werden wir es schon erfahrfahren. So? So etwas ha­ben wir immer noch nicht? Mein lieber Herr Präsident! Sollten Sie da vielleicht etwas überse­hen haben? Sie sehen ja, daß wir die auch noch haben müssen.

 

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Betreff: Die Frau des Jahres 1999

 

hätte sie leicht werden können, wäre nicht die Frau des 20. Jahrhunderts gesucht worden. Und dazu hat es ganz knapp leider nicht gereicht. Die Vereinigungsmenge von Fachwelt und TZ-Lesern war 1999 einfach noch nicht reif für so eine wichtige Entscheidung. Erst später, aber schon im nächsten Jahrzehnt/hundert/tausend, wird die Menschheit zu der Erkenntnis gelangt sein, daß sie (die Menschheit) einen Fehler begangen hat, und sie wird den Fehler auch bald korrigieren. Sie ist ja nicht dumm (die Menschheit). An mir lag es übrigens nicht. Ich lese die­se TZ nicht und habe darum auch an dieser verunglückten Wahl nicht teilgenommen, sondern nur zufällig von ihr erfahren. Man redet halt gelegentlich auch über nebensächliche Dinge.

 

Übrigens bin ich immer noch stolz darauf, daß ich neben solchen Persönlichkeiten an einer so berühmten Universität arbeiten durfte.

 

Oh! Während der ersten 25 Jahre war sie ja überhaupt nicht berühmt. Aber danach! Nach dieser „schwierigen Schieflage ... ganz oben“ (am zuletzt angegebenen Ort, TUM 1-99/00). Ganz oben. Höher geht’s wirklich nicht. Und dafür gibt es einen Preis. Eine halbe Million ist dafür zwar nicht ganz angemessen, aber immerhin.

Warum sage ich das ausgerechnet hier und in diesem Zusammenhang? Weil diese potentielle Frau des 20. Jahrhunderts sicher einen dazu Beitrag geleistet hat, wenn dieser auch noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Aber das wird noch. Und dann wird aus einer halben Million eine ganze. Halbe Sachen lieben wir nämlich nicht.

 

Da finde ich ihre „besondere Leistung beim Aufbau der Finanz- und Wirtschaftsmathematik“ (TUM-Mitteilung 2-99/00, S. 5) schon besser, weil die satte 11,5 Millionen Mark wert ist.

 

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Betreff: Die Halbe Million

 

Wie legt man die am besten an? Das entscheidet an unserer Reformfakultät das Direktorium. Ganz undemokratisch. Wo käme man sonst hin, wenn da jeder Hansel Vorschläge unterbrei­ten könnte? Es reicht ja schon, daß man das nicht geheim halten konnte, nachdem es auch in der Zeitung stand. Andererseits ist es nicht schlecht, wenn das in der Zeitung steht. Eine bes­sere Reklame kann man sich ja nicht vorstellen. Die nix koscht. Also, was tun?

 

Es hat erstaunlich lange gedauert, bis die ersten Gerüchte im Umlauf waren. Gerüchte gibt es immer, wenn ein undemokratisch verfaßtes Gremium insgeheim entscheidet. Dieses Gremium hat aber eine ganze Weile überhaupt nichts entschieden. Auch dann entstehen Gerüchte. Nein, es ist nur ein einziges Gerücht entstanden: Angeblich sollen einige Projekte definiert werden. Welche? Geht uns nichts an. Wieviele? Geht uns auch nichts an. Wieviel bekommt wer, wann und wofür? Das geht uns ebenfalls nichts an. Kommt da auf die RBGMath etwas arbeitsinten­sives zu - planungsmäßig, anschaffungsmäßig, installationsmäßig? Das geht uns gar nichts an.

 

Für uns, die RBGMath, hatten die im Dezember 1999 doch noch mit erfrischender Offenheit bekannt gemachten Projekte keine Konsequenz, was ja auch nicht schlecht ist. Obwohl der Projekte immer mehr wurden – wir waren nicht davon betroffen. Haben wir in der Vergan­genheit alles richtig gemacht? Zur allervollsten Zufriedenheit aller? Nicht zu glauben. Woher dann die Rügen? Betreffen sie die RBGMath gar nicht, sondern ausschließlich mich selbst?

 

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Betreff: Das Projekt „Reformfakultät“

 

Mitte Dezember 1999 also wurde zu zwei Veranstaltungen eingeladen. Die erste, der „Erste Reformtag“, war am Freitag, den 11.Feb.00 um 14:00h, in der ausgewählte Teilprojekte vor­gestellt wurden, mit einem Vortrag eines Wissenschaftlers des CHE: „Hochschulinterne Mit­telverteilung – neue Modelle und Erfahrungen“. Vollständige Anwesenheit war gefordert.

 

Endlich erfuhr man auch, daß es nicht nur irgendwelche Projekte geben sollte, sondern eben DAS Projekt Reformfakultät, bestehend aus momentan zweiunddreißig Teilprojekten. Nicht weniger. Eher werden es noch mehr werden. Aber man hat ja eine globale Übersicht.

 

Auch als nichtwissenschaftlicher Angestellter habe ich mir regelmäßig die akademische Frei­heit genommen, in meiner Freizeit für das Institut – und als es dieses nicht mehr gab, auch für die RBGMath - zu arbeiten. Über meine Freizeit verfüge aber immer noch ich und sonst nie­mand. Deshalb habe ich mich frühzeitig - noch im Januar - wegen dieses wichtigen Grundes entschuldigt. Habe ich etwas verpaßt? Eher nicht, denn ich habe keine Mittel zu verteilen. Wer welche zu verteilen hat, der weiß jetzt, wie man das zu tun hat. Und jeder weiß jetzt, daß sich hinter dem Akronym CHE das deutsche „Centrum für Hochschulentwicklung“ verbirgt, welches anläßlich seines Geburtstages der TUM einen Preis verliehen hat. Sie wissen wofür.

 

Die zweite Veranstaltung war ein „Retreat Day“ in der Karlsstraße, in den Räumen der KHG, Sie werden inzwischen wissen, was ein „Retreat Day“ ist, Sie waren ja alle dort. Sie werden staunen: Ich habe es schon vorher gewußt. Und nachdem es in ganz München (natürlich war es in München, auch wenn es einem im Dezember noch keiner gesagt hat) keine Karlsstraße gibt, kann es sich nur um die „Karlstraße“ handeln. Hausnummer? Wird man schon noch erfahren. Und was die KHG ist weiß sowieso jeder, ob er nun Katholik ist oder nicht, ob er nun in München studiert hat oder nicht – oder überhaupt nicht.

 

Wie stehe ich da? Ich tauge weder zum Mitglied eines Teilprojektes, noch fühle ich mich ei­ner Gruppe (z.B. Sekretärinnen) zugehörig. Soll ich mich als echte Singularität im Rahmen dieses Einkehrtages mit mir selbst beschäftigen, mit mir selbst reden, mit mir selbst Einkehr halten? Deshalb habe ich mich frühzeitig - schon im Januar - wegen dieses wichtigen Grundes auch für diese Veranstaltung entschuldigt. Natürlich habe ich keine Selbstgespräche geführt, es war ja während der Dienstzeit. Ich konnte ungestört arbeiten, niemand hat angerufen. Es waren alle (bis auf einen, der mich auch gleich dringend brauchte, weil sein Netzteil abgenib­belt war) einkehrmäßig beschäftigt und von der KHG aus keines Anrufes mächtig. Und der Aufforderung zu einem Rückruf auch nicht.

 

Der Einkehrtag war am 01. März 2000. Nun geschah es aber zu dieser Zeit, daß mindestens ein(e) bewährte(r) MitarbeiterIn von dieser Veranstaltung erst am 29. Februar 2000, also ei­nen Tag vorher, rein zufällig erfahren hat. Man redet halt auch noch miteinander. Die Einla­dung zu diesem äußerst wichtigen Zusammentreffen erging aber ausschließlich per E-Mail und Web. Tolle Plakate überlesen offenbar auch andere, nicht nur ich, wenn einem schon die Schlagzeile nicht zusagt.

 

Nun hatte aber diese Person keinen Rechner zur Verfügung, wollte auch gar keinen haben, brauchte auch keinen, stand also zwangsläufig auch nicht in der Mailing-Liste.

 

Man redet halt zuwenig miteinander. Es wird also noch eine Weile dauern, bis „Mailen“ zu einem Synonym für das „Reden“ und „Schreiben“ werden wird. Aber im Rahmen von wei­teren Reformaktivitäten wird sich das schon geben. Und jede(r)(!) hat eine Mail-Adresse.

 

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Betreff: Was am 01. März 2000 laut Kalenderblatt sonst noch wichtig war

 

Namenstag:      Svenja, Albinus

 

SA 7.06

SU 18.03

MA 4.37

MU 13.04

 

Hochwasser

 

 

 

Niedrigwasser

--.--      12.33

 

Hamburg

 

07.11  19.48

08.15   20.53

 

Emden

 

01.37  14.15

09.15   21.52

 

Bremerhav.

 

02.28  15.06

10.33   23.15

 

Bremen

 

05.00  17.38

 

Zu jeder Zeit geht unter, was niedrig ist und faul.

Stillschweigend schafft der Meister, der Stümper braucht das Maul.

                                                                                         Carl Spitteler

 

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Betreff: Eine tolle Sache, das Mitarbeiterjahresgespräch 1999

 

oder Jahresgespräch oder Mitarbeitergespräch oder wie es sonst noch heißen mag. Eine tolle Sache, wirklich. Und außerdem so ein Reform-Ding. Seit dem Jahr 1868, einhunderteinund­dreißig Jahre lang, warteten wir sehnlich darauf. Und wenn man dann nach 131 Jahren end­lich unter Zeugen sagen darf, daß einem die Arbeit keinen Spaß mehr macht, dann glaubt es einem keiner so recht. Mir jedenfalls offenbar nicht – oder doch? Ich bin halt ein hoffnungs­loser Fall. Einfach so hineingesteckt in diese nagelneue RBGMath, ohne vorher zu fragen (wen? jedenfalls nicht mich!), ob ich da auch hineinpasse. Ändern kann man das hinterher auch beim besten Willen nicht mehr. Fakt ist Fakt. Gruß an den (ohne Adjektiv) Bonner Cae­saren. Es lebe Macchiavelli, recht hat er, er lebe dreimal hoch. So eine tolle Sache ist das.

 

Allein deshalb kann man aber diese Sache für die nächsten 131 Jahre nicht aussetzen, sondern muß sie aussitzen. Wohin aber mit diesen vielen Protokollen? Abheften, dauerhaft, und zwar auf Papier. Schon im Jahr 2038 könnte ja auch Unix verrückt spielen. Dann bekommt nämlich der 32-bit-Sekundenzähler, der schon seit 1970 tickt, einen Überlauf, weil man vergessen hat, das Vorzeichen wegzulassen und 2,144448 * 109 Sekunden verflossen sind. Das mit dem Vor­zeichen ist halt schief gelaufen, sonst wäre für Reparaturen noch bis zum Jahre 2106 Zeit.

 

Halt, da fällt mir etwas ein – oder haben Sie schon mit dem Abheften begonnen? Schmeißen Sie’s weg. Man sollte aber vorher seine Daten speichern (unter Unix oder Linux!). Unix und Linux leben ewig, man braucht nur die Variable ‘time_t‘ als 64-bit Integer zu definieren, sei­nen Kernel neu zu kompilieren, und schon ist man auf der sicheren Seite. Und wenn das Ihr Administrator getan hat (fragen Sie ihn, ob er das getan hat!), so können Sie bis zum Ende der Lebensdauer des bekannten Universums beruhigt sein (falls es wirklich pulsiert). Und wenn das immer noch nicht reichen sollte, dann definieren wir ‘time_t‘ eben als 128-bit Integer. So einfach ist das, wenn man es nicht mit DOS-Abkömmlingen zu tun hat. Unix und Linux wer­den also nicht verrückt spielen, auf gar keinen Fall, versprochen.

 

Dabei steht heute schon fest: „Die Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale“. Global gesehen. Den Mitarbeiterjahresgesprächsleiter nehme ich ausdrücklich aus der Ober-Menge der Verrückten heraus, einige andere Leute nicht, zumindest ohne vorherige eingehende Prü­fung nicht so ausdrücklich. Noch was, Zitat: „Wir sind eine Psychiatrie mit Freigang“. Diese Quelle gebe ich nicht preis. Sie sprudelt aber recht munter. Mal sehen, was da noch so raus­blubbert. Z.B.: „Kacke schwimmt immer oben“ oder ähnliches? Das war jetzt wirklich äußerst unpassend – eine waschechte Korruptel. Verzeihung (ohne Exclamation Mark).

 

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Betreff: Das Problem „Sound“

 

Sie erinnern sich? Es ist immer noch nicht gelöst, aber dieses spezielle Problem meine ich auch gar nicht. Diesmal geht es genau anders herum. Ich kenne nämlich am Zentrum ein sym­pathisches Leut, das von akustischer Weltverschmutzung nichts wissen wollte und den Laut­sprecher nur eingeschaltet hat, wenn es ihn für multimediale Zwecke unbedingt brauchte. Was soll auch in Windows dieses ewige „Tada“, „Ping“, „Brrr“, „Kling“, „Ring“, ... es gibt noch andere Sounds, z.B. im äußerst beliebten Robotz-Paket (es heißt wirklich so), im Jungle-Pa­ket, im Musica-Paket (das geht ja noch), im Utopia-Paket und mehreren anderen solcher Pakete.

 

So. Nun beschwert sich dieses Leut bei mir, weil es kein „Ping“ hört, wenn eine neue E-Mail eintrifft.

 

„Haben Sie Ihren Lautsprecher überhaupt eingeschaltet?“ Dumme Frage meinerseits. Ich fra­ge übrigens immer so dumm.

 

„Natürlich nicht, weil mich das Gedödel so nervt.“ Eine gescheite Antwort leutseits.

 

„Schalten Sie ihn trotzdem ein und befolgen Sie meinen Tip: Klicken Sie in Windows links unten auf ‘Start‘ (linke Maustaste), bewegen Sie die Maus auf ‘Einstellungen‘ und hinüber auf ‘Systemsteuerung‘, klicken Sie dort mit der linken Maustaste und wählen Sie danach mit einem Doppelklick (wieder linke Maustaste) ‘Akustische Signale‘. Jetzt wird es spannend. Wenn Sie bei ‘Ereignisse‘ unter den vielen Einträgen ein Lautsprechersymbol sehen (bewe­gen Sie den Schieberegler!), so klicken Sie mit der linken Maustaste darauf und wählen im Feld ‘Akustisches Signal – Name:‘ den Eintrag ‘(Keine)‘ durch Klicken auf die linke Maus­taste – bis auf den Menüpunkt ‘Posteingangsbenachrichtigung‘. Dort lassen Sie das Lautspre­chersymbol stehen. Wählen Sie sich dazu etwas wohlklingendes aus, z.B. ‘Chimes.wav‘ oder ‘Ding.wav‘ – den Klassiker ‘Ping‘. Hören Sie vorsichtshalber zur Probe, was sich hinter die­sen nur zum Teil lautmalerischen Namen verbirgt. Dazu gibt es diesen Startknopf, wie auf Rekordern üblich. Haben Sie ihn gefunden? Gut.

 

Vergessen Sie nach Ihrer Auswahl nicht, erst ‘Übernehmen‘ und dann ‘OK‘ mit der linken Maustaste zu drücken. Sollte Ihre Maus linkshändig eingestellt sein, so ersetzen Sie in diesem Tip einfach ‘links‘ durch ‘rechts‘. Das war doch ganz einfach, oder etwa nicht?

 

Wenn Sie damit nicht zurecht kommen, so gibt es an Ihrem Lehrstuhl eine(n) BetreuerIn. Die­se BetreuerInnen sind alle bestens ausgebildete, von den Lehrstuhlinhaber(n)Innen ausgesuch­te Leute. Sie helfen immer gern, schnell, freundlich und kompetent - wenn sie es können.“

 

Zu dieser „Weltverschmutzung“ möchte ich noch etwas sagen. Sie heißt ja euphemistisch im gängigen Sprachgebrauch eigentlich „Umweltverschmutzung“. Ich komme darauf, weil meine damals 6-jährige Tochter, Jahrgang 1966, ihren um ein Jahr jüngeren Bruder zurechtgewiesen hat: „Hebe das Gudipapierl sofort wieder auf! Das ist ja Weltverschmutzung!“ Er hob es auf. Im Jahre 1 meiner Zugehörigkeit zur TUM. Das war also schon sehr lange vor dem Urknall.

 

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Betreff: Ein schwerwiegender Festplattenfehler

 

Eine Betreuerperson: „Die Festplatte im ‘pcdingsbums‘ ist kaputt. Was kann man da tun?“

 

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Betreff: Noch einer

 

Noch jemand: „Die Festplatte im ‘lapsowieso‘ ist kaputt. Was kann man da tun? Ist jetzt alles weg?“

 

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Betreff: Und noch einer

 

Und noch jemand: „Meine Festplatte ist kaputt. Was kann man da tun? Ist jetzt alles weg? Wie komme ich wieder an meine Daten? Ich habe leider nicht immer alles gesichert.“

 

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Betreff: Und noch einige

 

Ist jetzt alles weg? Was man da tun kann?

 

Wenn man vorher sein Zeug am LRZ gesichert hat, so installiert man halt ein netzwerkfähiges Minimalsystem und holt sich das Zeug wieder vom LRZ auf eine neue Festplatte - wenn man exakt dieselbe Version und Revision als Minimalsystem installiert hat, mit der exakt gleichen Festplatten-Konfiguration. Es gibt Leute, die das das geschafft haben.

 

Und wenn man als RBGMath nicht weiß, welche Version – und wenn, welche Revision –ir­gendwann von irgendwem installiert wurde und der neue COMMAND.COM nicht zum gesi­cherten System paßt? Dann probiert man halt rum und rennt rum und fragt rum, bis man ir­gendwo bei irgendwem eine CD findet, die paßt. Also alles löschen und das Minimalsystem nochmal installieren. Und das mehrfach. Schon geht das irgendwann, und wenn es noch so viel Zeit kostet, denn der Versionen und Revisionen sind gar viele. Mehr als man denkt.

 

Wenn man aber vorher nichts gesichert hat? Dann kann man vielleicht froh sein, wenn man einen Axonex der Firma Delektron hat (siehe Seite 4 unter „Noch ein Bestechungsfall“), weil Ihnen dann die RBGMath auf einem anderen Rechner möglicherweise den Platteninhalt noch retten kann. Das klappte schon mehrmals – aber allein deshalb bei Delektron solchen Schrott kaufen?

 

Hat man nun aber nichts gesichert und ist auch nicht glücklicher Benutzter eines Axonexes, hat auch nichts auf Disketten, ZIP oder JAZ am Ort gespeichert, so wird es kritisch. Alles ist weg. Dann fängt man am besten ganz von vorne an und hat dann seine neue Platte frisch ge­putzt. Das hat schon auch etwas für sich.

 

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Betreff: Noch was zum Thema

 

Sichern, sichern, sichern, egal wie und wohin! Bei diesem verflossenen Jahrtausendwechsel sind Sie ja noch gut weggekommen. Wie schaut es aber im Jahre 2038 oder 2106 oder 2999 aus? Sie sollten vorsorgen, dürfen sich aber dabei nicht scheu machen lassen von irgendwel­chen Endzeitpropheten, die für das Jahr 3000 sicher irgendwelche Kalamitäten dieser Art vor­hersagen werden.

 

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Betreff: MS-Access ist ein Schmarrn

 

weil es einen nach dem zweiten Eintrag in die Datenbank diesen zweiten Datensatz nicht spei­chern läßt. Jawoll.

 

„Ich mach grad Access. Da kommt so a komische Fehlermeldung. Wo ist denn der Herr H.? Ich brauche ihn dringend.“ (es war kurz vor Feierabend.)

 

„Wo er ist, weiß ich auch nicht. Wissen Sie was? Ich komme gleich vorbei, nachdem es offen­bar so dringend ist.“

 

Tatsächlich. Da stand eine ausführliche Fehlermeldung mit Hinweisen zur Fehlerbehebung auf dem Bildschirm. Ich erspare Ihnen den ausführlichen Wortlaut und sage nur, daß da auch noch zwei Knöpfe waren: „Abbrechen“ und „Hilfe“. Der Text der Fehlermeldung war auf­schlußreich, wurde aber nicht gelesen, und die weiterführende „Hilfe“ wurde auch nicht ange­klickt, stattdessen mehrfach „Abbrechen“, bis man eben „Hilfe“ am Telefon suchte – und auch bekommen hat. Ich war es schon damals und bin es immer noch - unverbesserlich. Und ging prompt zum Tatort.

 

Der Fehler: der Autor der Datenbank hat als Vorgabe für die Mitgliedsnummer in der Hurwitz Gesellschaft „0“ eingetragen. Vorgaben sind immer gut, also akzeptieren. Der Autor hat auch darauf geachtet, daß es nicht zwei identische Mitgliedsnummern geben darf, hat sie aber nicht automatisch inkrementiert und auch in den folgenden Datensätzen „0“ vorgegeben. Vorgaben sind immer gut, also akzeptieren. Das ist aber zumindest in diesem Fall ein großer Schmarrn.

 

Eine Mitgliedsnummer „0“ zu vergeben ist ein noch größerer Schmarrn. Oder hätten Sie gern eine solche, z.B. als Gründungsvater? „Null?“

 

Und warum Adolf Hurwitz, nicht aber etwa Emmy Noether (oder eine andere Frau des Jahr­hunderts) PatronIn dieser Gesellschaft sein darf, habe ich nie verstanden. Haben sich da etwa in irgendeinem Gremium maskuline Chauvinisten gegen feminine Feministinnen durchsetzen können? Shame upon them. And me (obwohl mich das nun wirklich gar nichts angeht).

 

Zu diesem an der TUM offenbar immer noch sehr weit verbreiteten maskulinen Chauvinis­mus (gibt es auch einen femininen?) fallen mir hinterher aber noch zwei Dinge ein:

 

Erstens: Warum mußten die Frauenzusammenkünfte im Besprechungszimmer S2413 immer zu einem Zeitpunkt stattfinden, an dem bisher seit dreißig Jahren traditionell Kaffee getrunken wurde? Von zugegeben ein paar Männern, aber auch zeitweise bis zu fünf Frauen, die aller­dings keine Führungsaufgaben hatten. Zählen solche Frauen nicht? Natürlich nicht, wenn man diese Inflation von Plakaten allüberall gesehen und überlesen hat. Ich hatte den Verdacht, daß dieses eine Stichelei war, mit der man den Männern zeigen wollte, wer ohne vorherige Ab­sprache die Terminherrschaft hat. Ohne vorherige Absprache gehört sich das aber nicht. Gibt es inzwischen also doch auch einen femininen Chauvinismus an der TUM?

 

Zweitens: Im Zusammenhang mit dem Patronat für diese zu gründende Gesellschaft stellt sich für mich die Frage, ob da nicht ein taktischer Rückzug in Erwägung gezogen und auch durch­geführt wurde. Etwa der Art: „Wenn wir jetzt nicht nachgeben, dann kommen diese Männer vielleicht auf die Idee, einen Männerbeauftragten zu fordern“. Glänzende Idee, den Männer­beauftragten gibt es bis heute nicht.

 

Ein Drittes fällt mir noch ein: Nachdem diese Frauenzusammenkunft nicht die einzige Veran­staltung zu diesem sensiblen Zeitpunkt war, sondern für genau diese Zeit und diesen Raum von einer Ordinaria an (natürlich) anderen Wochentagen ebenfalls Zusammenkünfte angesetzt wurden, hm, wie wäre es mit einem Männerbeauftragten, Ihr Männer? Steht Euren Mann! In Garching ist es ja noch enger mit Räumen und Terminen. Männer dieser Fakultät, vereinigt Euch! Es muß ja nicht gleich eine Revolution oder eine Gegenreformation oder ein veritabler 30-Jähriger Krieg daraus werden. Männer sind meistens vernünftig – wenn auch nicht immer. Frauen sind ja auch manchmal vernünftig. Wären sie es nur immer! Shame upon me.

 

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Betreff: Tinnitus

 

Sie wissen vielleicht, was das ist – ein dauerndes Klingeln, Sausen, Pfeifen, Rauschen oder Brummen in den Ohren.

Aberglaube ist meine Sache nicht, aber Zeitgenossen sagen ja oft, daß immer dann, wenn schlecht über einen gedacht werde, es einem in den Ohren klingele. Ich glaube es nicht, aber ausschließen kann ich es doch nicht ganz, weil es bei mir immer klingelt. Aber das kann doch wohl nicht sein, daß man rund um die Uhr schlecht über mich denkt. Vielleicht manchmal, wenn ich wieder etwas vermasselt habe, wie z.B. diese Sache mit den Schranktüren (s. S. 10). Aber doch nicht immer! Dieser Tinnitus ist also vielleicht gar nicht so schlecht, auch wenn er lästig ist. Denn wenn es in beiden Ohren sowieso immer klingelt, dann kann ein von außen kommendes Klingeln nicht die Ursache sein, und man hat wenigstens insofern seine Ruhe.

 

Man muß also nur positiv denken!

 

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Betreff: Noch ein nützlicher Tip

 

oder eher eine Warnung. Stellen Sie nie, nie, nie Ihre Kaffeetasse auf der zu diesem Behufe herausgefahrenen Schublade des CD-ROM-Laufwerks ab. Ich kenne jemanden, der nicht wußte, daß Betriebssysteme – egal welche - manchmal ohne Vorwarnung die Schublade automatisch einziehen. („Tip“ schreibe ich übrigens hartnäckig immer SO und nicht anders)

 

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Betreff: Eine Art unangenehmer Bildschirmschoner

 

Das Zentrum hat einen neuen Mitarbeiter bekommen. Es ist ein angenehmer Mensch mit Zeit­vertrag. Unangenehm ist nur, daß er in einem gefangenen Zimmer sitzt, ohne direkten Zugang von außen. Unangenehm nicht unbedingt für ihn, aber für mich. Mußte ich doch gelegentlich zu ihm durch sein Vorzimmer, besetzt von einer Dame (nicht seiner Vorzimmerdame, er hatte keine), und mir bei dieser Gelegenheit jeweils zweimal verschiedene sog. Bildschirmschoner anschauen. Beim Hinein- und Hinausgehen. Das kurze Höschen oder Röckchen war jeweils zweimal dasselbe, auch winters. Wenigstens das. Aber trotzdem unangenehm. Für mich. Se­hen wir es so: Dienst ist Dienst. Ob angenehm oder unangenehm: Dienst ist Dienst.

 

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Betreff: Arbeitsgruppe

 

Arbeitsgruppe klingt gut, aber was ist das? Im Windows-Netzwerk ist das eine Gruppe von Leuten mit ihren Rechnern, die gleiche oder ähnliche Aufgaben erledigen, untereinander Da­ten austauschen müssen – eben zusammenarbeiten. Wenn man unter Windows einen neuen Rechner in das Netzwerk einbinden will, so wird man als Installateur nach dem Namen der Arbeitsgruppe gefragt. Die Vorgabe ist „Arbeitsgruppe“. Was sonst. Vorgaben sind immer gut, also akzeptieren. „Workgroup“ bedeutet dasselbe für die englischsprachige Version von Windows. Also auch akzeptieren!

 

Schauen Sie nun bitte sofort im Netzwerk nach, welche Rechner unter „Arbeitsgruppe“ oder „Workgroup“ erscheinen. Ich kann mir vorstellen, daß die Angehörigen dieser Gruppen im­mer noch fast ausschließlich Angehörige der Fakultät für Informatik sind, denn die Klempner dieser renommierten Fakultät sind genau so vorgegangen – oder sollte man vorhaben, anläs­slich des Umzugs nach Garching tatsächlich diese Schlamperei zu beenden? Eher nicht.

 

So ein Schlamper bin ich natürlich nicht, ein Klempner auch nicht, ein Installateur aber schon.

In welche Arbeitsgruppe soll ich diese beiden neuen Rechner für das Servicebüro also einord­nen? Nachschauen, was sich da anbietet. Ha! „STUDSEKR“ trifft es fast. Herrn H. fragen, ob es paßt. „Es paßt“. Vorsichtshalber nachschauen, wer in dieser Gruppe vertreten ist. Paßt, OK, paßt auch, auch der paßt und die anderen auch. Halt! Den einen da, den schaue ich mir doch besser etwas genauer an. Er hieß mit seinem logischen Namen „BILDSCHIRMSC“ und war für die ganze Welt ohne Kennwort sperrangelweit offen. Sie wissen vielleicht auch, daß diese logischen Namen nur zwölf Zeichen lang sein dürfen, und wenn man sie länger eingibt, dann wird halt automatisch abgeschnitten. Der ganze Name lautete (an anderer Stelle für Admini­stratoren einsehbar) „Bildschirmschoner“. Ach, dieser Rechner ist das. Sie kennen ihn schon.

Und tatsächlich wurden auf ihm neue tolle sog. Bildschirmschoner installiert. Die braucht man zur Arbeit. Oder nicht?

 

Jedenfalls hat offenbar einer dieser neuen tollen sog. Bildschirmschoner diesen Rechner mit­samt Inhalten dem Rest der Welt zugänglich gemacht. Es war wenigstens kein neuer, bislang unbekannter Virus. Also nix wie hin! Anderes muß eben liegen bleiben. Auch der Rechner des Herrn H., der in eben dieser Arbeitsgruppe beheimatet ist, aber das Netzwerk nicht mehr sieht, nicht einmal seine MitarbeiterInnen und seinen Drucker in „STUDSEKR“. Blind zu sein ist schon blöd. In seinem Fall war nur die Netzwerkkarte defekt. Ein Klacks.

 

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Betreff: Grüne Wiese statt Asbestbunker

 

war die Überschrift in der SZ vom 20.01.2000, S. L3. Nichts wie hin, auf die grüne Wiese. Das muß ja etwas werden, wenn gleich sechs Leute den ersten Spatenstich für die neuen Gebäude in Garching auf präpariertem Gelände (der Boden war gefroren) mit sechs schön gravierten Edelstahlspaten zu je einem Sechstel durchführten, und zwar gleichzeitig auf Kom­mando (wessen? Ich war nicht dabei, weil nicht eingeladen. Frage: Wer war eingeladen? Nur höhere Chargen natürlich, weil die zu solchen Veranstaltungen nicht nur wegen kostenlosen Bratens und Bieres gehen. Wird es bei der Grundsteinlegung am 17. Mai anders sein?).

 

Von einem „Generationswechsel“ war dann auch noch die Rede (a.a.O., Spalte 3, ausnahms­weise ganz unten, im letzten Satz), und zwar im Zusammenhang mit der Finanzmathematik. So jung ist diese „jungberufene Kollegin“ (TUM-Mitteilung 2-99/00, S. 5, Absatz 2) aber doch auch nicht mehr. Oder sollte ich mich so sehr täuschen? „Generationswechsel“?

 

Besten Dank für die außerordentlich vielen schönen Fotos, schon am Tag darauf per E-Mail. Fixe Leute haben wir schon. Und die Hochglanz-Broschüre bald auch in Inglisch.

 

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Betreff: Der Dies Academicus 1999

 

Dieser Tag wird einem schon allein durch den Vortrag unseres Präsidenten in Erinnerung bleiben. Ich konnte leider nicht dabei sein (obwohl ich eingeladen war) und kann diesen Vortrag nur in der TUM-Mitteilung 2-99/00, S. 3 ff. nachlesen. Dabei fällt mir etwas auf. Nicht nur Schlagworte wie „Experementierklausel“, auch „Matrixstruktur“, „Aufbruch­stimmung“, „Gemeinschaftswerk Zukunft“ und weitere, auch z.B. dieser „Generationen­wechsel“ tritt dort auf. Wie heißt dieser nun wirklich? Unser Dekan spricht von „Generations­wechsel“, der Präsident aber von einem „Generationenwechsel“. Wer hat recht? Im Zweifel der Präsident. Hat er Recht? Fragen wir unsere Experten, die Philosophen, Philologen, Ger­manisten, Linguisten und Semiologen an unserer Spitzen-Reformuniverisität. Wir haben solche Experten immer noch nicht? Schade.

 

Zumindest gibt unser Präsident diesen weltfremden Experten schon einmal einen guten Rat (a.a.O., S. 4, Spalte 2, GANZ OBEN), so wie es auch unser Ministerpräsident zu tun pflegt, wenn z.B. in Österreich, Italien oder Hamburg eine neue Regierung nach seinem äußerst exquisiten Geschmack zu bilden ist.

 

Wen wundert es da noch, daß unser Präsident als ministrabel gilt?

 

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Betreff: Noch was zum Generationswechsel

 

oder „Generationenwechsel“ oder wie der heißt. Er wird a.a.O. S. 4, Spalte 2, Absatz 2 ange­sprochen.

 

Hier das Zitat (aber nicht nur dort!): „Auch hier der Generationenwechsel. Und die Weisheit der Alten hat Bestand: »...denn Gerechtigkeit besteht nicht darin, daß man alle auf dasselbe Niveau drückt« (Heinz Maier-Leibnitz, ...)“.

 

Auch hier der Generationenwechsel?“ Davon war vorher in dieser Rede noch keine Rede. Aber vielleicht hat sich der Terminus „Generationenwechsel“ im Hinterkopf unseres Präsi­denten so festgesetzt, daß er ihn in jeder seiner Reden zwanghaft mehrfach verwenden muß, hier aber aus Versehen nur einmal verwendet hat – oder habe ich etwas übersehen, oder war der Abdruck nur ein Exzerpt? Bei allem Respekt: dieser verehrte Herr Maier-Leibnitz war nicht mehr der Jüngste, was unser Präsident auch gestanden hat.

 

„...alle auf dasselbe Niveau drückt?“ Hat man (wer?) das nicht sehr bewußt getan, indem man z.B. ein blühendes Institut für Angewandte Mathematik einfach so eliminierte? Denkt nach, Ihr Denker, und kommt endlich zu einem Schluß!

 

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Betreff: M13 ante portas, ein Netz muß her

 

So planen wir halt wieder einmal. Die Vor­gabe unseres Ober-Raumbeauftragten war, 30 Arbeitsplätze im Raum S4024 auf nur 48,64 m2 unterzubringen. Daß das nicht geht kann sich jeder vorstellen, also auch ich. Das ist ein Problem. Aber probieren wir es doch einfach einmal! Was dabei heraus­kommt sehen Sie nebenan.

 

Sie meinen, daß die Tür nicht aufgeht? Sie geht auf, wenn auch nicht ganz! Und wenn man schlank ist kommt man auch rein. Aus­serdem kann man die Tür auf der anderen Seite anschlagen. Sie muß sowieso neu gesetzt werden, nachdem uns die beiden Nachbarräume nichts angehen und von dort aus kein Zugang mehr möglich sein wird.

Das ist immerhin ein schwieriges Problem weniger.

Einerseits sehen Sie da eine ziemlich mißglückte Raumaufteilung, andererseits ist die Auf­gabe, auf dieser kleinen Fläche so viele Arbeitsplätze zu installieren, optimal gelöst.

 

Wie komme ich aber zu meinem Lieblingsarbeitsplatz am Fenster, dem mit der Nummer 18? Ein Problem mehr. Über die Tische steigen? Das ginge schon, wenn man schwindelfrei ist und darauf achtet, anderen Usern nicht auf die Finger (Versicherung abschließen!) und auf die Mäuse zu treten, was von betroffenen Usern mit ungeahnten Unmutsäußerungeren geahndet werden könnte. Von Usern war im Rahmen der Raumplanung allerdings keine Rede.

 

Ich möchte mich aber auch hinsetzen können. Noch ein Problem mehr - unlösbar!

 

Die von anderer Seite vorgeschlagene Hoffnung auf eine „Wundersame Raumvermehrung“ (gemeint war wahrscheinlich nur eine ditto „Flächenvermehrung“) habe ich aufgegeben. Der Hinweis von dieser Seite, daß „Der schönste Blödsinn des Jahres 2000“ gesucht wird, um ihm den Valentin-Orden zu verleihen, hilft mir auch nicht weiter. Der Urheber dieses Vorgangs ist dieses Ordens eigentlich nicht würdig. Da gäbe es schon noch ganz andere Aspiranten – oder denken Sie anders? Nicht? OK. Einverstanden. Eingereicht hat diesen Vorschlag niemand, ich auch nicht. Schade, daß es nicht einmal eines Vorschlages wert war.

 

Unser Ministerpräsident hat den Valentin-Orden schon und kommt für ein weiteres Mal nicht in Frage. Dafür bekam er für die Saison 2000 (nein: für immer und ewig) in Aachen den Or­den „Wider den Tierischen Ernst“ verliehen. Sie werden im Gegensatz zu mir schon wissen, wofür. Aha, dafür!

 

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Betreff: Schon wieder ein Artikel in der Zeitung

 

und zwar in der SZ v. 17.02.00, S. L4. Schlagzeile: „Die TU ist zwei Jahre voraus“. Es ging um ein Gütesiegel namens „Best Practice“, welches das CHE vergeben hatte. Natürlich nicht an irgendeine TU, sondern an die TUM! Wollen Sie ein paar Schlagworte hören? Lesen Sie das selbst nach. Ach, Sie haben den Artikel nicht griffbereit? Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir – so etwas bewahre ich mir (meistens) auf und kann Ihnen stante pede mit folgendem kleinen Auszug dienen: „Straffe Struktur“, „Internationalität“, „Kosten- und Leistungsrech­nung“, „Akademisches Controlling“, „Koordination“, „Finanzierung“, „Alimentierung“. Das alles in der Antwort auf die erste Frage des Interviewers: „Was macht die TUM ... zum Vor­bild?“. Die fünfte Frage lautete: „Welchen Vorsprung hat die TU?“ Antwort, sinngemäß: „Sie ist an der Spitze und hat einen Vorsprung von zwei Jahren.“ Was zu beweisen wäre.

 

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Betreff: Eine Art miserabler Zahlungsmoral

 

Eine solche hatte die TUM schon immer. Obwohl Rechnungen von der Lehrstuhlsekretärin noch am Tag des Eingangs an die Verwaltung weitergegeben wurden, warteten die Lieferan­ten oft vier(!) Wochen auf ihr Geld und quatschten mich deswegen auch schon einmal dumm an. Die eine oder andere Mahnung kam auch. Das war aber noch vor der Zentrumszeit und deshalb kein Wunder.

 

Dann wurde das Zentrum ins Leben gerufen, mitsamt eigener Haushaltsabteilung. Obwohl ich Rechnungen noch am Tag des Eingangs an diese Haushaltsabteilung weitergegeben hatte, warteten die Lieferanten oft sechs(!) Wochen auf ihr Geld und quatschten mich deswegen auch häufig dumm an. Mahnungen habe ich von da an ignoriert. Das war aber noch vor der Reform und deshalb kein Wunder.

 

Dann wurde die Haushaltsabteilung des Zentrums personell verstärkt, die der TUM im Rah­men der Reform verschlankt und die Struktur insofern gestrafft, als Rechnungen zentral in Augsburg beglichen wurden. Das Resultat dieser Anstrengungen ist äußerst interessant. Ob­wohl ich Rechnungen nach wie vor noch am Tag des Eingangs an die Haushaltsabteilung des Zentrums weitergegeben hatte, warteten die Lieferanten oft acht(!) Wochen auf ihr Geld und quatschten mich nur noch dumm an. Mahnungen habe ich von da an erst gar nicht mehr igno­riert. Noch einen Vorteil hat das reformierte Verfahren: Der Kreis der Lieferanten hat sich reduziert und ist übersichtlicher geworden. Das ist schon ein Wunder. Die Erklärung dafür ist aber einfach. Es ist so, daß so mancher Laden (nicht nur in der Schillerstraße) an die TUM nur noch gegen Bares (Bimbes) verkaufen wollte, und man für 49 Mark 99 nicht viel bekommt.

 

Oder hat unser Kanzler eine andere, plausiblere Erklärung dafür? Ist er doch Sprecher eines deutschlandweiten Gremiums namens „AK HSReW“, das sich solcher Probleme annimmt. Verschlankung und so. Oder sollte ich mich derart täuschen, daß er überhaupt nichts damit zu tun hat und an gar nichts Schuld trägt?

 

Die TUM „ist an der Spitze und hat einen Vorsprung von zwei Jahren.“ (siehe oben). Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob nach zwei Jahren auch an allen anderen deutschen Universi­täten dieses Wunder geschieht und sich auch dort der Kreis der Lieferanten verschlankt. Zeit wird es. Und wo wird unsere Spitzenuniversität dann stehen? Zwei Jahre voraus. Mindestens.

 

Ich habe da eine Geschäftsidee und suche dafür nur noch Geldgeber: Warum gründen wir nicht eine Vertriebsgesellschaft, die deutschen Universitäten zehn(!) Wochen Zahlungsziel gewährt, auf diese Weise irgendwann alleiniger Lieferant wird und als Monopolist die Preise diktieren kann?

 

Lieber wäre es mir als Steuerzahler, wenn der "AK HSReW" dafür eine Lösung fände.

 

Das Obige - sarkastisch wie es ist - habe ich vorab schon einmal an maßgebliche Leute der Finanzverwaltung geschrieben, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Und bekam auch eine Antwort darauf, vom Kanz­ler: „... Bitte zeigen Sie weiterhin etwas Verständnis für die derzeitige Situation; Sie scheinen sie ja noch mit Humor zu tragen...“ Punkt. Da hat er doch glatt Sarkasmus mit Humor verwechselt. Geändert hat sich nichts, obwohl er diesen meinen Sermon auch an den Präsidenten der Finanzdirektion Augsburg weitergeleitet hat. Na ja, vielleicht hat auch der dortige Herr Präsident nur gelacht. Humor muß sein. Was noch?

 

*  *  *

 

Betreff: »best practice-Hochschule 2000«

 

ist die korrekte Bezeichnung für das Gütesiegel des CHE für die beste (deutsche) Universität. Wir wissen es aus den „MITTEILUNGEN DER TECHNISCHEN UNIVERSITÄT MÜN­CHEN FÜR STUDIERENDE, MITARBEITER, FREUNDE 3-99/00“. Diese Mitteilungen kamen leider erst Anfang März 2000 heraus und kündigten leider erst auf Seite 3 an:

 

„An der TU München findet der best practice-Workshop am Montag,

dem 14. Februar 2000 im Auditorium maximum statt. Kontakt: ...“.

 

Als Deutschlehrer, der ich nicht bin, hätte ich mindestens vier Fehler angestrichen. Sowohl nach überkommener, als auch nach Neuer Schreibung. Mache nicht weiter so, meine liebe

Die vielbeschworene und nicht existente Partnerschaft muß her (s. SZ v. 09.03.2000, S. L3).

 

*  *  *

 

Betreff: Ein weiterer Schülerinformationstag

 

Über die vorhergehenden Schülerinformationstage möchte ich mich nicht auslassen. Nur so viel: Ich mußte Strom- und Netzwerkanschlüsse allein auf- und wieder abbauen.

 

Im Jahre 2000 war es anders. Ich habe aufgebaut, und ein Kollege hat abgebaut. Schließlich hatte ich zum Zeitpunkt des Abbaues schon Feierabend. Worauf ich in den vorhergehenden Jahren zu achten versäumt hatte. Man lernt ja dazu.

 

Zur Vorbereitung der Präsentation am 25.02.2000 hatte der Organisator sehr rechtzeitig dazu aufgefordert, der RBG rechtzeitig zu sagen, welche Anschlüsse benötigt würden. Die Präsen­tation sollte um 13:30h sein. Rechtzeitig um 12:00h desselben Tages habe ich ich davon er­fahren, daß noch ein weiterer Netzanschluß benötigt wird. Kein Problem. Da verkürze ich einfach meine Mittagspause. Aber nur heuer, und das zum letzten mal. Man lernt ja dazu.

 

*  *  *

 

Betreff: Ein Beamer! Ein Beamer! (kein Klavier)

 

„Der Beamer geht nicht! Der Beamer geht nicht! Haben Sie keinen anderen?“ So gehe ich halt in‘s Lager und schaue, ob da nicht noch einer zufällig herumsteht. Da war aber keiner. Wo käme er auch her? Was mir dabei auffällt: Man hält mich auch dafür zuständig. Kein Wunder, denn eine Stellenbeschreibung für meine Stelle in der RBGMath hat es noch nie gegeben und gibt es bis heute nicht, obwohl ich darum gebeten habe. Also bin ich für alles zuständig. Oder nichts. Da stimmt etwas nicht.

 

Stimmen könnte ich Ihnen allerdings Ihr Klavier. Damit wenigstens das stimmt.

 

*  *  *

 

Betreff: Ein kurzer Anruf

 

„Sie! Mein Bildschirm ist auf einmal schwarz geworden. Ich kann nichts dafür!“

 

Ob ich wohl bitte vorbeischauen darf? Ich durfte. Sofort. Mußte also nicht erst warten. Dumm war nur, daß mich meine beiden Bosse auf dem Boden liegend antrafen. Oh, mein Kreuz!

 

*  *  *

 

Betreff: Noch etwas zu E-Mail

 

Die verschickt man immer lieber, ohne daran zu denken, daß sie jemand erhält, dem es lang­sam auch zu viel wird. Und nichts ist einfacher, als noch etwas dran zu hängen, z.B. eine PS-Datei (PS steht für PostScript), die schon einmal einen Umfang von einigen Megabyte errei­chen kann. Und nachdem solche Dateien so groß sind hat es sich eingebürgert, sie vor dem Versenden zu komprimieren. Nun gibt es immer Leute, die von Einbürgerungen nichts wissen wollen und solche Trümmer unkomprimiert verschicken. Mit der Folge, daß den Empfängern solcher Mails schon einmal der Platz ausgeht.

 

Eines schönen Frühlingstages des Jahres 2000 standen reihenweise Studenten vor der Tür, die sich im Pool S0202 nicht mehr einloggen konnten. Falsch, es waren ausschließlich Studentin­nen, durch die Bank Mädchen, keine Buben. Hat da vielleicht ein Frauenbeauftragter mit un­komprimierten Anhängseln die Quoten der armen Mädchen zugemüllt? Die Quote ist halt nur lächerliche 5 Megabyte groß. Komprimiert hätte die Mail etwas über 1 Megabyte benötigt.

 

Aber das kann man als Versender ja nicht wissen, wenn man selbst unbegrenzten Zugriff auf Ressourcen hat und tagelang auf fremden Rechnern ungebeten rumrechnen kann.

 

Was mich noch gewundert hat ist die Tatsache, daß diese offenbar wichtige E-Mail mit dem offenbar noch wichtigeren Anhängsel nur unsere Studentinnen erhalten haben. Wenn es also wirklich nur Frauen betroffen hat, warum erfahren dann nicht alle davon? Also auch Sekretär­innen, Sachbearbeiterinnen? Ach so, die sind keine Führungskräfte, auch nicht potentielle.

 

@  @  @

 

Betreff: Ausnahmsweise ein Festplattenfehler

 

Ein(e) HP-UserIn vor zwei Wochen: „Sie, meine Festplatte gibt manchmal so komische Töne von sich. Was kann man da tun?“

 

„Sind schon irgendwelche Lesefehler aufgetreten? Nicht? Das ist gut! Bitten Sie Ihren Betreu­er sofort, den Inhalt der Platte zu kopieren, egal wohin, in’s Netz, auf einen anderen Rechner oder auf eine externe Platte, dann kann nichts passieren.“

 

Warum man mich anruft, obwohl ich dafür nicht zuständig bin? Weil man das immer schon so macht und sich um Zuständigkeiten nicht kümmert. Wo käme man hin, wenn man sich in so dringenden Fällen immer erst auf die Seite der RBGMath klicken müßte, weil man kein Lese­zeichen hat. Warum hat man keines? Weil man dazu einen (einzigen) Knopf drücken müßte.

 

Zwei Wochen später, also heute, am Freitag, kam der nächste Anruf: „Sie, meine Festplatte ist so laut, daß ich es nicht mehr aushalte. Ich fürchte, daß am Montag alles kaputt ist.“

 

„Das macht nichts, Sie haben doch vor zwei Wochen alles gesichert?“ „Das weiß ich nicht.“

 

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Betreff: Eine Terminsache

 

Wie blöd, daß Leute mit Lehrauftrag ihren Resturlaub während der „vorlesungsfreien Zeit“ nehmen müssen. Dann nehme ich meinen Resturlaub eben während der „nicht vorlesungs­freien Zeit“ und muß regelmäßig darum kämpfen. Wie blöd. Sie haben richtig gelesen. Kämpfen wie blöd.

 

Wie dumm, daß meine Kollegen (mit Lehrauftrag) alle in Urlaub sind und ich in einer halben Stunde meinen Urlaub antreten muß, damit er nicht verfällt. Auch andere mit Lehrauftrag, die mir rechtzeitig sagen könnten, was so anliegt, sind in Urlaub. Wie dumm.

 

Wie gut, daß es eine Sachbearbeiterin gibt, die mir gerade noch rechtzeitig sagen kann, daß die Möbel am 4. Mai geliefert werden, die feierliche Einweihung des Info-Points (oder wie das heißt) am 10. Mai sein soll, und dazu der Info-Point-Rechner laufen muß. Wie gut.

 

Wie schade, daß mir eine Sachbearbeiterin eine halbe Stunde vor meinem Urlaub sagen muß, daß es eine neue Hochglanz-CD gibt (mit Sound), die auf dem Info-Point-Rechner (der noch nicht konfiguriert war und keinen Sound hatte) anläßlich der feierlichen Einweihung des Info-Points abgespielt werden können soll. Hat das außer ihr vorher niemand gewußt? Wie schade.

 

Wie schön, daß dann alles doch noch geklappt hat. Ich war ja leider nicht dabei, wg. Urlaub. War Sound dabei, mit allem Pi-Pa-Po, in 3D-Stereo mit Subwoofer? Wie schön klang es?

 

Wie froh bin ich, daß mir mein Resturlaub nicht verfallen ist, wie froh. Habe ihn gebraucht.

 

*  *  *

 

Betreff: Die Hochglanz-CD der TUM

 

Aus dem Urlaub zurück habe ich erfahren, wie der Info-Point wirklich heißt: INFOPOINT heißt er laut Wegweiser. Nichts wie hin, immer den Wegweisern nach, die unübersehbar von der Decke hingen. Fixe Leute haben wir! Der Inhalt der Hochglanz-CD war schon auf die Festplatte kopiert, so daß man die Hochglanz-CD selbst nicht braucht. Gut! Weil keine greif­bar war, alle weggeschlossen. Jetzt bin ich auf den Sound gespannt. Wo sind die Boxen? Keine da. Gut, dann haben sie einen Monitor mit eingebauten Lautsprechern hingestellt und man muß die Lautstärke auch nicht von Hand einstellen, sondern kann das per Software tun.

 

Die Enttäuschung war groß. Es gab nach über 3 Wochen auf diesem Rechner immer noch kei­nen Sound! Schlecht. Das Wetter war aber gut. So bin ich halt in die Schillerstraße geradelt, habe eine für NT brauchbare Soundkarte und Lautsprecher besorgt. In einem Laden, der mir für ein paar Mark mehr mit einem Zahlungsziel von 7 Tagen rein Netto ohne Mahnung immer noch etwas gibt. Man kennt mich dort, meine Herkunft auch und weiß, daß das Geld irgend­wann schon noch reinkommen wird (s. S. 30, „Eine Art miserabler Zahlungsmoral“). Man redet ja mit den Leuten.

 

Die Enttäuschung war noch größer, als nach erfolgreichem Einbau und erfolgreicher Konfi­guration der Soundkarte die Performance sich als sehr dürftig erwies. Kein Wunder mit einem Pentium-133 und Uraltgrafik, einem für solche Hochglanz-Zwecke nicht brauchbaren, aber trotzdem zu unrecht ausrangierten Rechner. Der nicht unterbrechbare Abspann dauert mehrere kostbare Minuten. Wäre von Informatikern für diesen gemeinsamen INFOPOINT wirklich nichts Besseres, Ausrangiertes zu holen gewesen? Man müßte halt reden mit den Leuten.

 

Allerdings habe ich mit den Leuten des Medienzentrums der TUM auch nicht geredet. Ich hätte es tun müssen, um ihnen zu sagen, daß man z.B. einen Menüpunkt „Impressum“ einfü­gen kann. Wie es der Brauch ist. Anstelle dieses unsäglichen nicht unterbrechbaren umfang­reichen Abspanns. Aber nur deshalb eine neue Hochglanz-CD produzieren? Koschtjawas.

 

*  *  *

 

Betreff: Die Grundsteinlegung

 

Ende März 2000 wurden die Fakultäten für Informatik und Mathematik davon in Kenntnis gesetzt, daß die Grundsteinlegung für unsere neuen Gebäude in Garching für den 17. Mai geplant sei. Die Fakultäten sollten dafür vierzig(!) Teinehmer einladen – nein, nicht 40!, also nicht 40 Fakultät; das wären nun wirklich der Leute zu viele, so viele gäbe es auf der ganzen Welt nicht (ca. 815 915 282 800 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 sind in kurzer Schreibweise immerhin auch noch ca. 8 * 1047 Stück). Gibt es im bekannten Weltall überhaupt so viele Atome? Im gepflegten Rahmen sollte es also ablaufen, mit Braten und Bier im VIP-Zelt, ganz so, wie es sich schon im Januar beim ersten (sechsfachen) Spatenstich be­währt hat. Bewährte vierzig Teilnehmer also, das „(!)“ ist mir bloß so dazu gerutscht.

 

Was heißt hier „Teilnehmer“? Aktive, Passive und Gäste sagt man in den Vereinen dazu, und „Sonstige“ gibt es nicht. Und wer sind diese Vierzig? Nur höhere Chargen natürlich, weil die zu solchen Veranstaltungen nicht nur wegen kostenlosen Bratens und Bieres gehen (s.S. 28, „Grüne Wiese...“).

 

Nun hat es sich aber ergeben, daß jemand, die als „Sonstige“, aber Betroffene, schon beim ersten (sechsfachen) Spatenstich gerne dabei sein wollte, aber als „Sonstige“ natürlich nicht eingeladen wurde, endlich einmal teilnehmen wollte (wer nicht?) und unserem Präsidenten einen deutlichen Brief geschrieben hat. Und dieser Präsident ist wirklich ministrabel. Hat er doch seine Meinung innerhalb einer Woche (so lange brauchte er allerdings noch dazu) geän­dert und den Brief beantwortet. Zitat: „Ein Praesident, der sich so sehr fuer diesen Neubau und die damit verbundene Zukunft der Fakultaeten fuer Informatik und Mathematik einsetzt, moechte natuerlich bei der Grundsteinlegung am 17. Mai so viele Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter aus den beiden Fakultaeten sehen, wie nur moeglich.“

 

Ja. Und dann freute er sich noch darauf, daß alle mitsamt Aufbruchstimmung im T-Shirt nach Garching kämen, und auch darauf: „Wenn wir nicht alle Platz im Festzelt finden, dann gibt es eben ein kreatives Chaos“. Aha. Doch nur ein VIP-Zelt für die Vierzig. Und wenn es in Gar­ching nun hagelt, in München aber nicht? Ich bleibe lieber in München und gehe meiner Ar­beit nach. Wer weiß, ob ich im „VIP-Zelt für die Vierzig“ im Falle eines Hagels neben Privi­legierteren noch einen Unterschlupf finden kann.

 

Ein „Kreatives Chaos“. War es das wirklich? Ich war nicht dort. Gibt es eventuell sonst noch ein Chaos an unserer Reformfakultät oder gar unserer Reformuniversität? Ich würde gerne einmal ein solches Chaos sehen, kreativ oder nicht. Oder bin ich inzwischen nur zu blind für solche Sachen? Macht das die Gewöhnung?

 

Ein „Kreatives Chaos“ kann es eigentlich nicht gewesen sein. Zwar erwartete unser Präsident „so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ... , wie nur moeglich“, doch war ein subalterner Mitarbeiter damit beauftragt worden, uns mitzuteilen, daß der Mathematik „ein weiteres Kon­tingent von etwa 30 Einladungen“ zustehe. Wenn ich richtig gezählt habe, so gab es an die­sem Zentrum Mathematik zu diesem Zeitpunkt 198 Aktive, minus 40 macht, wenn ich richtig gerechnet habe, 158 Interessenten. Zugelassen wurden also „etwa 30“, knapp 19%. Und satte 81%, zu denen ich und die Mehrheit von Ihnen gehören, sollten nun ein Rennen mit ungewis­sem Ausgang absolvieren, „heute und morgen“ – wo?, wann? (Datum?, Uhrzeit?). Der Sport ist zwar auch eine Disziplin der TUM, trotzdem habe ich an diesem Rennen nicht teilgenom­men. Nicht unter solchen Voraussetzungen. Sie vielleicht? Haben Sie einen Platz unter den ersten dreißig gewonnen? Ja? Gratuliere! Und wie war’s?

 

Was mich noch interessiert: Gab es nach sechs Spatenstichen auch sechs Grundsteine, und wenn nicht, gab es gar deren sieben, weil auch der Ministerpräsident (oder ein Stellvertreter) zugegen war, oder gab es doch nur einen einzigen? Nur einen einzigen? Was ist da drin? Sie wissen es nicht? Wenn Sie mich fragen, gehört auf jeden Fall dieser deutliche Brief dieser unter „Sonstige“ Fallenden hinein. Als Dokument. Für die Geschichte. Damit unsere Nach­kommenden etwas daraus lernen können. Dafür ist ein Grundstein doch auch gedacht – oder etwa nicht? Ich lerne immer gerne dazu.

 

Aber jetzt ist es zu spät. Der Stein bzw. die Steine liegt bzw. liegen schon. Ausgraben wäre zu teuer, koschtjawas. Jedenfalls mehr als sechs schön gravierte Edelstahlspaten und VIP-Zelte für den sechsfachen Spatenstich, die Grundsteinlegung und das Richtfest zusammen, wenn man auch noch die Kosten für die Verpflegung der bedürftigen Eingeladenen mit Braten und Bier rechnet. „Sonstige“ schlagen nicht zu Buche. Und auch nicht zu Rück, zu Hoch, zu Tief.

 

*  *  *

 

Betreff: Eine E-Mail, an alle

 

Zitat mit Anmerkungen, Auslassungen „(...)“ von mir, sonst unredigiert.

 

Betreff: Druckerei und Materialausgabe - AENDERUNG !

Datum:   Thu, 18 May 2000 18:04:42 +0200

Von:     (...)

An:      zentrum@mathematik.tu-muenchen.de,

         Sekretariate@informatik.tu-muenchen.de,

         mitarbeiter@informatik.tu-muenchen.de

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Hoppla, bin ich nun Professor, in derselben Gewerkschaft, oder was?

 

es steht nun leider fest, dass ueber die Osterfeiertage aus unserem gemeinsamen Materiallager im Suedgelaende weisses DIN-A4-Papier im Umfang einer Palette (100.000 Blatt, wiegt eine halbe Tonne und kostet ca. 1.000 DM) verschwunden ist, und zwar ohne dass eine Tuer beschaedigt wurde.

 

Ist schon schade. Aber jetzt weiß ich endlich, daß hundert Blatt eine Mark kosten und viel­leicht eventuell unter Umständen möglicherweise eine Tür gar nicht abgeschlossen war.

 

Wir werden daher in Kuerze die Schloesser am Materiallager auswechseln. Das hat zur Folge, dass sowohl das Materiallager selbst als auch dessen Vorraum nur noch einem sehr kleinen Personenkreis zugaenglich sein wird.

 

Zu dem ich ich trotz meiner Privilegien vielleicht nicht gehören werde. Oder doch?

 

Wir moechten natuerlich erreichen, dass die Einbindung der Materialausgabe und der Druckerei in die taeglichen Arbeitsablaeufe unserer beiden Fakul­taeten moeglichst wenig beeintraechtigt wird.Es bestehen folgende Optionen:

 

1).Materialbestellung und sofortige Abholung zu den Ausgabezeiten Montag und Mittwoch 13:30 bis 14:15, Freitag 9:45 bis 10:30 (wie bisher). Waehrenddieser Zeiten wird der bisherige Haupteingang zum Materiallager (aus Richtung Barer Str., Fahrstuhl) geoeffnet sein, zu allen anderen Zeiten nicht.

 

Wo, bitte, ist der Haupteingang und der Fahrstuhl?

 

2) Materialbestellungen und Druckauftraege koennen weiterhin wie bisher

- per Hauspost

- durch Deponieren in der Druckerei in den dafuer vorgesehenen Kaesten

vorgenommen werden. Herr (...) und Herr (...) sind wie bisher waehrend ihrer Arbeitszeiten erreichbar (also nicht nach 15:30 Mo - Do, 14:00 Fr).

 

Nochmals Hoppla. Arbeitszeit bis 15:30 Mo - Do? Warum sagt mir keiner, daß ich jeden Tag seit 1972 mindestens eine Stunde mehr dran hänge? Bin ja auch nur Angestellter.

 

Das einzige, was sich bei Option 2 aendert: Der Zugang erfolgt in Zukunft ueber den Hintereingang der Druckerei. Dieser hat die Raumnummer S 0326,er ist im Untergescho"s des Suedgelaendes gelegen. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Hoersall S 0320 mit Blick zu den Tafeln. Wenn Sie dann S 0320 durch den im rechten Winkel links von den Tafeln gelegenen Ausgang erlassen, so liegt S 0326 schraeg links vor Ihnen. Sie koennen S 0326 natuerlich auch ueber die Treppe erreichen.

 

Gut. Mathematische Beweise müssen vollständig sein. Beschreibungen von Zugängen auch. Sonst fällt mir nur noch Karl Valentin ein: „Stell dich vor den Spiegel, dann siehst du was.“

 

ABER: ****************************************************************

 

NICHT MEHR MOEGLICH ist der freie Zugang zum Papier im Vorraum des Materiallagers durch den bisherigen Haupteingang zu Lager und Druckerei.

 

***********************************************************************

 

Schlecht. Wo, zum Teufel, war der „bisherige Haupteingang zu Lager und Druckerei?“

 

Das bedeutet, dass bei allen Arbeitsgruppen und Einzelpersonen kleine lokale Vorraete existieren muessen - das ist aber ohnehin weitgehend der Fall.

 

Das will ich doch hoffen.

 

Wir hoffen, auf diese Weise eine fuer alle Beteiligten akzeptable Loesung gefunden zu haben. Bitte wenden Sie sich an Herrn (...) (Mathematik) bzw. Herrn (...) (Informatik), falls Sie weitere Anregungen oder Kritik an diesem Verfahren haben.

 

Auch das hoffe ich und wende mich daher auch nicht an diese Herren, auch nicht an Damen. Oder haben Sie Anregungen? Oder Kritik? An diesem Verfahren? Kann nicht sein!

 

Mit freundlichen Gruessen

 

Prof. Dr. (...) (Informatik)              Prof. Dr. (...) (Mathematik)

 

*  *  *

 

Betreff: E-Mail mit Anhängsel

 

„Ich habe da ein Imëil mit Attätschment. Es heißt slääsch zipp. Was soll ich damit tun?“

 

Was weiß ich. Wegwerfen? Weiterleiten? Wiederkauen? Ach so, lesen. Am besten wäre dop­pelklicken, und wenn ein dot ps rauskommt, nochmals doppelklicken. Klicken! Klicken!!

 

„Wohin?“

 

Dahin. Feierabend, wohlverdienter, überfälliger.

 

„Halt! Laufen Sie mir nicht weg! Wo muß ich klicken? Wann muß ich äFTiehPieh machen?“

 

Also gut, kein Feierabend, von vorne... Warum muß immer ich das Opfer sein? Und nicht der zuständige Betreuer? So viel attraktiver bin ich auch nicht. Nicht mal Akademiker.

 

*  *  *

 

Betreff: Betragen mangelhaft, in die Ecke!

 

Kommt einer daher, im TUM-Sweatshirt, weil er schwitzt. Sagt aber nichts, kein „Grüß Gott“, kein „Hallo“, nicht einmal „Hi“, nicht wer er ist, nicht wer ihn geschickt hat, nicht wo er her kommt, nicht warum er ausgerechnet zu mir kommt – außer:

 

„Haben Sie Leitpaste?“ (Wenigstens duzt er mich nicht gleich unaufgefordert, andere tun es)

 

„Ja!“

 

Mein Betragen war natürlich ungenügend. Trotzdem hat er bekommen, was er brauchte. So bin ich halt. Unverbesserlich. Ungenügend, setzen!

 

*  *  *

 

Betreff: Fachbereichswahl

 

Erfrischend einfach ist sie. Kein Wust an handtuchgroßen Wischen, sondern nur zwei kleine Zettelchen. Keine ellenlangen Listen von Kandidaten, sondern der Kandidaten nur jeweils zwei. Kein Zwang zum Häufeln, sondern der Stimmen nur eine pro Zettelchen. Da ist das Wählen einfach. Da macht das Wählen so richtig Spaß. Brille auf, damit man nichts verkehrt macht, und ankreuzen. Nicht auskreuzen! (Diesen Hinweis hätte man ruhig drauf schreiben können auf die Zettelchen, damit man die Wahl hinterher nicht anfechten kann)

 

Gedanken macht man sich vorher allerdings schon, wen man da an- oder auskreuzen soll. Wer steht denn da auf dem Dekan-Zettelchen? Hm. Kennen tue ich sie beide. Wenn ich nun aber keine(n) von beiden haben möchte – soll ich nun beide ankreuzen, oder beide auskreuzen? Oder führt sowohl das eine wie das andere zur Ungültigkeit? Vorsichtshalber streiche ich die ganze Liste durch. Wie kommt man überhaupt auf die Liste? Ach so, da gibt es ein Gremium, und das wird schon wissen, was es tut. Sowohl Hinz, als auch Kunz, haben darin nichts verlo­ren. Bleibt wenigstens auf dem Sprecherinnen-Zettelchen etwas zu kreuzen? Ja, eine von bei­den hat mich noch nicht dumm angequatscht. Wie kommt man auf diese Liste? Ein Gremium kenne ich nicht, gefragt hat mich auch keiner. Dann bin ich Aufmüpfiger auch nicht drauf. Wenn ich nun aber gerne drauf gewesen wäre? Gerne Sprecher geworden wäre, um Mißstän­de wie diese endlich abstellen zu helfen? Ganz einfach: Die Wahl anfechten. Das muß doch möglich sein in einer Demokratie! Hm, soll ich mir das wirklich antun? Habe ja auch sonst noch was zu tun. Also nicht. Wenigstens gab es keine Zählfehler, so wie in Florida/USA.

 

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Betreff: Demokratie!

 

Sind wir nun eine oder haben wir eine? Lest nach in „Il principe“ (1513, Erstdruck 1532; dt. 1924, neu 1963), Ihr wißt von wem. Auch bei Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689-1755), könntet Ihr fündig werden, wenn Ihr nur wolltet.

 

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Betreff: Mobbing

 

Jemand, der nicht mehr da ist, bekam von ihren Kollegen immer wieder einmal die Frage an den Kopf geworfen: „Bist Du überfordert?“

 

Sie hat dann irgendwann gekündigt, was offenbar das Ziel der Aktion war. Auffällig ist, daß ungefähr gleichzeitig mit ihr weitere vier Sekretärinnen dieses (Adjektiv?) Zentrum verlassen haben. Zufall? Zufall! Blöd ist nur, daß nun unser neuer Dekan weder eine Lehrstuhl- noch eine Dekanatssekretärin hat. Wird schon werden, sowohl das eine, wie auch das andere. Das Andere aber bitte mit mindestens FH-Abschluß! Soll ja was taugen, und Kosten spielen keine Rolle, wenn wir doch so außergewöhnlich exzellent sind. Zwei Jahre voraus!

 

*  *  *

 

Betreff: Exzellenz

 

In einer E-Mail an das Zentrum Mathematik (obwohl die Fakultät gemeint war?) hieß es:

 

Im Rahmen des Projekts "Reformfakultaet" wollen wir unsere Fakultaet durch eine externe Fachgutachtergruppe begutachten lassen. Dadurch sollen Massnahmen erarbeitet werden, um die Exzellenz am Zentrum weiter zu steigern.

 

Exzellenz [„Vortrefflichkeit, Erhabenheit“] w; -; -en: Anrede im diplomatischen Verkehr; früher Titel der Minister u. hoher Beamter (Abk.: Exz.).

 

So steht es im Fremdwörter-DUDEN. Ah ja. Wer ist nun diese Exzellenz, die da gesteigert werden soll? Wie heißt sie bzw. er? Sollte ich diese „Erhabenheit“ kennen müssen? Warum kenne ich sie dann nicht? Bin ich vielleicht ein notorischer Ignorant? Wir haben zwar keine Minister, aber jede Menge hoher Beamter, was Professorinnen und Professoren ja sind. Bloß: Auf der Anrede Exzellenz (fe. oder ma.) hat noch keine(r) bestanden. Es sind also offenbar keine Exzellenzen (q.e.d.).

 

Ach so, das ist in einem übertragenen Sinn gemeint und meint, unsere „Reformfakultät“ hätte so etwas wie eine gewisse „Vortrefflichkeit“ oder „Erhabenheit“. Trotzdem beiben Fragen. Z.B., wer dieser Fakultät dieses Prädikat verliehen hat. Ein Preis allein kann es nicht sein. Ich habe in meinem langen Leben – wie jeder von uns Alten - schon einige Preise eingeheimst (bester Frei-, bester Rettungsschwimmer, zweitbester Abiturient, bester Schütze der Kompa­nie, beste Uffz-Winterarbeit des Regiments, zweitbester Absolvent einer Technikerschule, fehlt noch was?) und bestehe immer noch nicht darauf, mit Exzellenz angeredet zu werden.

 

Es mag ja eine (nur im Sinne der Mengenlehre beschränkte) Menge Leute an dieser Fakultät geben, die sich für exzellent halten. Ich zähle mich gewiß lieber nicht dazu.

 

*  *  *

 

Betreff: Die Neue Deutsche Rechtschreibung, zum Zweiten

 

Jetzt haben wir schon (mehr als) zwei mal eine E-Mail an das (Adjektiv?) Zentrum Mathema­tik bekommen, in der deutsche Umlaute und „ß“ nicht vorkommen, obwohl sie vorkommen müßten, und die stattdessen kompliziert umschrieben wurden (siehe oben und weiter oben, meinetwegen auch Ganz Oben). Wo bleibt die Vorbild-Funktion von Vorgesetzten? Ach so, eine Vorbild-Funktion gibt es in der Mathematik nicht. Aber an die Neue Deutsche Recht­schreibung sollen wir uns schon halten. Was tun, Leute? Macht was ihr wollt! Dann seid ihr auf der sicheren Seite, zumindest auf einer sichereren Seite, als es diese E-Mail-Versender sind. Ist das nicht ein guter Vorschlag? Lobt mich halt! Wenn es Ihnen ein Trost ist: So etwas passiert immer und überall. Warum nicht auch an deutschen Reformfakultäten (gibt es mehr als eine, oder gibt es wirklich nur unsere, diejenige, die zwei Jahre voraus ist?). Jetzt bringe ich etwas durcheinander. Zwei Jahre voraus ist ja nur unsere Universität, nicht unsere Fakultät und auch nicht unser (Adjektiv?) Zentrum Mathematik.

 

Also: Macht nicht das, was ihr müßt, sondern das, was ihr für nötig haltet. Das mag durchaus sowohl das eine wie auch das andere sein, oder keines von beidem. Weiter so!

 

Was bleibt einem sonst übrig? Eigentlich?

 

*  *  *

 

Betreff: Die RBGMath ist unfreundlich

 

Da hat sich doch jemand beim Technischen Betriebsleiter darüber beschwert, daß die RBG unfreundlich sei. Auch alle Kolleginnen (alle!) und Kollegen (alle?) in der Einheit M4 seien dieser Meinung. Normalerweise beschwert man sich ja bei der nächst höheren Stelle über un­tergeordnete Hansel, in diesem Fall also beim Wissenschaftlichen Betriebsleiter. Dazu fehlte wohl der Mut. Der Technische Betriebsleiter wollte Details wissen und hat den/die Beschwer­deführerIn gebeten, dieses etwas detaillierter vorzubringen. Aus der Antwort war zu entneh­men:

 

„Der eine Dings ist arrogant“.

 

OK, das sind Leute schon einmal. Die nimmt man am besten, wie sie sind, dagegen kann man wenig tun. Oder wollen Sie da erzieherisch tätig werden? Übrigens: Auch Leute bei dieser Einheit sind manchmal nicht gerade unarrogant.

 

„Der andere Dings ist wenig hilfsbereit“.

 

Genaueres war nicht zu erfahren. Es mag sein, daß nur vergessen wurde, daß man sich auch selbst helfen kann. Im Zeitalter der globalen Vernetzung mit einer ebenso globalen Hilfestel­lung für alle möglichen Anwendungen kann man das wohl voraussetzen.

 

Der dritte Dings (ich) wurde erstaunlicherweise nicht erwähnt. Hat man mich schon abge­schrieben, weil man weiß, daß ich sowieso zu nichts nutze?

 

Der Betriebsleiter allerdings kam schlecht weg. Sein Haupt-Fehler ist der, daß er sein Fenster geöffnet hat und sich lieber dem Verkehrslärm aussetzt, als zu ersticken (Klima gibt es tags­über nicht, s. S. 3). Da überhört man schon einmal ein Klopfen an der Tür. Und wenn dann je­mand trotzdem rein geht, dann sieht man ihn halt am Bildschirm sitzen und auf die Tastatur hacken. Der Vorwurf an ihn: Er bleibt einfach vor seinem Bildschirm sitzen und hackt auf sei­ner Tastatur herum, statt aufzuspringen und zu fragen: „Was kann ich für Sie tun?“.

 

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Betreff: Die Neue Deutsche Rechtschreibung, schon wieder

 

Am 26.07.2000 verkündet die FAZ, daß sie pünktlich zum Jahrestag der Reform reumütig zur alten Schreibe zurückkehren wird.

Am 02.08.2000 verkündet der Deutsche Hochschulverband, daß er ab sofort von der Reform nichts mehr wissen will.

In der Haut unseres Pressereferenten möchte ich nicht stecken, außer er hat sich vorausschau­end die alte Rechtschreibprüfung für MS Word irgendwo aufgehoben. Hei aberau, wo ist sie nur? Weg!

 

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Betreff: Umstandskramer

 

Es fährt ein Mensch am Wochenende eigens in die Oberpfalz, um dort einem interessierten Publikum seine Webseiten zu zeigen. Dort stellt er fest, daß der Server abgeschmiert ist.

 

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Betreff: Presseerklärung

 

Zitat:

Die Mathematik-Fakultät der TUM stieg durch erfolgreiche Berufungspolitik und eine konsequente Umstrukturierung in den letzten Jahren zur ersten Adresse in Deutschland auf und wurde 1999 vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft als eine von fünf Reformfakultäten ausgezeichnet.

 

OK. Und die TUM ist zwei Jahre voraus. Das haben wir schon so oft gehört, daß einem vor soviel Weihrauch als Ministrant langsam aber sicher speiübel wird.

 

Man wird ja schon mal gefragt: „Wo arbeiten Sie?“ „ ... “  „Ah. Und wo dort?“ „ ... “ Laut hört man dann „Aaah!“ und ganz leise, unhörbar danach „ngeber!“ Zu dumm, wenn man Ge­danken lesen kann. Oder bringt einen nur die unkontrollierte Mimik des Gesprächspartners darauf? Bin ich ein Angeber? Nein – nur ein bescheidener Ministrant.

 

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Betreff: Presseerklärungen wirken!

 

Und wie. Es ging nicht lange, bis in der SZ vom 12.10.2000 stand, daß die (Adjektiv?) Fakul­tät vom Stifterverband ... Generationswechsel ... Boom an der TUMMATHEMATIK ... ver­vierfachen ... TUMMS ... AbiTUMath ... 270 Studienanfänger! (nicht mehr? Ob wir für die in Garching wohl ein lauschiges Plätzchen finden werden? Ohne uns selbst über Gebühr ein­schränken zu müssen?) ...

 

Als Nachfolger für unseren LAD stelle ich mir in 6 Jahren einen kreativen, wortschöpfenden Fachbereichsreferenten vor.

 

Und immer wieder werde ich gefragt: „Wo arbeiten Sie?“

 

Zu dumm, daß Sie die Antwort schon kennen. Ich bin trotzdem kein speiübler Angeber.

 

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Betreff: Unverschämtheit und Undank sind Verwandte

 

Ein nach wie vor fleißiger und im Dienste der Wissenschaft befindlicher Emeritus stellt eines nicht so schönen Tages fest, daß seine Home Page ohne Vorwarnung und ohne Nachfrage von irgendeinem emsigen Administrator gelöscht wurde. Pech gehabt, sagt er sich, bin’s wohl nicht wert (obwohl’s nix koscht) und außerdem von der alten Garde.

 

Eines noch weniger schönen Tages stellt er fest, daß er auch von der Mailing-Liste dieses (Adjektiv?) Zentrums gestrichen wurde. Kurzes Nachdenken bringt ihn darauf, daß er auf Nachrichten vom Schlage der obigen Presseerklärung auch gut verzichten kann - was dieser emsige Administrator wohl bedacht haben muß.

 

Dieser emsige Administrator war aber nicht faul und hat eines gar nicht schönen Tages alle Mail-Empfänger abgeklemmt, auf deren Konto seit Januar 2000 über den Daumen geschätzt so gut wie keine Bewegung mehr zu verzeichnen war, hat sie zu einer Stellungnahme aufge­fordert und gleichzeitig am POP-Server deaktiviert.

 

So. Das wäre geschafft. Nun war unser fleißiger Emeritus aber auch nicht faul und hatte bis heute seine täglichen Mailings. Und keine Chance, zu seiner Abklemmung Stellung zu neh­men, weil er die Aufforderung dazu ja nicht mehr lesen konnte. Ich nehme an, Sie wissen, daß der POP-Server für die eingehende Post des Users sorgt. Das ließ er sich endlich nicht mehr gefallen und hat sich vertrauensvoll an mich gewandt.

 

Die Sache ist also gefixt. Nur fragte mich der Administrator (hinterher!): „Gibt es eigentlich Kriterien, nach denen in solchen Fällen zu verfahren ist?“ „Nein, die gibt es meines Wissens nicht. Fordere deinen Chef auf, die Sache bei der nächsten Direktoriumssitzung zur Sprache zu bringen und auch gleich eine Entscheidung herbeizuführen. Er ist ja immerhin Stellvertre­tender Wissenschaftlicher Leiter der Rechnerbetriebsgruppe Mathematik“. Und als solcher führendes Mitglied der führenden Reformfakultät Deutschlands, in der solche Dinge eigent­lich gar nicht passieren dürften. Zweimal „eigentlich“ in einem einzigen Absatz. Was, zum Teufel, bedeutet eigentlich „eigentlich“?

 

Aber diese Frage hat sich ja schon einmal gestellt und ist bis heute nicht beantwortet worden.

 

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Betreff: Mobbing 2

 

Sie wissen vielleicht noch, was auf Seite 38 passiert ist. Dieser Jemand, die nicht mehr da ist, hat sich vor ihrer Kündigung bei mir mir beklagt, daß ihr wichtige Dateien gelöscht worden seien. Ich nahm an, daß sie diese aus Versehen selbst gelöscht hat und das nur nicht wahr haben wollte, habe sie auch zu beruhigen versucht, indem ich ihr sagte, daß unter Windows NT sie selbst die Besitzerin dieser Dateien sei, und niemand sonst ihr diese Dateien löschen könnte. Von Administrator-Rechten habe ich ihr nichts gesagt, um sie in ihrem Verdacht nicht zu bestärken.

 

Inzwischen weiß ich mehr, lerne ich doch täglich etwas dazu. Nein, nicht nur etwas, sondern einiges, wenn nicht sogar viel.

 

Inzwischen weiß ich, daß so etwas ganz einfach geht, ohne sich die paar Meter an den zu ma­nipulierenden Rechner bemühen zu müssen. VNC ist das Stichwort, ein kostenlos erhältliches Programm, das eigentlich für sinnvollere Anwendungen entwickelt wurde, mit dem man aber so ein Mobbing sogar von zuhause aus betreiben kann – wenn man sonst gerade nichts Besse­res zu tun hat. Und wenn man so etwas tut – wäre das kriminell, Herr Staatsanwalt?

 

Das wäre ja die Höhe! Sie werden verstehen, daß ich ein paar Leute zwar noch grüße, aber sonst nicht mehr allzuviel von ihnen halte. Obwohl es immer noch nur ein Verdacht ist. Be­weisen kann ich nichts, nachgefragt habe ich feigerweise nicht, beweisen konnte auch diese Frau Jemand nichts. Ich wünsche ihr alles Gute an ihrer neuen Arbeitsstelle. Ohne Mobbing.

 

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Betreff: Bedarfsermittlung

 

Was habe ich? Einen Olivetti M24, mit nicht nur einem 8088-Prozessor, nein, sondern mit einem echten 8086! Dann einen mit das Pentium. Fehlt da was? Warum habe ich keinen 80186, 80286, 80386, 80486? Muß ich noch besorgen! Und was ist mit Pentium II, Pentium III? Es soll ja schon bald Pentium IV geben. Muß ich noch besorgen! Dann habe ich noch Zugang zu einem Sun, und HP brauche ich nicht, soll ja nicht so gut sein – hört man.

 

Was brauche ich? Alles, was ich noch nicht habe. Vor allem „das MAC“. Her damit!

 

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Betreff: Die Frau des SS 2000

 

Die Frau des 20. Jahrhunderts ist sie leider nicht geworden (s. S. 20). Aber vielleicht klappt es  im nächsten Jahrtausend. Obwohl: Zufällig bekam ich das Ergebnis einer Umfrage der Fach­schaft zu sehen. DozentInnen wurden evaluiert, ganz so, wie man es an unserer (Adjektiv?) Fakultät haben wollte. Ob unsere liebe Frau mit so einem niederschmetternden Ergebnis wohl gerechnet hat? Nicht? Jetzt hat sie es schwarz auf weiß und kleingedruckt. Aba sischä.

 

Gar nett ist ihre Stellungnahme, in der sie behauptet, daß Finanzmathematik „anspruchsvolle Mathematik“ sei und KollegInnen ihr nicht dabei hülfen, solides Basiswissen zu vermitteln.

 

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Betreff: Konferenz beim Kanzler

 

„TU-Präsident Herrmann als Regierungsberater in Berlin“. So stand es (allerdings nur im Lokalen) in der SZ vom 10.11.2000. Ha! Will er nun doch nicht Minister in Bayern werden, sondern lieber in Berlin? Passen Sie auf, mein lieber Herr Präsident, wer sich bei einem SPD-Kanzler anbiedert, der hat es beim Ministerpräsidenten verschissen. Und hat sich selbst ein Bein gestellt – außer, er ist so etwas wie ein Herr-Stehauf-Männchen. Ein Vorbild gibt es ja, das sogar zum Caesaren aufsteigen konnte. Ich gebe ja nichts drauf, aber warum enden die Namen einiger Macchiavellisten alle auf „mann“? Zimmer-, Bange-, Haus- und Mölle- fallen mir da spontan ein. Letzterer will ja sogar – nein, nicht Bundespräsident, sondern nur Bundes­kanzler werden. Die Historiker unserer (Adjektiv?) Reformuniversität sollten sich damit einmal beschäftigen, wenn sie sonst nichts Besseres zu tun haben. Ach, die gibt es ja noch immer nicht. Hamse was versäumt, Herr Präsident?

 

Ach, die Geisteswissenschaften gibt es ja bei uns noch immer nicht. Andere, z.B. an der TUK können es doch auch (s. SZ v. 12.12.2000, S. V2/13), obwohl sie keine 2 Jahre voraus sind.

 

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Betreff: So kann man sich täuschen

 

Was ich nicht für möglich gehalten hätte: Unser Präsident ist wirklich ein Herr-Stehauf-Männchen. Was heißt „unser“ Präsident - ist er ja gar nicht mehr. Über Nacht hat ihn sein Freund Ministerpräsident ins Kabinett geholt. Zwar nicht als erste, sondern nur dritte Wahl, drittklassig ist er deshalb noch lange nicht. Verschissen hat er es bei ihm also nicht, oder die Bayerische Regierung braucht halt dringend einen weltbekannten Chemiker für das nagelneue Ministerium für Ernährung, das auch für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständig sein soll. Aber die Kompetenzen sind noch nicht verteilt. Man kann die beiden VersagerInnen doch wegen des Regionalproporzes nicht vor den Kopf stoßen.

 

Ob er jetzt seinen Job als Regierungsberater in Berlin schon wieder los ist? Ob er das so ganz nebenbei auch noch machen darf? Oder ob er es sich jetzt beim Kanzler verschissen hat? Da tauchen Fragen über Fragen auf.

 

Z.B. auch die, wo er und die von ihm der TUM geklauten bewährten Mitarbeiter sich zum Verschnaufen erst mal hinsetzen können. Im Gespräch ist die alte Staatskanzlei in der Prinz­regentenstraße. Passend wäre das schon. Saß dort doch auch schon der legendäre Strauß.

 

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Betreff: Ein paar treffende Aphorismen

 

Der Fehler liegt darin, daß zwar viele Dinge zum Himmel stinken, aber nicht in die Nase der Mächtigen. (Jean Cau)

 

Leere Töpfe machen den größten Krach. (Sprichwort)

 

Der Narr stolpert über den Abgrund, in den der Weise regelrecht hineinfällt. (V. v. Scheffel)

 

Takt haben heißt wissen, wie weit man zu weit gehen darf. (Jean Cocteau)

 

Besser weniger Donner im Munde führen und mehr Blitz in der Hand. (Indianer-Weisheit)

 

Im Leben gehen die Granitblöcke unter, die Korken treiben weiter. (Auguste Renoir)

 

An bösen Worten, die man ungesagt hinunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben. (Winston Churchill)

 

Zu jeder Zeit geht unter, was niedrig ist und faul. Stillschweigend schafft der Meister, der Stümper braucht das Maul. (Carl Spitteler)

 

Das Letzte hatten wir schon. Das reicht also erst mal ...

 

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Betreff: Ein Netzwerk-Problem

 

Am 12.02.2001 waren Arbeiten am Netzwerk fällig. Tagsüber hörte man von verschiedenen Leuten schon einmal „Isdenndawas?“ und stieß auf Verständnis. Am Abend dieses Tages (was heißt da Abend? Es war erst um sechzehnuhrdreißig) fiel jemandem auf, daß er seine wichtige E-Mail nicht loswerden konnte und zeigte Unverständnis. Geht’s jetzt? Es wird doch hoffentlich nicht ein Betreuer geschlafen haben?

 

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Betreff: Garching

 

Während nach 6-fachem Spatenstich und Grundsteinlegung sich die Ausleger vieler Kräne schon fleißig bewegen, wird immer noch hektisch geplant. Decken und Böden müssen so langsam gegossen werden, und dazu muß man wissen, wo die Bodenauslässe und Bodentanks hin sollen.

 

Sie wissen nicht, was Bodentanks sind? Egal, lesen Sie weiter. Es sind Auslässe für Strom und Daten, die durch Bodenkanäle miteinander verbunden sind und Geräte versorgen, die sonst nur über einen unästhetischen Kabelverhau am Brüstungskanal anschließbar wären. Und einen solchen Kabelverhau wollen wir doch vermeiden. Soll ja was werden. Sie wissen hof­fentlich, was Brüstungskanäle sind. Nicht? Macht nichts.

 

Die Position der Bodentanks hängt also von der Position der Arbeitsplätze ab, und die Anzahl der Arbeitsplätze ist vorgegeben. Ahnen Sie schon etwas? Können Sie sich noch an den Raum S4024 erinnern? Wenn nicht, so schauen Sie bitte auf Seite 29 nach. Bloß kommt es diesmal noch schlimmer, weil die Vorgabe überhaupt nicht zu realisieren ist. Von geforderten 35 Ar­beitsplätzen sind auf 70 m2 gerade einmal 24 möglich. Ich erspare mir hier eine Grafik.

 

 

 

Oder ich zeige sie Ihnen doch:

 

Wer ist nun schuld? Dem Architekten, der ja vielleicht ganz gut ist, will ich keinen Vor­wurf machen, nachdem nicht jeder gute Architekt auch ein guter Innenarchitekt sein muß, der sich unter einem Arbeitsplatz konkret etwas vorstellen kann. Allerdings kenne ich einen Architekten, bei dem alles stimmt, innen wie außen. Verallgemeinern darf man das nicht.

 

Sagen Sie mir, wo Sie die restlichen 11 Arbeitsplätze haben wollen. Ach so, das geht mich ja nichts mehr an. Dann stellen Sie sie an Ort und Stelle selbst hin, wo Sie wollen.

 

Wer ist nun wirklich schuld? Hatten da diverse Raumbeauftragte ihre Hand im Spiel? Man wird sehen, denn die Chose ist noch lange nicht gegessen und „Garching 2“ folgt bestimmt.

 

 

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Betreff: Garching 2

 

Hier ist es schon, denn über die Belegung der Räume in Garching hat man sich an unserem (Adjektiv?) Zentrum offenbar noch keine großen Gedanken gemacht. Wozu auch, wenn doch alles sowieso noch im Fluß ist. Gerüchteweise hört man nämlich, daß die Informatik zumin­dest teilweise in München bleiben soll, nachdem sie in Garching komplett sowieso keinen Platz haben würde mit all diesen neuen Stiftungslehrstühlen. Ha! Dann können wir uns dort vielleicht ausbreiten. Aber wo? Man wird sehen, denn die Chose ist ja noch lange nicht geges­sen und „Garching 3“ folgt bestimmt. Und wenn die Informatik den Garchinger Neubau kom­plett in Beschlag nimmt? Auch dann können wir uns ausbreiten. Aber wo? Man wird sehen ...

 

Auf jeden Fall wird erst einmal nicht entschieden, wie und womit die Räume belegt werden sollen, obwohl man schon längst hätte Decken und Böden gießen müssen. Aber das macht nichts. Wenn die Position der Bodentanks nicht stimmt, so lassen wir den Boden aufschlagen (ist ja nur Beton) und die Bodentanks neu positionieren, und zwar da hin, wo wir sie haben wollen (falls wir dann wissen, wo wir sie haben wollen). Auch wenn man hinterher den Boden neu belegen muß. Einen Vorteil hat das Verfahren: Man kann sich dann den Belag aussuchen. Ich schlage tiefdunkelblau-uni vor, damit man auch jedes Fusserl sofort sieht – was anzustreben ist, weil es sich im Südgelände der Innenstadt auch schon bewährt hat.

 

Allerdings: Was sich bewährt hat muß noch lange nicht gut sein. Also alles erst einmal zer­schlagen und auf den Trümmern etwas ganz Neues, Besseres aufbauen.

 

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Betreff: Eine berechtigte Frage

 

Meine Frau: „Was machst du da? Arbeitest du in deiner Freizeit schon wieder für die TU, obwohl du dir vorgenommen hast, das nicht mehr so extensiv zu tun?“

 

„Ja, weil - Böden und Decken müssen gegossen werden, für Garching.“

 

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Betreff: Garching 3

 

Böden und Decken müssen gegossen werden. Damit wir überhaupt Bodentanks bekommen, habe ich geplant und geplant, mal so mit Möbeln vollgestellt, mal anders und über der Menge der möglichen Möblierungen die Position der Bodentanks so definiert, daß sie für alle Varian­ten sinnvoll ist. Einfach so. Ist ja leicht, wenn einem nicht gesagt wird, wie man es haben will.

 

Jetzt bin ich fertig. Fix und fertig. Ich fürchte nur, daß „Garching 4“ auch noch kommen wird.

 

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Betreff: Noch eine berechtigte Frage

 

Meine Frau: „Was machst du da? Arbeitest du in deiner Freizeit schon wieder für die TU, obwohl du dir vorgenommen hast, das nicht mehr so extensiv zu tun?“

 

„Nein, das mache ich gerade nicht. Ich schreibe über die TU. Genauer gesagt: Über dieses (Adjektiv?) Zentrum. So etwas wie einen kritiklosen Erfahrungsbericht.“

 

„Aha. Den allerletzten Erfahrungsbericht.“

 

„Sicher nicht!“

 

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Betreff: Garching 4

 

Hier ist (kräftiger Tusch!) „Garching 4“.

 

„Setz‘ dich“, sagt mein Boß, wenige Tage nach der fristgerechten (mehr als 2 Wochen vor der Frist) Abgabe der Pläne für die Position der Bodentanks.

 

„Sitzest du gut?“, fragt mein Boß. Ja, ich sitze, so gut wie es geht mit meinem Kreuz. Was er bloß will? Hat er etwa eventuell vielleicht unter Umständen gute Nachrichten aus dieser fleißigen Garching-Kommission? Oder schlechte?

 

Gute! Denn die Entscheidung über die Position der Bodentanks wurde uns schon längst abge­nommen, von der Firma, welche die Installation durchführen soll. Ob da unsere Anforderun­gen wohl schon berücksichtigt sind? Aber sicher! Oder etwa eventuell vielleicht unter Um­ständen doch nicht? Prüfen wir also den Installationsplan dieser Firma. Wenn er stimmt, OK. Wenn nicht, dann wird wohl „Garching 5“ folgen müssen. Schade. Ich dachte schon, daß damit endlich ein Ende sein würde. Also:

 

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Betreff: Garching 5

 

Kein Tusch, diesmal. Einen Tusch ist es wirklich nicht wert. Warum? Machen Sie sich selbst ein Bild.

 

Der Installationsplan dieser Installationsfirma berücksichtigt unsere Anforderungen natürlich nicht. Wie sollte er auch? Es hat der Firma ja noch keiner gesagt, was wir brauchen. Haben da diverse Raumbeauftragte geschlafen, oder waren sie so hellwach, lieber gar nichts, als etwas falsches zu sagen?

 

Jedenfalls bekam ich den ehrenvollen Auftrag, die Seminarräume - nein, nicht die Seminar­räume für alle 13 Einheiten, sondern nur einen einzigen exemplarischen, von je zwei Ein­heiten zu nutzenden Seminarraum – einzurichten und endlich die Position der Bodentanks zu definieren (13 durch 2 geht nicht, lache mir einen runter). Ich mache ja nichts lieber als das, zumal noch niemand weiß, wie diese Räume genutzt werden sollen. Wahrscheinlich bekam ich diesen Auftrag nur, weil ich diese unmögliche Aufgabe, die Räume für diese (Adjektiv?) Fakultät und deren RBG zu möblieren, nicht so schlecht gelöst habe. Das habe ich nun davon und darf also weitermachen.

 

Und das Ergebnis meiner Bemühungen? Kommt auch noch „Garching 6“?

 

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Betreff: Einschub: Selbstlob stinkt

 

Dieses Sprichwort brachte ich Ihnen aus gegebenem Anlaß schon auf Seite 8 in Erinnerung. Es geht diesmal aber nicht um diese Hochglanz-Broschüre dieses (Adjektiv?) Zentrums Mathematik, sondern um die „MITTEILUNGEN ... FREUNDE 1-00/01“ der TUM. Offenbar tritt Selbstlob stellenweise auch anderswo sehr selbstsicher auf. Oder grassiert es gar schon? Kann man vielleicht schon von einer Seuche sprechen?

 

Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Helfen Sie mir, schlagen Sie a.a.O. die Seite 17 auf und lesen Sie aufmerksam den Artikel „Auf dem Campus in Garching: Ein Haus für die Medizintech­nik“. Haben Sie Geduld, es kommt erst gegen Ende des Artikels auf Seite 18. Dort heißt es: „Besonders erfreulich: Es baut der TU-Architekt Prof. Theodor H., Karl-Max-von-Bauern­feind-Preisträger 1998“.

 

Schön und gut, warum nicht? Soll ja was werden. Peinlich ist nur, daß der erstgenannte von zwei Autoren dieses Artikels ein gewisser namensgleicher Theodor H. ist. Das ist zumindest in diesem Fall das besonders erfreulich Stinkende. Nicht Stink-Ende, sondern eher – ja, was? Stink-Anfang nicht, nachdem es schon einen Präzedenzfall gegeben hat. Also doch schon eine Seuche, welche die ganze TUM befallen hat? Internationale Partner: Seht euch vor!

 

Nebenbei: „... Campus in Garching ...“? Das scheint mir dort eher ein Konglomerat zu sein, zu dem wir uns neben anderen schon zwangsweise Agglomerierten, z.B Medizintechnikern, Chemikern und Maschinenbauern, zwangsweise auch noch gesellen müssen. Ein Flickwerk halt. Nix Gscheits. Ein Campus nicht.

 

Eine Mensa hat dieser sogenannte Campus schon. Nur: Wer soll wann fressen, wenn plötzlich neben Maschinenbauern auch noch die Medizintechniker, Informatiker und Mathematiker hungrig sind? Aber das geht uns nichts an. Da ist das Studentenwerk gefragt. Die werden das schon richten.

 

Und wenn das Studentenwerk das gerichtet hat (obwohl es das eigentlich nichts angeht, weil es für das Fressen Akademischer Direktoren und anderer höherer und niedrigerer Chargen nicht unbedingt verantwortlich ist – wie der Name schon sagt), so bleibt immer noch die Frage, ob es dann dort zuckerfreies Essen für mich geben wird. Bisher gab es das nämlich nicht, weder dort, noch im Stammgelände. Leute! Stellt für mich einen Leibkoch ein, sonst gehe ich nicht mit nach Garching und bleibe einfach da. Habzmi? Ist nicht arabisch, obwohl es so klingt.

 

Haben wir international schon arabische Partner? Wenn nicht, dann wird es so langsam Zeit. Wenn ja: Seht euch vor, liebe Partner! Ihr habt den Weihrauch zwar erfunden, wißt aber auch, daß zuviel davon ungesund ist. Speiübel kann es einem davon werden. Ich war 13 Jahre lang Ministrant und weiß, wovon ich rede.

 

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Betreff: Schluß mit Garching, ich mag nicht mehr

 

Wenn das so weiter geht, so finden wir nie ein Ende. Vielstellige Gliederungsziffern könnten uns sehr bald ausgehen. „Garching 6“ ff. (s. die vorhergehende S. 47) kommt also nicht. Stattdessen biete ich Ihnen hier eine kurze abschließende Zusammmenfassung der auf „Garching 5“ folgenden Ereignisse. Na ja, so kurz ist diese Zusammenfassung auch nicht geworden. Aber ich erzähle Ihnen ja nicht alles, sie hätte also durchaus länger werden können. Wenn es Sie langweilt, so werfen Sie dieses Pamphlet einfach in den Altpapiercontainer, falls Sie es leichtsinnigerweise schon gedruckt haben sollten. Nicht in den Müll. Müll ist es nicht!

 

Und das sind ein paar folgende Ereignisse (nicht alle), wenn Sie wirklich weiter lesen wollen:

 

Die exemplarische Möblierung bzw. Position der Bodentanks (ich kann das Wort schon nicht mehr hören) habe ich dem Boß auf den Schreibtisch gelegt – er war gerade nicht da – und erst einmal nichts von ihm gehört. Kein „Danke“, kein „Gut so“, kein „Das ist ein Schmarrn“. Meine Arbeit wurde offenbar als „solala“ empfunden. Dabei fand ich ich sie ausgezeichnet: Vier Ausstattungsvarianten, alle prima flexibel, weil ja immer noch nie­mand entschieden hat, wie die Räume genutzt werden sollen.

 

Nach zwei Tagen kam doch noch ein kurz angebundenes „Danke“, verbunden mit der Auf­forderung, für den Versand per E-Mail geeignete Dateien davon zu erzeugen - die der GD, mein Boß, ich, und drei Unter-Unter-Raumbeauftragte von M2, 7 und 9 ein paar Stunden später vom Unter-Raumbeauftragten zur Stellungnahme erhielten. Soll ich nun zu unserer Arbeit, für die wir übrigens über den Schellenkönig gelobt wurden (allerdings nur vom Unter-Raumbeauftragten) Stellung nehmen? Und warum dürfen das betroffene weitere mindestens zehn Ordinarien nicht tun, weil sie nicht angemault –Verzeihung! angemailt – worden sind?

 

Einen Tag später bekam ich einen weiteren Auftrag. Weil ich das so gut kann? Nein, weil mir diese Art Arbeit soviel Freude macht. Die Nutzung eines Raumes war umzuwidmen. Manchmal scheint man doch zu wissen, was man will, oder besser: Was man nicht will. Es war so: Der Ordinarius von M10 wollte einen Pavillon, in dem er seine hübsche Sammlung geometrischer Körper ausstellen konnte. Sie ist wirklich sehr hübsch, sie ist sogar vortref­flich – aber brauchen wir das? Dieser Ordinarius scheidet eh‘ bald aus, seinem Nachfolger sagen wir nicht, daß es diese Sammlung gibt und den Raum (im Grundriß hieß er „Ausstel­lung“) nehmen wir einfach in Beschlag und stellen Rechner rein, fortschrittlich wie wir sind, 2 Jahre voraus. Man weiß also tatsächlich, was man nicht will: Eine Ausstellung. Wo­zu etwas Anschauliches ausstellen, wenn man jungen Leuten die Fähigkeit zur Abstraktion beibringen will? Denker sollen es werden, nicht Glotzer. Und ich muß da notgedrungen mitmachen, damit man mir mein miserables Gehalt nicht kürzt!

 

Zu letzterem Vorgang möchte ich schon noch etwas sagen, ohne es breit zu treten. Im Raumbuch für „AUSSTELLUNG MA10 15.1“ (den Pavillon) waren 16 Vitrinen und ein Teppichboden vorgegeben. Das hat der Ordinarius von M10 erfreut zur Kenntnis genom­men. Was er nicht gemerkt hat: Es wurden daneben auch 30 Bodentanks vorgegeben. Sie wissen inzwischen so gut wie ich, wofür die benötigt werden – für Rechner nämlich. 30 Bodentanks! In Teppichböden? 30 Rechner statt 16 Vitrinen!

Um das nachvollziehen zu können, habe ich mir vorgenommen, nochmals „Il Principe“ zu lesen. Es muß auch noch Unter-Fürsten geben, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß sich „Il Principe“ höchstpersönlich um solche widerwärtigen Kleinigkeiten selbst kümmert. Da tauchen Fragen auf: Wer ist der Fürst?, wie heißen die Unter-Fürsten? Die würde ich gerne einmal kennenlernen, denen hätte ich was zu sagen.

 

Einen Tag nach Abgabe der Pläne für die „AUSSTELLUNG MA10 15.1“ tagte wieder einmal eine Kommission, wie jeden Dienstag um halb neun. Ergebnis: 2 Praktikumsräume für M1 und M8 und ein Labor für M4 müssen noch ausgestattet werden. Das ist aber nicht schwer, weil alle drei Räume gleich groß sind. Der Schöne macht das schon, exemplarisch. Bloß hat M8 keine Bodentanks, die anderen beiden schon. Das macht aber nichts. Wenn es auch die doppelte Arbeit macht, so macht es immerhin nicht die dreifache. Und der Schöne macht das ja gerne. Immer lieber macht er das. Wirklich.

Bekomme ich vor meiner Verrentung noch eine Gehaltserhöhung? Nein, weil ich als Hilfs­arbeiter, der ich inzwischen bin, sowieso schon überbezahlt werde. Paßt auf, Leute. Irgend­wann kommt der Rechnungshof, und dann müßt ihr mir das Gehalt kürzen – was ich mir aber nicht gefallen lassen werde.

 

Den Vorschlag für „AUSSTELLUNG MA10 15.1“ muß ich noch schnell ändern, weil der Ordinarius von M10 sonst mitbekommt, was da läuft. Dem Unter-Raumbeauftragten hat zu denken gegeben, daß an der Glaswand keine Vitrinen stehen, die für das verehrte Publikum laut Raumbuch als Blickfang gedacht sind. Ich werde bei der Einrichtung nicht dabei sein, darum frage ich Sie: Stehen da im Erdgeschoß jetzt Vitrinen - oder etwa nicht, sondern doch nur Rechner? Gibt es Bodentanks? Unterm Teppichboden versteckt? Sehen Sie nach, wenn der Umzug vollbracht ist.

 

Mir schwant Böses. Zwei Wochen sind seitdem vergangen, ohne daß ich einen neuen Auf­trag erhalten hatte. Da scheint sich etwas zu akkumulieren, zu aggregieren. Das scheint ja ein ziemlicher Brocken zu werden. Falsch! Das Thema ist zur Zeit „Kunst am Bau“. Etwas Wichtigeres gibt es offenbar momentan nicht zu diskutieren. Z.B wie die Räume genutzt werden sollen - was mich auch interessieren würde. Aber „Kunst am Bau“ interessiert mich schon auch, bloß bin ich gottseidank nicht in dieser Kommision. Trotzdem ein Vor­schlag: Bringt die beiden Skulpturen des Henry Moore von Bonn (wo sie nicht mehr ge­braucht werden) nach Garching, dem zukünftigen globalen Zentrum. Oder gebt Eduardo Chillida, der in Berlin diesen Auftrag „Berlin“ zur vollen Zufriedenheit aller erledigt hat, einen Job. Hauptsache ist, daß es zwei Dinger sind, die uns so etwas wie „Alt-Neu“ oder „München-Garching“ oder „Vor dem Urknall–Nach dem Urknall“ oder „Alte Knacker-Jungdynamiker“ assoziieren lassen. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Ich wurde zwar, wie alle in der Mailing-List Befindlichen, gefragt, konnte aber keine Referenzen vorwei­sen. Also wird leider nichts daraus. Schade.

 

Eine Woche später fällt dem Haupt-Raumbeauftragten auf, daß die Außen-Jalousien, so schön sie sind, eine Fehlkonstruktion seien. Thermodynamik ist halt ein schweres Fach und noch viel schwerer zu verstehen. Außerdem sei die Raumhöhe um 10 cm zu niedrig. Ver­anschlagt waren schließlich 3 Meter, und jetzt wollen die auch noch eine Decke einziehen! Das muß geändert werden, uns reichen 0 cm, sollen die im Stockwerk drüber halt schauen, wo sie ihren Boden her bekommen, und ihren Doppelboden auch. Das werden wir ändern!

Dumm ist nur, daß der Rohbau schon so gut wie fertig ist. Also abreißen. Mir soll’s recht sein.

 

Die Mensa hat uns inzwischen versichert, daß wir nach einem halbstündigen Fußmarsch nur maximal eine halbe Stunde warten müßten, bis wir dort etwas zu Essen bekämen. OK, das macht insgesamt ja nur eine Stunde, gegessen haben wir gemütlich nullkommanix, und damit ist das Essenfassen in anderthalb Stunden erledigt. Gut, daß wir diese Pause nicht stempeln müssen. Oder kommt das auch noch? On verra ...

 

Unser Präsident hat einen Ideeenwettbewerb initiiert. On verra ...

 

Irgendwann werden Sie umgezogen sein. Was werden Sie in Garching vorgefunden haben? Natürlich genau das, was wir zwei Jahre lang geplant und gefordert haben. Etwa nicht? Natür­lich nicht. Planen dürfen wir schon, aber fordern? Schlagzeilenexzerpte: „Stoiber fordert ... “ und „Stoiber droht mit ... “. Sowas steht uns halt nicht zu. Es wirkt zumindest nicht. Sagen Sie dann also nicht, wir hätten Mist geplant.

Und für die Mensa sind wir nicht zuständig gewesen, die gab es vorher schon, und sie hat ver­sprochen, alle, alle vorzüglich abfüttern zu können. He, ja Sie! Bleiben Sie nicht so lange auf Ihrem Hintern sitzen! Andere wollen auch noch gemütlich speisen, nachdem sie schon seit einer Stunde auf Ihren Stuhl warten. Was? Sie können nicht aufstehen, weil Sie Ihren vollen Teller auf dem Schoß haben? Ja meinen Sie, wir können hier auch noch Tische aufstellen?

 

Gemütlicher wird es im VIP-Zelt schon gewesen sein ...

 

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Betreff: Der Pressespiegel

 

Man hält uns für dümmer, als wir sind. Glaubt man (wer?) wirklich, daß wir keine Zeitung mehr lesen, bloß weil es das Internet gibt? In dem man das alles auch lesen kann. Nicht nur ich lese immer noch lieber die SZ, Die Zeit, andere, auch schon mal die Münchner Kirchen­zeitung, in der für ein breites Publikum der Präsident der TUM vorgestellt wurde. Aber wenn wir einen fixen Referenten haben, so brauchen wir auch einen Schaukasten, in dem wir das Ergebnis seiner Arbeit vorstellen können. Oder etwa nicht? Selbstlob stinkt ja nicht.

 

Zwangsläufig hängen in diesem Kasten äußerst wichtige Mitteilungen manchmal erst einen Tag später aus. Da lese ich lieber Zeitungen. Schmeißt den Selbstlob-Kasten weg! Weihrauch kann auch Weltverschmutzung sein. Gleich daneben hängt übrigens ein äußerst verwahrloster Zettelverhau. Laßt ihn hängen! Er muß noch aus der Zeit vor den Reformen stammen.

 

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Betreff: Schade

 

Wirklich schade. Gestern abend vor dem Einschlafen fiel mir bei meiner Gewissenserfor­schung noch etwas ein, was ganz gut hierher passen würde und typisch für dieses (nicht schon wieder!) Zentrum ist. Leider war ich zu faul (schon wieder!) nochmals aufzustehen, um die Episode wenigstens stichwortmäßig festzuhalten. Beim Frühstück fiel es mir wieder ein und ich mußte schmunzeln. Meiner Frau fiel es nicht weiter auf. Die Ursache hätte ja auch die vorangehende Lektüre des Streiflichts sein können.

 

Und mir fiel es abends, als ich das niederschreiben wollte, nicht mehr ein. Schade. Aber man kann sich schließlich nicht an alles erinnern, was da so typisch ist. Schade. Aber es wird sicher noch mehr Typisches passieren. Das beruhigt mich ungemein. Trotzdem, schade.

 

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Betreff: Noch ein paar Aphorismen

 

Die Alternative zu einem großen Fehler besteht darin, ihn nicht zu machen. (Bernd Lötsch)

 

Alles Unglück rührt daher, daß der Mensch nicht auf seinem Zimmer bleiben kann. (Blaise Pascal)

 

Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. (Bertolt Brecht)

 

Närrische Tadler und Lober auf beiden Seiten! Doch darum hat mir mein Schöpfer den Kopf zwischen die Ohren gesetzt. (Eduard Mörike)

 

Es gibt ja weniger Köpfe als Hälse. (Jean Paul, im Nachlaß)

 

Wenn er das Maul aufmacht zum Reden, machen es auch die andern auf zum Gähnen. (Jean Paul)

 

Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat, der wäre auch nicht mit dem zufrieden, was er haben möchte. (Berthold Auerbach)

 

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Betreff: Fleißig, fleißig

 

Das Dekanat hat eine neue Sekretärin. Was heißt Sekretärin - eine Assistentin! Die Stelle muß inzwischen etwas besser bezahlt sein (Macchi, i hör di scho wieder trapsen). Sie ist nicht mehr ganz so jung (oder täusche ich mich?), dafür umso dynamischer. Aber das ist nichts Neues, das hatten wir schon am Anfang der Geschichte.

 

Sagte sie doch eines späten Freitagnachmittags, daß sie schon seit zwei Stunden keine E-Mail mehr erhalten hätte. Die E-Mail müßte kaputt sein, sagte sie. Nein, sie sagte es nicht, sondern schickte uns eine E-Mail. Die E-Mail war also nicht kaputt! Ab drei ist Feierabend, liebe Frau. Gewöhnen Sie sich dran, auch wenn Sie nach drei noch eifrige Leute herumsausen sehen. Das ist bei uns halt so. Aber halten Sie ruhig mit.

 

(Das ha be ich wie der ein mal so rich tig breit ge tre ten, a ber es gin ge ja noch viel brei ter)

 

*  *  *

 

Betreff: Ein Software-Problem

 

Der Terminkalender des Dekans sollte sowohl von seiner Assistentin als auch von seiner Sekretärin geführt werden können. Nichts einfacher als das: Man kauft dafür ein eingeführtes und auch schon bewährtes Programm. Nur geht es nicht.

 

Der Fehler wurde so beschrieben: „Wenn meine Kollegin etwas in den Terminkalender einträgt, so sehe ich das sofort“. So soll es auch sein. „Wenn ich etwas in den Terminkalender eintrage, so sieht es meine Kollegin nicht“. So soll es allerdings nicht sein. Was tun?

 

Ganz einfach, denkt sich mein Boß, das vollziehe ich erst mal schnell lokal nach, dann werde ich den Fehler schnell finden, schnell gedacht, schnell getan, schnell ein lokales Netz aufbauen, auf beiden beteiligten Rechnern schnell die bewährte Software installieren, nicht so ganz legal, zwei mal schnell booten, schnell die Software starten und schnell schauen, ob in den Log-Dateien etwas Verdächtiges steht, wenn es nicht geht, es ging aber sofort, ha, was tun, der Dienstag ist fast um, und ich habe den Fehler immer noch nicht gefunden, Mist, was soll ich jetzt machen, vielleicht frage ich doch mal schnell, was die beiden wirklich gemacht haben, sind die beiden um diese Zeit überhaupt noch da, wenn nicht, dann schaue ich morgen schnell blöd aus.

 

Er schaut auch heute nicht blöd aus. Die beiden waren noch da. Eine sagte, sie hätte etwas eingetragen, was die Kollegin auch gesehen hätte. Die andere gab zu, daß sie etwas eintragen wollte, es dann aber doch nicht getan hätte.

 

Ein Dienstag eines promovierten Technischen Betriebsleiters koschtjanix, der ist ja eh da. So wie wir alle, die wir dafür horrende Gehälter einstreichen. Na ja, ich nicht. Um eine Gehalts­erhöhung bemühe ich mich nicht mehr, wenn man mir diese an diesem (Adjektiv?) Zentrum nicht freiwillig geben will. Und man will offenbar nicht. Bin ja kein Bettler, nur ein Depp.

 

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Betreff: ShredderIn

 

Ein verzweifelter Anruf: Mein Computer geht nimmer! Was geht nimmer? Nix geht nimmer! Was haben Sie zuletzt gemacht? I hab bloß an Haufn Dateien vernichtet, die i nimmer brauch.

 

Windows 95. Jede(r) kann damit machen, was sie/er will. Jede(r) macht damit, was sie/er will. Und was das Arbeit macht: Bootdiskette erzeugen, Treiber für das CD-ROM-Laufwerk su­chen, in Autoexec.bat und Config.sys einbinden, Windows neu installieren, Anwendungen neu installieren, dafür sorgen, daß „Eigene Dateien“ erhalten bleiben ... Zwei Tage hat mich das gekostet. „Des macht nix, i hab eh drei Tag Urlaub“ ... Koschtjanix, bin eh da.

 

Und mit einer Schachtel Zigaretten habe ich mich bestechen lassen, damit ich auch beim nächsten Mal wieder bereitwillig die Platte putze.

 

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Betreff: Noch was zum Selbstlob

 

Auszug aus der Mail vom 19.01.2001 an alle ca. 200 potentiellen Leser (ja, ich war dabei):

 

...

Semester-Abschlussveranstltung der Hurwitz-Gesellschaft mit einem Vortrag von Ian Stewart als Höhepunkt:

http://www-m4.mathematik.tu-muenchen.de/hurwitz/akt.html

...

Im letzten Jahr wurde die Fakultät mit Preisen in nahezu allen Kategorien geradezu „überschüttet“, siehe:

http://www-m1.ma.tum.de/preise/

...

 

Die Auslassung im ersten Satz ist nicht von mir, ich habe es wie immer nur 1:1 kopiert. Ein Höhepunkt wird es trotzdem gewesen sein.

Wenn unser Referent gerne bei M4 hospitiert, so ist das eine nachvollziehbare Sache. Wenn er sich aber auch noch bei M1 breit macht, so ist das Schnorrerei. Und das noch dazu mit sol­chen Inhalten. Gebt unserem Referenten doch endlich seinen eigenen Web-Server, auf daß er sich endlich einmal so richtig breit machen kann mit wertvollen Verlautbarungen wie diesen!

Gruss Schoene.

 

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Betreff: Noch was Kurzes

 

„Ich habe Flecken auf dem Papier. Was kann man da tun?“

 

Schau’n S’ doch in’s Druckerhandbuch. Da steht wahrscheinlich ‚Putzen’. OK, ich gehe ja hin. Dumm wie ich nun einmal bin. Man beachte den Reim. Bin ich ein Heptametriker?

 

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Betreff: „Betroffenheit“ (Zitate aus der SZ ab 16.01.2001)

 

soll sich an der TUM breit gemacht haben. Und das nur, weil unser Präsident endlich in die Politik gegangen ist, und zwar als Verbraucherminister.

 

„Es wird ein einmaliges Ministerium in Deutschland sein.“ In Bayern, wo sonst. Und ein Sprungbrett wird es wohl auch sein. Macchiavelli läßt grüßen.

 

„Hochschulpolitik kenne ich doch zur Genüge“. Schade, daß er nun davon nichts mehr wissen will, gerade jetzt, wo neben der Informatik die Mathematik zu seinem zweitliebsten Kind ge­worden ist. Es herrscht tatsächlich äußerste Betroffenheit allüberall in der Mathematik.

 

„Kanzler ... ins neue Ministerium ...“ Auch das noch. Was soll nun aus unserem deutschen Hochschulrechnungswesen werden? (s. S. 30 f.)

 

„Bewußtsein für richtiges Essen ... im Kindergarten und in der Grundschule ...“. Nur weiter so, der Ansatz ist richtig. Sonst gibt es offenbar noch nicht viel zu organisieren.

 

„Doch der designierte Verbraucherminister ... läßt nur wenig Gutes hoffen. Seit Tagen schwa­droniert der Chemiker in Interviews munter drauf los, denen man vor allem eins entnehmen kann: dass der Herr Professor wahnsinnig viel von sich selber hält. Ungeniert empfiehlt der Mann ... gentechnisch manipulierte Lebensmittel ... Verdacht, dass Stoiber den Bock zum Gärtner gemacht hat.“ Ist natürlich alles völlig aus dem Zusammenhang gerissen. So gesche­hen am 23.01.2001. Sehen wir weiter.

 

Aber das gehört eigentlich alles nicht hierher. Lassen wir es dabei, wir wollen uns ja auf Vor­kommnisse an diesem (Adjektiv?) Zentrum und seiner (Adjektiv?) Fakultät konzentrieren. Die (Adjektiv?) TUM kann ich hier nicht auch noch abhandeln. Unsere Regierung auch nicht. Die Bayerische meine ich. Die andere - im Bund - macht es ja nicht so schlecht, meine ich.

 

Sie macht es zumindest nicht so schlecht wie die bayerische, in die ein designierter renom­mierter Wissenschaftler dann doch nicht hinein muß und zurücktreten darf, bloß weil er ein Steuerverfahren am Hals hat. Schon hat die arge fast zweiwöchige Betroffenheit am Abend des 29. Januar ein gar plötzliches Ende und es herrscht tatsächlich wieder äußerste Zufrie­denheit allüberall in der Mathematik. Weil unser Präsident unser Präsident bleiben muß.

 

*  *  *

 

Betreff: Noch mal kurz etwas zur Betroffenheit

 

Es gibt offenbar Zeitgenossen, die nicht betroffen, sondern erleichtert waren, daß unser Mini­sterpräsident wieder mal rigoros durchgegriffen hat. So erleichtert, daß sie vor lauter Feiern das einzige einschneidende Ereignis des 29. Januar überhaupt nicht mitbekommen haben und noch am 7. Februar verkündeten:

 

 

Nun hatte ich leider keine Zeit, am 21. Februar in den Rosengarten zu gehen. Sie wohl auch nicht. Betroffene Gesichter hätten wir dort sehen können.

 

Aber vielleicht war statt seiner der Neue (die vierte Wahl) dort und hat das etwas besser geritzt als in der Christiansen­schen Talkrunde, die bereits am 4. Februar gesendet wurde (s. SZ vom 6.02., Letzte Seite, „Wadlbeißer statt Wunder­waffe“). Unsere Zeitgenossen hätten also schon vorher auf den Boden der Realität zu­rückfinden und betroffen sein können, während lange vorher schon alle, alle Mathematiker der TUM erleichtert sein konnten.

 

Hinterher stellte sich heraus, daß dieses Thema dem Wadlbeißer niemand zugetraut hatte und stattdessen der Setzer für die Ausgabe 7 vom 14.02.2001 angewiesen wurde, „neue Minister“ durch „TU-Präsident“ zu ersetzen – wenn man schon niemand Kompetenteren finden kann.

 

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Betreff: Unerwünschte E-Mail

 

Die bekommt man schon mal. So auch eine neue Mitarbeiterin. Und prompt hat sie darauf auch geantwortet, daß sie sich – wie angeboten – aus der Liste streichen will. Und hat sich daraufhin gewundert, daß sie danach mit solchem SPAM aus allen Ecken der Welt zugemüllt wurde. Und wie kommt das?

 

Das hätte man auf der Seite der exzellenten RBGMath unter „Informationen“, „Aktuelles“ nachlesen können, bevor es passierte. Aber wer liest da schon nach. Aber das habe ich schon viel weiter oben einmal gefragt. Aber verkehrt wäre es nicht.

 

Ich gebe zu, daß man unter „Aktuelles“ nicht unbedingt das liest, was ich unter dem 08.06.98 dort eingetragen habe, nämlich einen Hinweis darauf, wie man am besten auf solche E-Mail reagiert. Man sieht schon, manche Hinweise veralten auch in unserer schnellebigen (was ich hartnäckig immer noch so schreibe, weil es ein so schönes Wort ist) Welt auch nach über 2½ Jahren noch nicht.

 

Schuld bin also ich, weil ich das Datum des Eintrags nicht täglich fälsche und den Eintrag nicht täglich nach ganz oben schiebe. Wo wir doch immer noch ganz oben sind.

 

Falsch, ich kann nicht schuld sein, weil da eh keine(r) rein schaut. Macht weiter so, Leute. Irgendwann fallt Ihr auf den Bauch, und ich soll schuld sein. Ha.

 

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Betreff: Nachtrag zur Betroffenheit

 

Gut getroffen, die beiden. Finden Sie nicht auch? Herzlichen Dank an die SZ, den Zeichner Dieter Hanitzsch und den Autor Herbert Riehl-Heyse. Man wird mir ver­zeihen, daß ich die Letzte Seite vom 10./11. Februar 2001 so schamlos ausge­schlachtet habe.

 

Um so etwas wie eine Verschwörung soll es sich demnach gehandelt haben. Daran liegt mir aber nichts, ich fand diesen Bild­ausschnitt nur so ausnehmend hübsch.

 

Die Textsorte „Bildbeschreibung“ haben Sie schon in der Schule kennen gelernt. Können Sie das noch? Aufgabe: Beschrei­ben Sie das nebenstehende Bild. Beachten Sie dabei, daß der Schwurarm sowohl un­terstützt als auch heruntergezogen werden könnte. Beachten Sie dabei auch das Mie­nenspiel und das Manuskript!

 

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Betreff: Fundraising-Kampagne

 

klingt einfach besser als – ja was? Lassen wir den Fremdwörter-DUDEN sprechen. Was fin­den wir da? Nichts. Gehen wir es anders an, zerfleddern diesen ominösen Begriff erst einmal in seine Einzelteile und suchen auch nach dem hübschen Wort akquirieren, das beim Vortrag unseres MP am Dies academicus 2000 in diesem Kontext fiel und von einer Assistentin im­mer noch konsequent falsch buchstabiert wird.

 

Da gibt es also den Fund. Der deutsche „Fund“ kann nicht gemeint sein, denn 92,3 Millionen Mark liegen ja nicht so einfach auf der Straße herum. Außerdem ist „Fund“ deutsch und damit total out. Klingt einfach irgendwie lateinisch, aber Latein ist es nicht – vielleicht Inglisch? Fündig geworden!

 

fund [...] ..: Fonds; Kapital; Staats-schulden, -papiere; Geld(mittel); Vorrat; Schatz; ...

raising ist offenbar das Partizip Präsens von

    to raise [...] ..: heben; auf-, er-heben; auf-, er-richten; erhöhen (a. fig.); Geld aufbringen;

        Anleihe aufnehmen; Heer aufstellen; ...

Kampagne [...] ..: 1) veralt. für: Feldzug. 2) Presse-, Wahl-feldzug. 3) Betriebszeit in saison-

    bedingten Unternehmen (z.B. Zuckerfabriken). ...

akquirieren [...] ...: 1) veralt. für: erwerben, anschaffen. 2) als Akquisiteur tätig sein.

Akquisiteur [...] ...: Kundenwerber, Werbevertreter; (im Zeitungswesen:) Anzeigeneinholer.

Akquisition [...] ...: 1) veralt. für: vorteilhafte oder schlechte Erwerbung. 2) Kundenwerbung

    durch Vertreter ...

 

Ich glaube, jetzt haben wir’s: Geldmittelaufbringungsfeldzug und anschaffen (veralt.!). Klingt einfach schlechter als der jeweilige fremdsprachliche

 

Euphemismus [...] ...: beschönigendes, verhüllendes Wort. ...

 

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Betreff: Die Begehung

 

Am Unsinnigen Donnerstag und dem darauffolgenden Schwarzen Freitag des Jahres 2001 wurde von externen Gutachtern untersucht, ob wir wirklich so exzellent sind (s. S. 39). Eine Gesprächsrunde mit nicht-wissenschaftlichen, technischen oder sonstigen Mitarbeitern (ja, die gibt es auch) war vorsichtshalber nicht vorgesehen worden.

Ob das jemand gemerkt hat? Ich bin sehr gespannt.

 

Hängt mit dieser Begehung auch die exzellente Putzerei am Montag davor zusammen? Seit dem Bezug der Gebäude vor über 30 Jahren wurden erstmals sogar die Lichtschalter und Steckdosen abgestaubt. Die Dienstzimmer nicht. Am Mittwoch endlich ist auch der Ascher vor den Aufzügen in der Tiefgarage gewienert worden. Ob das jemand gemerkt hat?

Und ob sich die Kosten gelohnt haben? Ich bin sehr gespannt.

 

Und Tische wurden gerückt und Stühle wurden gerückt und Schaukästen wurden bestückt und Stellwände wurden aufgestellt und Poster wurden plaziert und Vorträge wurden vorbereitet und Rechner wurden installiert und Zeitpläne wurden erstellt und Arbeit wurde sich gemacht und Zeit wurde investiert – in was? Investiert. In Bluff und Augenwischerei. Ob die Begeher wohl etwas gemerkt haben?

Und ob sich der Aufwand gelohnt hat? Ich bin sehr gespannt.

 

Zu kritisieren werden die begehenden Gutachter wahrscheinlich nichts gehabt haben.

Zu loben hoffentlich auch nicht – das machen wir schon selbst. Wozu also das Ganze?

 

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Betreff: Keine Zeit?

 

Ein Betreuer-Kollege (Sie kennen ihn schon, er hat mir mal die Tür aufgehalten) meint sinn­gemäß, daß er einsehe, wenn ich wegen zweitägiger Verabschiedungs-Feierlichkeiten keine Zeit für dringende Reparaturen hätte. Als ob ich zu zweitägigen Feierlichkeiten ginge. Dafür habe ich keine Zeit. Er übrigens, so scheint mir, auch nicht. Es wird bei uns also nicht nur ausgiebig gefeiert, sondern auch hart gearbeitet. Das kann man nur loben.

 

Nur lobt uns beide keiner dafür. Dafür lobt man sich wieder mal zwei Tage lang selbst.

 

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Betreff: Musik

 

Schade ist schon, daß mir in den letzten dreißig Jahren so manche musikalische Darbietung entgangen ist, weil ich keine dafür Zeit hatte. Aber das macht nichts. München bietet jeden Abend so viel, daß man nicht unbedingt zu akademischen Feierlichkeiten mit musikalischen Einsprengseln gehen muß, um seinen Bedarf an Musik zu befriedigen. Und ein Abonnement bei den Münchner Philharmonikern hat man schließlich auch noch. Man muß immer alles positiv sehen (sagt angeblich die esoterische Literatur, die ich nicht lese).

 

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Betreff: Papierkrieg

 

Geräte oder Ersatzteile zu beschaffen, gehörte bisher zu meinen Lieblingsbeschäftigungen als Mitglied dieser unsäglichen Rechnerbetriebsgruppe. Man macht sich dabei Finger, Hemd und Hose nicht schmutzig, holt sich keine Blasen an den Händen, muß dazu keine Handschuhe tragen und verdirbt sich dabei auch nicht die Augen. Und flott geradeaus geht es auch:

 

Angebote einholen, Auftrag erteilen, Ware annehmen, Rechnung weiterleiten (mit Kopie an die Ordinarien, damit sie wissen, wo ihr Geld bleibt), das Teil installieren – fertig.

 

Aber das ist zu einfach. Wo bleibt da die Kontrolle? Meint eine Ordinaria, die gewohnt ist, Fakten zu schaffen. Also werde ich, sobald ich Zeit dazu habe, selbst ein Faktum schaffen und ein selbstdurchschreibendes Formular entwerfen, das eine lückenlose Kontrolle gewährleistet. Einfach durchschreibend genügt, das Original ist natürlich für sie, die Durchschrift für mich (nur zur Kontrolle). Der Inhalt des Formulars wird ungefähr folgender sein:

 

  - Angebote einschlägiger Lieferanten als Anhang, Fotokopien für mich zur Kontrolle, Auswahl des günstigsten Angebots durch die Ordinaria mit Gegenzeichnung auch auf der Fotokopie (nur zur Kontrolle für mich).

  - Auftrag an den Anbieter des günstigsten Angebots durch mich, mit Vollzugsmeldung und Fotokopie an die Ordinaria.

  - Auftragsbestätigung im Original an die Ordinaria und gegengezeichnete Fotokopie für mich (nur zur Kontrolle).

  - Lieferschein im Original an die Ordinaria und Fotokopie mit ihrer Bestätigung des Erhalts für mich (nur zur Kontrolle).

  - Rechnung. Die geht mich nichts an. Gebe ich einfach weiter an die Ordinaria. Soll sie selbst an die Haushaltsabteilung weiterleiten (lassen). Eine Fotokopie brauche ich nicht, was das Ganze dramatisch vereinfacht. Habe ja getan, was zu tun war.

  - 1. Mahnung. Was geht das mich an? Gebe ich einfach weiter an die Ordinaria.

  - 2. Mahnung. Was geht das mich an? Gebe ich einfach weiter an die Ordinaria.

  - Anwaltsschreiben. Was gehen die mich an? Gebe ich einfach weiter an die Ordinaria.

 

Aber wie soll ich ein selbstdurchschreibendes Formular beschaffen, wenn es ein Formular zur Beschaffung selbstdurchschreibender Formulare noch nicht gibt? Diesen Circulus vitiosus wage ich nicht zu durchbrechen und nehme daher gerne in Kauf, gelegentlich eine Rüge von dieser Ordinaria (natürlich nicht von ihr persönlich) entgegen nehmen zu müssen. Rügen ha­ben kurze Beine, sagt man, glaube ich. Zeit zur Erstellung des selbstdurchschreibenden For­mulars habe ich auch nicht, also wird es auch keinen Papierkrieg geben. Alles bestens, exzel­lent. Wie wir nun mal sind.

 

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Betreff: Ha!

 

Schon ist es soweit. Auch ohne selbstdurchschreibendes Formular müssen wir irgendwie zu Rande kommen. Ein Mitarbeiter eines ehemals befreundeten Lehrstuhls hat bei einem Mitar­beiter des anderen ehemals befreundeten Lehrstuhls gesehen, daß ein Flachbildschirm die Augen wesentlich weniger belastet als ein ein herkömmlicher Röhren-Monitor und wollte so etwas haben. Wie kommt er nun dazu?

 

Ganz einfach. Er fragt die Ordinaria, ob eventuell Geld dafür da sei, sie sagt ja, wenn es nicht soundsoviel tausend Mark überschreitet, ich hole Angebote ein, stelle fest, daß nur eines in Frage kommt, weil alle anderen um tausend Mark drüber liegen, gebe ihm dieses Angebot mit der Bitte, das Angebot von der Ordinaria gegenzeichnen zu lassen, damit ich das Gerät guten Gewissens auch bestellen kann, erhalte das gegengezeichnete Angebot von ihm zurück mit der Bemerkung, daß ich noch nicht bestellen solle, weil die Ordinaria noch meinen Boß fra­gen wolle, ob das auch in Ordnung sei, ...

 

Es gibt mich also nur für die niederen Arbeiten. Zu entscheiden habe ich nichts. Richtig gese­hen, Ordinaria. Warum nur habe ich, leichtsinnig wie ich bin, in der Vergangenheit trotzdem das eine oder andere zum Wohle dieses (nicht schon wieder!) Zentrums selbständig entschie­den? Weil ich leichtsinnig oder gar größenwahnsinnig bin? Nein, weil mir nicht zu helfen ist und ich meine Gehaltsklasse nicht immer realisiert habe. Das wird sich leider auch nicht mehr ändern, dazu ist es zu spät. Darum bin ich auch äußerst dankbar dafür, daß mich eine veritable Ordinaria wieder einmal daran erinnert, was so Sache ist. Danke.

 

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Betreff: Sechzig

 

Ob man es glaubt oder nicht (selbst glaube ich es immer noch nicht): Ich bin tatsächlich 60 Jahre alt geworden. Laut habe ich vorher verkündet, daß ich nicht möchte, daß dies irgendwie gewürdigt würde. Nachdem man schon mehrmals nur knapp am Exitus vorbeigeschrammt ist, betrachtet man irgendwann jeden Tag als Geburtstag.

 

Diesen Wunsch hat man mir nicht erfüllt, und ich bin dem Leitungsgremium von M1 dafür sogar sehr dankbar. Auch der G.D. hat mich nicht vergessen und mir sofort eine neue, interes­sante Aufgabe vorgeschlagen, als ich ihm sagte, daß mir die Arbeit keinen Spaß macht. Leider kann ich ich diese neue Aufgabe nicht annehmen – nicht zusätzlich. Wer sollte dann einen Teil des anderen Krams machen? Löten kann offenbar nur ich. Irgendwann in den nächsten fünf Jahren werde ich einen Nachfolger haben, dann kann man die Aufgaben ganz neu vertei­len. Vielleicht schafft es der oder die junge, dynamische Neue – und zwar zusätzlich.

 

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Betreff: Das Richtfest in Garching

 

Der Termin wurde so geheim wie möglich gehalten. Aber „so geheim wie möglich“ ist eben noch lange nicht geheim. Nach alter Manier wurden die wichtigsten vierzig Leute eingeladen, mit der Bitte, sich gar nicht erst zur Teilnahme anzumelden, weil der Platz im VIP-Zelt nicht ausreicht (siehe „Grüne Wiese statt Asbestbunker“ S.28 und „Die Grundsteinlegung“ S.34).

 

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Betreff: Nochmals Richtfest

 

Leider mußte ich zu diesem Zeitpunkt meinen Resturlaub antreten (schon wieder während der NICHT vorlesungsfreien Zeit!) und habe nur durch Mittelsleute erfahren, daß dieses Fest ein voller Erfolg war. Die Mittelsleute werden mich schon nicht wissentlich belogen haben. Das weiß ich hundertprozentig.

 

Und ich plane davor noch schnell auf Geheiß der Firma HochTief, des Bauamtes, des Unter-Raumbeauftragten und meines Bosses die Positionierung von Schlitzplatten (was ist denn das?) und Elektrodosen. Und bekomme nicht einmal eine Tasse dafür.

 

Hm. Meinen die etwa Steckdosen, Stromdosen, Schukodosen oder was? Netzdosen sind ja auch irgendwie elektrisch, oder nicht? Egal. Ich male halt was. Was sehr Schönes. Das Bau­amt hat sich über meine Werke bisher immer gefreut. Bloß habe ich noch keine renommierte Galerie gefunden, die meine Werke ebenso hoch einschätzt und einem breiten Publikum zu­gänglich machen will. Aber das kann ja noch werden. Ein Problem sehe ich schon, denn als abhängig minderbezahlter Angestellter könnte ich erhebliche Streitigkeiten wegen des Copy­rights an den Hals bekommen. Selbständig habe ich diese Werke schon geschaffen, aus eige­nem Antrieb allerdings nicht immer (weil ich nicht gerne für den Papierkorb arbeite).

 

Was Schlitzplatten sind hat mir bis heute übrigens keiner sagen können. Ich malte halt was, und das wurde tatsächlich akzeptiert. Es ist also wurscht, was man malt, Hauptsache es ist schön oder originell. Meine Galerie wird das ähnlich sehen, da bin ich zuversichtlich.

 

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Betreff: Das Ergebnis der Begehung

 

Rechtzeitig vor Antritt meines Resturlaubes bekam ich den Bericht der Gutachter zur Evalu­ierung, per E-Mail, wie sonst. Ist ja dringend. Ich sagte auf S. 56, daß ich auf das Ergebnis gespannt sei. Die Spannung hat allerdings während der vergangenen neun Wochen merklich nachgelassen. Was steht nun drin im Bericht? Viel Positives, unberechtigtes, erwartetes. Aber auch Negatives, berechtigtes, unerwartetes.

 

Das erwartete, unberechtigte Positive zuerst:

 

„Es ist hervorzuheben, dass Lehrevaluationen durch die Studierenden durchweg positive Ergebnisse erbracht haben“.

Durchweg? Na, na. Daß keiner der Gutachter die ziemlich längliche Auslassung über die Frau des SS 2000 (s. S. 43) nicht (Bay. Neg.) gelesen hat sehe ich allen sechsen nach.

 

„... Anspruch auf systemische Exemplarität in Deutschland ...“

Das klingt mir ein kleines bißchen übertrieben positiv.

 

„Umzug nach Garching ... hinreichend diskutiert ..“.

Ist er das, der Umzug? Gibt es schon einen Haupt-, Ober-, Unter-Umzugsbeauftragten? Warum kennt man ihn noch nicht? Fragen über Fragen, die noch nicht beantwortet wurden. Aber die werden schon noch beantwortet werden. Die Fachschaft allerdings ist immer noch der Ansicht, sie müßte den Umzug in eigener Regie bewerkstelligen, so wie die Lehrstühle auch. Und wie machen es die Lehrstühle? Je nachdem, aus eigenen Mitteln mit einem Um­zugsunternehmen oder durch Selbsthilfe auf dem Buckel, eigenem Auto, Taxi, oder mit Straßenbahn, S-Bahn und Bus. Irgendwie kommt man ja schließlich nach Garching.

 

Das unerwartete, berechtigte Negative zuletzt:

 

„... welche Funktionszuschreibungen das Zentrum für(!) Mathematik im Unterschied zu denen der Fakultät aufweist“.

Keine Angst. Auch für Nicht-„Außenstehende könnte sich hier sogar Verwirrung über die Organisationsstruktur einstellen“.

 

„Nicht recht klären ließen sich die Differenzen in den widersprüchlichen Berichten ver­schiedener Gruppen zu der Arbeit der Rechner-Betriebsgruppe“.

Die Differenzen könnte ich schon klären. Man muß nur darauf achten, wer zur RBG was sagt. Multifunktionsträger könnten da durchaus eine eigene Meinung haben.

 

„... Erstaunen ..., dass ... nicht einmal 30 PC-Arbeitsplätze zur Verfügung stehen“.

Meine Rede seit 1997. Warum mußten es 20 Sun’s und nicht 50 PC’s sein?

 

„... dass die Rechnersupport-Gruppe (ist das die RBG?) unterausgestattet ist“.

Meine Rede seit 1997.

 

„Hier sollte dringend Abhilfe geschaffen werden ...“.

OK, ich gehe ja schon, dann könnt Ihr einen Kompetenteren statt meiner einstellen. Oder besser zwei, drei, vier. Mit mindestens FH-Abschluß. Achtet darauf, daß mindestens eine(r) davon auch löten kann. Ein Lötkolben ist da. Zinn auch. Schraubstock auch.

 

„... die Klagen der Studierenden ...“.

Aha. Die hat man schon gefragt, unsereins nicht. Weiter so, Gutachter, Exzellenzen und sonstige Entscheidungsträger. Dann wird es schon was werden.

 

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Betreff: Mahnungen

 

Im April 2001 bekam ich nur drei Mahnungen. Die eine betraf eine Rechnung vom Oktober 2000, die anderen beiden betrafen Rechnungen vom Januar 2001. Alle drei waren tatsächlich schon bezahlt. Ist es vielleicht so, daß die Lieferanten blind nur vorsorglich mahnen? Sie erin­nern sich vielleicht an die Seite 30 („Eine Art miserabler Zahlungsmoral“).

 

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Betreff: Lottozahlen

 

Schon lange – genauer: seit Anfang 1997 - würde ich gerne in den Vorruhestand gehen, kann es mir aber finanziell nicht leisten. Warum ich gerne in den Vorruhestand gehen möchte? Das deutete ich schon mindestens zwei mal an: Weil mir die Arbeit unter den gegebenen Verhält­nissen keinen Spaß mehr macht. Warum ich mir das finanziell nicht leisten kann? Na, warum wohl. Einige wenige von Ihnen müssen wie ich mit einem minderen Gehalt auskommen und wissen daher, daß einen die zu erwartenden Abschläge bei der Rente schnell an’s Existenzmi­nimum führen.

 

Bleibt als Alternative noch die mühsam erkämpfte Regelung für Altersteilzeit. Die klingt zwar schön, ist es aber nicht: Man arbeitet die Hälfte der verbleibenden Lebensarbeitszeit für 83%, geht in der anderen Hälfte in Rente bei ebenfalls 83% des letzten Gehalts und weiß nicht, wie man mit 83% auskommen soll, wenn 100% schon nicht reichen. Dazu kommt noch, daß sich die Rente für den Rest des Lebens verringert. Schöne Aussichten.

 

Daher spiele ich Lotto, obwohl jeder weiß (also auch ich), daß sich das nicht rentiert. Aber vielleicht liegt das nur daran, daß man die Zahlen subjektiv ermittelt? Wozu hat man einen Rechner, der das streng objektiv erledigen kann? Also schreibe ich auf die Schnelle ein unbe­stechliches Programm, das den Rechner meine Zahlen träumen läßt. Das Ergebnis sehen Sie hier:

 

 

 

Mein Rechner hat mir auch versprochen, daß diese Zah­len mit 100%iger Sicherheit irgendwann wirklich gezo­gen würden. Bloß wann – das hat er mir nicht gesagt. Aber diese Zahlen kommen! Mit 100%iger Sicherheit!

 

 

Bis jetzt kamen sie nicht. Aber sie kommen! Selbst wenn sie schon gezogen worden wären – sie kommen wieder. Tippen Sie also mit, teilen wir uns den Gewinn!

Und dann gehen wir gemeinsam in den Vorruhestand. Zumindest alle, die es sich sonst nicht leisten könnten und denen die Arbeit keinen Spaß mehr macht. Der Rest soll ruhig weiter malochen.

 

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Betreff: Verlauf einer Kaffeepause

 

Ah, der ist heute gut, duftet schon auf dem Flur. Guten Morgen. Gar finster schaut er aus der Tasse, ganz so, wie ich ihn liebe. Schwarz wie die Hölle, heiß wie die Nacht, süß wie – nein, so süß mag ich ihn nicht. Die Tasse schon am Mund, ekelte mich ein süßlicher Gestank an, den ich irgendwoher kannte. Wo kommt der her? Der Kaffee ist es nicht, sondern die rechte Hand!

 

Richtig. Kam ich doch gerade von einer Userin, deren Maus ich zur Installation einer neuen Version der Anti-Viren-Software bedienen mußte. Schnell raus, bevor der Kaffee kalt wird, und Hände waschen. Mit Seife. Riechprobe: der Gestank ist nicht weg. Nochmal waschen, gründlicher, mit mehr Seife. Riechprobe: der Gestank ist immer noch nicht weg.

 

Wie soll ich jetzt meinen kalten Kaffee trinken? Zwangsläufig mit der ungewohnten linken Hand, die rechte tief in der Hosentasche versteckt, mit der Folge, daß ich mein Taschentuch wegwerfen konnte. Ich hätte natürlich auch die rechte Hand in die linke Tasche stecken kön­nen. Für die Zukunft merken. Man ist ja lernfähig.

 

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Betreff: Bin ich lernfähig?

 

Nein. Immer wieder muß ich da hin - und vergesse es immer wieder. Selbst schuld.

 

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Betreff: Unsitten, telefonische

 

Rechtzeitig zum Beginn allumfassender Reformen bekamen wir eine neue Telefonanlage. Wie haben wir vorher telefoniert? Wie in der Steinzeit. Es gab weder eine Anzeige von Uhr­zeit, Namen des Teilnehmers, „Jetzt frei“, Gesprächsdauer und Umleitung, noch gab es die Möglichkeit der Umleitung, des Anrufbeantworters, der Konferenzschaltung, des Rückrufs und vieler Dinge mehr. Jetzt haben wir das alles und viele Dinge mehr – und schon wird da­mit Mißbrauch getrieben. Wie mit allen technischen Errungenschaften. Punkt.

 

Unsitte 1: Man läßt es genau zwei mal klingeln und drückt dann flink die Rückruftaste.

Man stelle sich den Rechnerbetriebsgruppler vor, der gerade nebenan in der Werkstatt Ihren Drucker repariert, wie er in der einen Hand ein Werkzeug, in der anderen ein hochempfind­liches Teil hält, das Telefon bimmeln hört, wie er flink das Werkzeug fallen läßt, das hoch­empfindliche Teil vorsichtig zur Seite legt, zum Telefon hetzt, auf dem Weg dorthin das zwei­te Bimmeln hört und gerade noch sieht, wer da angerufen hat. Bis er den Hörer endlich in der Hand hält brennt auch schon die Rückruf-Funzel. „Ich dachte, Sie sind nicht da“. Punkt.

 

Unsitte 2: Man ruft den Rechnerbetriebsgruppler an, und wenn er nicht gleich abhebt, so drückt man die Rückruftaste und geht nach Hause.

Siehe oben. Nur: „Ich dachte, Sie sind nicht da“ hört der Rechnerbetriebsgruppler erst über­morgen. Bis dahin probiert er mehrfach, ob er vielleicht doch noch heute helfen kann. Punkt.

 

Unsitte 3: Man ruft den Rechnerbetriebsgruppler an, und wenn er nicht abhebt, so drückt man die Rückruftaste.

OK soweit, sofern man es drei mal hat klingeln lassen. Es mag ja sein, daß er gerade bei der Kundschaft ist, in der Stadt Ersatzteile besorgt oder einen Tag Urlaub hat. Wenn man dann beim Rückruf des Rechnerbetriebsgrupplers aber nicht mehr weiß, warum man ihn zum Rück­ruf aufforderte, so findet er das äußerst seltsam. Worauf er stolz ist. Punkt.

 

Unsitte 4: Ab heute reagiere ich auf Rückrufaufforderungen nicht mehr.

Das sage ich Ihnen erst jetzt. Zu spät, werden Sie sagen. Sie haben Recht, ich hätte es Ihnen schon früher sagen sollen, nicht erst, wenn ich schon so gut wie in Rente bin. Eine E-Mail an das Zentrum hätte es blitzschnell erledigt. Ich hoffe, Sie haben mich wegen nicht erfolgter Rückrufe nicht für unhöflich gehalten. Wenn doch, so tut es mir wirklich nicht leid. Punkt.

 

Unsitte 5: Mich und andere deshalb für unhöflich zu halten. Punkt.

 

Ergänzen Sie die Liste der Unsitten nach Belieben selbst. Mir reicht’s. Punkt sage ich.

 

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Betreff: Angeblich „aus gegebenem anlass“

 

mailt (mault) mich eine Ordinaria an, weil ich über ihren Kopf hinweg wieder einmal eine Rechnung für Toner direkt an die Haushaltsabteilung weitergegeben habe (wie schon oft, ohne sie um Erlaubnis zu fragen). Alle anderen M-Einheiten akzeptieren das. M4 nicht. Also gut (wie Prominente zu sagen pflegen), machen wir eine Ausnahmeregelung (s. S. 57f).

 

Daß dieser Referent am 15.01.01 noch zu M4 gehörte, hatte sie wohl vergessen, auch daß ein Mitglied der RBG (dummerweise ich) und ihr Betreuer (auch Mitglied der RBG) bereitwillig, kooperativ, untergebenst auf ihrem Drucker in S2440 bei Bedarf den Toner austauschen.

 

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Betreff: Papierkrieg zum Zweiten

 

Die Ausnahmeregelung wird darin bestehen, daß die Ordinaria eine separate Rechnung bekommt, in welcher der Lieferant den Abholer des Toners nicht benennt, weil er ihn nicht kennt. Karl Valentin läßt nicht grüßen.

 

Und wenn der Ordinaria diese Ausnahmeregelung nicht paßt, so soll sie sich den neuen Toner zukünftig in der Landwehrstraße oder in Zorneding selbst abholen und den alten dorthin brin­gen. Oder Frau W. beauftragen. Oder Frau W. beauftragen, mit mir eine noch andere Aus­nahmeregelung auszuhandeln. Abholer von Toner für M4 werde ich jedenfalls keine mehr benennen. Es sei denn, ich sollte sie namentlich kennen. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Bringen die ihren Mund doch nicht einmal zum Grüßen auf. Oder es sei denn, sie grüßen plötzlich, weil sie etwas von mir wollen, z.B. Toner; oder sie verlangen ihn einfach von mir, ohne zu grüßen. Dann müßte ich sie wohl nach ihrem Namen fragen. Soll ich?

 

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Betreff: Fehlermeldung

 

Per E-Mail. Von jemandem, der seinen Betreuer immer noch nicht kennt, noch nie von ihm gehört hat. Per E-Mail, aber leider wieder einmal nicht mit meinem kunstvollen Formular, welches man auf unserer Home-Page finden könnte (die immer noch jede(r) ignoriert):

 

„Der Drucker sagt: ‘Zu wenig Toner‘. Was kann ich da tun?“

 

Ab jetzt per Telefon: Den Toner herausnehmen, in beide Richtungen sachte schütteln und rollen, wieder einsetzen, dann kann man noch einige hundert Seiten drucken.

 

„Wie soll ich den Toner herausnehmen?“

 

Einfach herausziehen, Anleitung steht drauf.

 

„Dazu habe ich keine Zeit!“

 

Scho’ schad’. Dann eben nicht. Wie druckt er nun? Immer blasser. Wie lange noch?

 

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Betreff: Das Mathematik-Logo

 

Sie kennen es, haben es oft genug gesehen. Man betrachtet den Hexaeder (den Würfel also) von links unten vorne, dann erscheint der darin eingebettete Oktaeder (das Zentrum?) vor unserem geistigen Auge rechts oben vorne. Oben, sage ich, wo er bzw. es hingehört. Bei uns ist alles ganz oben. Vorne sind wir auch. Zwei Jahre mindestens. Immer noch.

 

Jetzt werden Sie sagen, ich hätte das Logo auf dem Deckblatt dieses unsäglichen Pamphlets falsch dargestellt. Falsch dargestellt, weil sichtbare Kanten unsichtbar und unsichtbare Kanten sichtbar wären? Falsch. Betrachten Sie den Hexaeder (den Würfel also) einmal von rechts oben vorne, dann erscheint der darin eingebettete Oktaeder (das Zentrum?) vor unserem gei­stigen Auge links unten hinten. Und dann stimmen plötzlich auch die Kanten wieder. Richtig? Falsch! Das Zentrum kann nicht links unten hinten sein. Das Logo ist also falsch (q.e.d.).

 

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Betreff: Papierkrieg zum Dritten

 

Schon wieder wird mir vom Stockwerk drunter per E-Mail vorgeworfen, daß ich auf Kosten von M4 die RBG mit Toner ausstatten würde. Nun hatte ich die Nase satt und schlug vor, Toner für M4 nur noch gegen Bezugsschein herauszugeben. Ob mein Vorschlag gefallen hat? Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß mein Boß im Stockwerk drüber einen Tag darauf von der Ordinaria per E-Mail gefragt wurde, ob ich nichts besseres zu tun hätte. An eben diesem Tage bekam ich übrigens den ersten Bezugsschein präsentiert.

 

Nun ist die Kontrolle perfekt. Was in der Rechnung erscheint, das muß durch einen Bezugs­schein belegt sein. Und die RBG muß schauen, wie sie ihren Toner finanziert. Das war eben kein Geständnis. Nur nichts zugeben, auch wenn man jemanden trotz offensichtlicher Beweis­lage falsch verdächtigt hat. Eine Entschuldigung erwarte ich ja gar nicht erst. Von ihr nicht.

 

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Betreff: Kalenderblatt an eben diesem Tage

 

Bemüh’ dich nur und sei hübsch froh, der Ärger kommt schon sowieso. (Wilhelm Busch)

 

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Betreff: Grimm

 

Jemand, der auf der westlichen Übersichtstafel als Apl.Prof. und auf der östlichen als veritab­ler Ordinarius tituliert wurde: „Sie schauen so grimmig!“.

 

Warum sollte ich ungrimmig schauen? Gibt es etwa einen Grund, ungrimmig zu schauen? Für ihn schon. Ist er doch kürzlich befördert worden. Zu was, weiß ich nicht. C2, C3 oder C4? Vorsichtshalber gratuliere ich, nachträglich. Zu was auch immer. Und schaue grimmig als wie zuvor. Grimmatikalisch falsch, aber richtig. Kein Märchen.

 

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Betreff: Das geht nicht!

 

Surft doch ein Pförtner oder Nachtwächter nach Dienstschluß auf dem INFOPOINT-Rechner herum und besucht noch dazu Seiten, die mit der TUM oder der Mathematik absolut nichts zu tun haben. Wenn er wenigstens die Hochglanz-CD der TUM oder die Hochglanz-Broschüre der Mathematik anschauen würde! Das tut er aber nicht. Das geht nicht.

 

„Was?“, wurde ich gefragt, „Was, das finden Sie nicht so schlimm? Sehen Sie das wirklich so locker?“ Das geht nicht.

 

Hört ihr Leut und laßt euch sagen (singt nicht der Nachtwächter, sondern sage ich), es kostet ja nichts, und während der Nachtwächter davor sitzt, kann diese kostbare Antiquität schon einmal nicht geklaut werden, obwohl sie angekettet ist. Das geht nicht.

 

Trotzdem habe ich mich wieder einmal breit schlagen lassen und ein hochkompliziertes Paß­wort vergeben, das garantiert kein Nachtwächter herausbekommt. Das geht nicht. Wetten?

 

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Betreff: Das geht auch nicht!

 

Das LRZ warnt mich, daß die automatische Datensicherung am INFOPOINT-Rechner nicht funktioniere. Was ist da los?

 

Ganz einfach: Der Rechner wird von den beiden Betreuerinnen erst gar nicht mehr einge­schaltet, obwohl ich sie gebeten habe, den Rechner laufen zu lassen. Auf diese Weise kann der Nachtwächter nun wirklich nicht mehr surfen. Garantiert! Was aber, wenn er das Paßwort herausbekommen hat, den Rechner einfach einschaltet, surft und brav wieder ausschaltet?

 

Hört ihr Leut und laßt euch sagen: Das kann nicht sein - habe ich doch darauf gewettet.

 

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Betreff: Leider

 

Leider war auch im Jahre 2001 der „Tag der Mathematik“ wieder erst nach Feierabend, so daß ich nicht hingehen konnte. Andere, z.B. mein Boß, sind auch nicht hingegangen aber haben stattdessen wenigstens beispielgebend gearbeitet. Wiederum andere sind wegen der kostenlosen Brotzeit hingegangen, haben aber am Freitag nicht alles verzehren können, so daß die Reste vier Tage später am Dienstag vertilgt werden mußten. Hat’s noch geschmeckt?

 

In der Hauptsache wird wohl ein Siebtel von EmpfängerInnen der Auszeichnung „Pro Meritis Scientiae et Litterarum“ zu würdigen gewesen sein. Den langen Rest haben sich offenbar viele gespart, sonst wäre nicht so viel übrig geblieben. Überhaupt, hört man, sei der Andrang nicht so groß gewesen. Dann ist meine Abwesenheit wenigstens nicht unangenehm aufgefal­len. Anwesende dafür umso angenehmer.

 

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Betreff: Schon wieder aufgefallen

 

Schon wieder bin ich unangenehm aufgefallen  ,weil ich einer Aufforderung zum telefoni­schen Rückruf nicht umgehend Folge leistete  .Man hält mich deswegen eben doch für unhöf­lich  .Sei’s drum  .Das halte ich leicht aus  .

 

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Betreff: Interpunktion

 

Ich weiß  ,daß ich  ,und nicht nur ich  ,mit Satzzeichen so meine Schwierigkeiten habe  .Na ja  .Muß Nachhilfe nehmen  .Beim Studiendekan  .Wenn er Zeit hat  .Sonst nicht  .Muß mich halt dann  ,und nicht nur ich  ,selbst kundig machen  .Punkt  .

 

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Betreff: Anmaßung

 

Steht ein Referent mit einem Krawattenträger im Gefolge hinter einer Studentin und scheucht sie vom Rechner weg, um äußerst wichtige Fotos anzuschauen zu können.

 

„Was machen Sie da? Aha, bloß PDF, da können Sie ja schnell raus. Wir müssen da rein. Sie sind sich schon bewußt, daß dies ein Lehrstuhlrechner ist, der nicht nur der Frau C. gehört?“

 

Stimmt, aber der Referent gehört nicht mehr zu diesem Lehrstuhl und hat an diesem Rechner eigentlich(?) gar nichts mehr verloren. Nun hat aber dieser Rechner eine Schnittstelle für die Speicherkarten seines Fotoapparates. Nebenan steht ein weiterer Rechner, den ich auf sein Geheiß hin mit auch so einer Schnittstelle ausgerüstet habe, damit kein Engpaß entsteht. Das macht Sinn, und ich habe ihn für diese Idee sehr gelobt. Ich habe ihm also vorgeschlagen, auf diesen Rechner auszuweichen – dafür gibt es ihn schließlich. Seine Antwort:

 

„Naa naa, wir wollen schon auf den richtigen Rechner!“

 

Ha! Den richtigen! Wozu habe ich dann den falschen aufgemöbelt? Wieder Mist gemacht?

 

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Betreff: Alles in einer E-Mail (Auszüge, wörtlich)

 

„Habe einen Dell-Rechner bekommen auf dem angeblich Windows NT 4.0 installiert ist.“

 

Einen Dell! Wow! Mit NT! Wowow! Nicht nur angeblich. Gearbeitet wurde auf ihm bisher als „Administrator“. Au! Das Paßwort war der Name der Administratorin. AuAu! Beheimatet war dieser Rechner in der Arbeitsgruppe „WORKGROUP“. AuAuAu!

 

„Ich brauche jetzt einen Windows-Rechner, weil mein Rechner (linux und Windows) voll ist.“

 

Ich brauche jetzt auch schon wieder noch einen Rechner, weil mein jetziger voll ist.

 

„Es scheint aber ein Problem mit der Tastatur zu geben (es scheint, dass Wasser oder was aehnliches drauf geflossen ist).“

 

Es scheint aber, daß dieses einer echten Dell-kompatiblen Tastatur überhaupt nichts ausmacht.

 

„Bei der Organisation des Umzugs ergibt sich auch die Notwendigkeit die Daten auf einem Rechner (ausser dem laptop) zu sichern. Dafuer braeuchte ich MS Office 2000.“

 

Was Office 2000 alles kann! Daten auf einem anderen Rechner sichern! Das wußte ich noch nicht. Danke für den Tip. Ich werde ihn eifersüchtig vorsichtshalber nicht weiter verbreiten.

 

„Vom Dekan habe ich die Genehmigung.“

 

Gut, daß der Dekan sich nun auch um die Datensicherung seiner Mitarbeiter kümmert. Sonst wird das ja nie was. Wir haben ganz oben schon engagierte Leute am Zentrum.

 

„Es waere schoen, wenn ich vor Urlaubsbeginn naechste Woche noch Bescheid bekommen koennte,

nicht dass unvorhergesehene Probleme auftauchen.“

 

Mailte es und rief mich eine halbe Stunde später mehrfach an, weil ich mich erdreistete, nicht sofort Bescheid zu geben, daß mit unvorhergehenen Problemen nicht zu rechnen sei.

 

„Dann braeuchte ich doch jetzt einen Toner fuer den Drucker: HP 5M. Es kommt dauernd die Meldung 'wenig Toner'.“

 

Warum schüttelt er ihn nicht endlich? Weil er immer noch keine Zeit dazu hat? (s.S. 63). Ich mache es halt selbst. Zum Schreiben von solch aufschlußreichen Mails hat er schon Zeit. Und ich nehme mir immer gerne Zeit, solche aufschlußreichen Mails auch zu lesen. Bloß mit dem Beantworten tue ich mich schwer. Sonst ist Sie bei mich schon geholfen wurde. Oder nicht?

 

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Betreff: Write Only

 

„Ich möchte auf dem neuen Dell-Rechner E-Mail schreiben können“.

 

„Lesen nicht?“

 

„Nein“.

 

Das lobe ich mir. So eine Einstellung möchte ich auch haben. Immer schön fleißig schreiben, aber nichts lesen zu müssen. Das wär’s! Ich lerne immer noch dazu.

 

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Betreff: Nicht schon wieder, bitte

 

Nicht schon wieder eine E-Mail von diesem Kameraden, bitte. Eben erst habe ich ihm münd­lich erklärt, daß ich ihm das NT neu installieren muß, weil die alte Userin als AdministorIn auf dem Dell gewütet hat und deshalb unvorhergesehene Probleme auftreten, daß ich ihm den Mail-Client wie gewünscht Write-Only und außerdem GhostView und den neuesten Acrobat Reader 5.0 einrichten werde.

 

Schon kommt eine E-Mail, in der er ausführlich seine Schwierigkeiten im Umgang mit dem Acrobat Reader 3.0 schildert und fordert, einen neueren zu installieren. Alles Reden hat kei­nen Sinn. Habe ich ihm nicht gerade gesagt, daß ich 5.0 installieren werde? Gesagt schon, aber nicht gemailt. Es gibt offenbar Leute, die ihr Hirn durch eine Mailbox ersetzt haben und E-Mails nicht lesen wollen. Dell?, bzw. Gell?

 

Und am Montag drauf, seinem ersten Urlaubstag, morgens um fünf vor halb acht, kommt schon die nächste E-Mail, in der er mich auffordert, auch Visual Basic zu installieren. Aha, jetzt will er auch noch programmieren. Hätte ich ihm nicht zugetraut. Ist er doch nicht mal imstande, die paar läppischen Anwendungen selbst auf seinen neuen Dell zu spielen.

 

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Betreff: Und schon wieder

 

kommt eine E-Mail von diesem Dell-Kameraden. Der Drucker war nicht so eingerichtet wie er es gerne gehabt hätte. Hätte er mir doch vorher gesagt, wie er es gerne gehabt hätte!

 

Und Visual Basic habe ich Depp ihm auch noch installiert, weil er dazu keine Zeit hat. Meint er vielleicht, daß mir langweilig ist? Angehen tut es mich (eigentlich) auch nicht die Bohne.

 

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Betreff: Die Mitarbeiterjahresgespräche 2000 und 2001

 

Warum nur durfte ich diese beiden nicht mehr erleben? 1999 war das allererste und auch das allerletzte. Verläuft da vielleicht noch etwas im Sande? Bleibt dran, Leute, wenn Ihr es Euch schon vorgenommen habt. Liegt es etwa am Umzugsstreß? Oder ist man nur vorausschauend? Gehe ich doch bald in Rente. Wen interessieren da meine Einlassungen? Weiter so, Leute.

 

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Betreff: E-Mail eines Kollegen vom Zimmer nebenan

 

Unser Studpool ist aus irgendwelche Gruenden im Moment nicht erreichbar. Da gleichzeitig aber auch die Telefone dort nicht gehen, vermute ich, dass es ein Problem ist, an dem wir im Moment nicht aen­dern koennen. Ich hoffe, dass sich das Problem im Laufe des Tages von selbst loesst.

 

Wäre es nur immer so, daß der Telefon-Kollege nebenbei und unaufgefordert unsere Ethernet-Probleme loesst, oder sich Probleme im Laufe des Tages von selbst loessen. Korrektur: lösen.

 

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Betreff: Sprücheklopfer-Plakat am INFOPOINT Mathematik / Informatik

 

C H O O S E   T H E   B E S T :   G O   T U M

 

Für wen ist das gedacht? Sind doch eh alle potentiellen Leser schon dort gestrandet. Eine min­destens ganzseitige Anzeige in SZ und FAZ hätte man mit diesem Inhalt schalten sollen. Mit einem Hinweis auf die diversen Bezugsmöglichkeiten für die Hochglanz-Broschüre und die Hochglanz-CD natürlich. Angeber.

 

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Betreff: Ich bin traurig

 

Der Zettelverhau ist weg (s. S. 50). Schade. Hatte ihn so lieb gewonnen. Geht mir richtig ab.

 

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Betreff: Ich bin froh

 

Ist doch gut, daß es bei uns immer noch aufwärts geht. Geht das überhaupt noch, nachdem wir schon ganz oben sind? Aba sischä! Statt eines Zettelverhaues hängt dort ein neuer Kasten. Der Inhalt: Kongresse, Konferenzen, Amtliche Bekanntmachungen, Vorträge.

 

Und ein weiterer neuer Kasten hängt nebenan. Der ausschließliche Inhalt: Stellenangebote für Wissenschaftler. Voll ist er, der Kasten. Bringt irgendwo – ich weiß schon, es ist kein Platz mehr da – einen Kasten an mit dem Inhalt: Stellenangebot für einen Techniker. Ich gehe näm­lich bald in Rente. Zum Jahresende werde ich aufhören.

 

Das habe ich Ihnen schon ein paar Mal angedeutet – jetzt ist es so gut wie perfekt. Den Antrag habe ich schon eingereicht. Ich bin froh.

 

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Betreff: Der Studiendekan

 

Er ist es nicht  ,der laut östlicher Tafel  ,immer noch Ordinarius ist  .Man hat den Herrn C  . also  ,gottseidank  ,wegen fehlerhafter Interpunktion noch nicht degradiert  .

 

Nehmen Sie  ,bitte  ,diese Mitteilung nicht zum Anlaß  ,den Eintrag zu korrigieren  .

 

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Betreff: Anruf vom Boß

 

(zwei Zimmer weiter): „Komm’ doch mal rüber“. Dann geh’ ich halt zehn Schritte. Durch zwei offene Türen.

 

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Betreff: E-Mail vom Boß

 

(zwei Zimmer weiter) ist schon gut. Ich drucke sie aus und habe sie schriftlich. Fortschrittlich muß man sein. Der Fortschritt? Man muß nicht mehr reden und hat’s schriftlich. Ein Lob dem Fortschritt, drei mal Hoch. Wo kommen wir bei all diesem Fortschritt noch hin? SMS wär’s. Sie wissen nicht, was das ist? Boah buddy, Du bist ätzend backstepping oder so! Oder ist das auch schon wieder uncool? Nächste Woche ist es vielleicht schon wieder cool. Drum lasse ich es mal so stehen. Nixgegnmeinboß, gotme, ey? Yeah, gotscha. Auf gut Deutsch gesagt.

 

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Betreff: E-Mail vom Dell-Owner (wörtlich)

 

Obwohl ich einen neuen Toner habe, ist der Ausdruck eher grau und nicht schwarz, also schlecht. Was ist zu tun?

 

Also nix wie hin und schauen, ob es wirklich so ist. Ein Testausdruck der Konfiguration des Druckers zeigte einen tief schwarzen Balken. Was ist daran auszusetzen? Grau war er nicht. Hab’ mich gern. Das ist inzwischen meine Einstellung. Soll’s doch mein(e) NachfolgerIn richten. Ich mag mich während meiner letzten 50 Arbeitstage mit so jemandem nicht mehr herumschlagen. 50 Arbeitstage, so viele sind es heute noch, und darauf stoße ich mit Ihnen an. Prost. Das macht dann, wenn wir angenommen 200 Leute sind, genau 199 * 200 / 2 = 19900 mal „Kling“, wenn jeder mit jedem anstößt, was ich hoffe.

 

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Betreff: Enttäuschung?

 

Ich habe nur ein einziges „Kling“ gehört, und das war heute, am 13.09.2001 zwischen meiner Frau und mir. Machen wir die Kontrolle:  (n – 1) * n / 2  für  n = 2  ergibt tatsächlich nur 1. Aber wie dieses einzige „Kling“ in unseren Ohren geklungen hat! Keine Enttäuschung!

 

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Betreff: Alles im Umbruch

 

Meinen zuständigen Personal-Sachbearbeiter fand ich bisher mal hier, mal dort. Bei meinem letzten Besuch warnte er mich: „Wenn Sie das nächste Mal herkommen, bin ich vielleicht für Sie nicht mehr zuständig“. Seine Kollegin, die hinter ihrem Rücken meine Akte aufbewahrt, finde ich innerhalb von ein paar Wochen auch mal hier, mal dort. Sie findet meine Akte im­merhin nullkommanix und kann mir detailliert Auskunft darüber geben, was ich zum Antrag für meine Rente noch so an Unterlagen herbeischaffen muß. Das reine Verwaltungswunder.

 

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Betreff: Geschäftsstelle

 

steht fast unlesbar, weil vertikal, auf einem nagelneuen Hochglanz-Plakat, mit welchem der Referent und sechs seiner Mitarbeiterinnen vorgestellt werden, davon unser Referent und fünf seiner Damen mit – natürlich - Hochglanz-Foto. Tempora mutantur, die Zeiten ändern sich, nos et mutamur in illis, und wir ändern uns mit ihnen.

 

Aber so schnell? Kaum haben wir uns an das Servicebüro gewöhnt, schon heißt es Geschäfts­stelle. Müssen wir nun wieder deutsch reden? Nicht so schnell. Kommt doch bald darauf eine E-Mail des Dekans, in der auf einen „Servicepoint“ verwiesen wird, den ich leider noch nicht gefunden habe. Oder hätte ich eher nach „Dienstpunkt“ suchen sollen? Oder ist unser Dekan einfach rückständig? Nicht doch! Warten wir also ab, wie sich die Zeiten ändern werden. Und erst dann ändern wir uns mit ihnen – lieber nicht gleichzeitig. Wo kämen wir da hin. Heute so, morgen so. Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.

 

Ich gebe zu: Als Betreff wäre statt „Geschäftsstelle“ eher „Kartoffeln“ angebracht gewesen.

 

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Betreff: Nicht vergessen!

 

Kündigen, d.h. den Arbeitsvertrag auflösen! Nichts lieber als das. Resturlaub beantragen, und zwar sechs Wochen vorher. Nichts lieber als das. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich den Urlaub tatsächlich schon sechs Wochen vorher beantragen kann und ob ich den Urlaub tat­sächlich während der vorlesungsfreien Zeit nehmen kann. Schaunmermaldannsehnmerscho. Verschenkendua I nix. Auf jeden Fall bin ich am 1. Januar 2002 weg.

 

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Betreff: Wichtig, wichtig

 

Wichtig war es vor einem halben Jahr, beim LRZ den Node pcgeo10 zur wichtigen Datensi­cherung des gleichnamigen sehr wichtigen Rechners einzurichten – „möglichst noch heute“. Nach diesem halben Jahr macht das LRZ Inventur und stellt fest, daß dieser wichtige Rechner noch kein einziges wichtiges Bit seiner wichtigen Daten auf diesem wichtigen Node gesichert hatte und hat den Node deshalb gelöscht. Recht hat es, das LRZ. Und ich stehe auch dem LRZ gegenüber so blöd da wie Toastbrot. Das macht mir aber nichts mehr aus.

 

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Betreff: So hätte ich es gerne immer gehabt

 

Nämlich daß mir jemand en bloc vier Drucker, eine Bridge, einen Monitor und eine Festplatte zur Reparatur oder zum Verschrotten anliefert. Alles das, was halt während des vergangenen Semesters kaputt gegangen ist. Mitsamt einer Angabe, was wichtig ist und was noch etwas warten kann. Der Wunschtraum eines jeden Rechnerbetriebsgrupplers. So etwas setze ich auf meiner Prioritätenliste gerne etwas weiter oben an, obwohl dann andere (extrem?) wichtige Reparaturen warten müssen, bis ich den unverhofft und kurzfristig eintretenden zweiwöchigen Urlaubsbedarf befriedigt habe. Schön, wenn man selbst auch ein wenig planen kann.

 

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Betreff: Neues vom Dell-Owner

 

Per E-Mail, wie gehabt. Er „braeuchte“ eine „Deutsche Tastatur“, aber „keine TS2 Tastatur!“ für seinen Linux-PC. Kein Problem. Die Deutsche liegt sowieso nur rum und eine TS2 gibt es von Haus aus nicht. Darum biete ich ihm an, er könne sich die Deutsche abholen.

 

Er kam, sah und siegte, nein, sagte: „Was? Die soll passen? Die hat ja nur (und nimmt den Finger) ... 1, 2, 3, 4, 5 Stifte. Ich bräuchte eine mit einem Stecker, der links und rechts zwei Schrauben hat.“ Links und rechts, nicht oben und unten! Und zwar jeweils zwei, also insge­samt vier! Oder habe ich ihn wieder einmal falsch verstanden, wie schon so oft?

 

Mein lieber Mann, PC-Tastaturen sind immer 5-polig mit DIN-Stecker oder überflüssigerwei­se 6-polig mit PS/2-Stecker. TS2 gibt es von Haus aus nicht und Schrauben auch nicht. Er wollte es einfach nicht glauben. Mitgenommen hat er die Tastatur aber trotzdem – auf meine Verantwortung. Gerührt hat er sich deshalb nicht mehr. Hat sie wider Erwarten doch gepaßt? Ja? Ich bin wieder einmal äußerst froh, für den Rest des Tages. Was erwartet mich morgen? Ha! Urlaub. Schon wieder! Habe ihn auch dringend nötig. Bis danach, mein lieber Mann.

 

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Betreff: Urlaub

 

Natürlich hatte ich ihn dringend nötig. Ich gebe aber zu, daß ich ihn auch deshalb kurzfristig beantragte, weil sich ein stabiler Altweibersommer abzeichnete. Beantragt nur eine, also nicht wie vorgeschrieben sechs Wochen vorher, aber immerhin während der vorlesungsfreien Zeit. Ich will ja keinen Ärger machen, absichtlich wenigstens nicht, sonst muß sich irgendein LAD wieder künstlich aufregen. Oder gar alle beide. Da wächst mir doch glatt ein Bart.

 

Beim Abschied in diesen Urlaub wollte mich mein Boß dazu überreden, meinen Dienst nicht schon zum Jahresende, sondern erst zum Semesterende zu quittieren. Das habe ich gar nicht verstanden. Bedenken Sie: Mich mußten Sie nehmen, wie ich bin, meine(n) NachfolgerIn können Sie sich nach Ihrem werten Gusto aussuchen. Ist doch was. Sie meinen, diesen Job will für dieses Geld niemand machen? Da könnte was dran sein. Aber das ist nicht mein Bier. Das Leitungsgremium des Zentrums wird das schon richten. Da bin ich sehr zuversichtlich, obwohl mich das nun wirklich nichts mehr angeht. Ich bin wieder einmal spitz? OK, dann nehme ich die vorhergehenden drei Sätze zurück und behaupte jeweils das Gegenteil.

 

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Betreff: Eine rührige Mitarbeiterin

 

Der INFOPOINT-Rechner erfreut sich großer Beliebtheit. Nicht nur bei den beiden hauptamt­lichen Betreuerinnen, die gehalten sind, ihn am Morgen mittels des nur ihnen bekannten Paß­wortes einzuschalten, und nicht nur der Nachtwächter schätzt ihn. Auch die rührige Mitarbei­terin hat inzwischen das Paßwort und will dort einmal das ganz besondere Surfgefühl erleben, obwohl sie einen eigenen Rechner hat, mit dem sie z.B. Horoskop-Seiten durchforsten kann.

 

„I soll da a Modem einrichten. Wie geht des?“ Meine Telefonnummer kennt sie inzwischen auswendig. Respekt, Respekt. Dann latsche ich halt hin und sage: „Klicken Sie doppelt auf ‚Netscape’, dann geht’s“. Ich bin schon ein Ausnahme-Kräck. Oder was sagen Sie?

 

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Betreff: Ich habe einen Bart

 

Zwei schauen mich vorsichtshalber gleich zweimal an, eine andere vorsichtshalber gar nicht. Ich mache es wieder einmal keiner/keinem recht. Also bleibt er, vorsichtshalber, der Bart. Vorläufig. So lange, bis er mir noch lästiger wird als mein Job – also nicht mehr lange. Vor­her gehe ich nämlich in Rente.

 

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Betreff: Lob und Dank

 

habe ich wider Erwarten gelegentlich immer wieder mal erfahren. Zwar nicht unbedingt von Vorgesetzten, sondern nur von der Kundschaft, aber immerhin. In der letzten Zeit häuft sich das zu meinem Erstaunen. Hat sich etwa herumgesprochen, daß ich bald das Handtuch werfen will? Das weiß doch fast keiner außerhalb der M1-Kaffee-Runde.

 

Mein Boß weiß es natürlich auch und fragt mich, ob ich nicht auf der Basis von 630 Mark pro Monat weiter machen wolle. Warum nicht? Aber nur, wenn ich dabei nicht nur weiterhin die Dreckarbeit wie bisher machen soll, sondern im Rahmen der neuen Tätigkeit auch meine(n) NachfolgerIn einarbeiten kann. Sie sollen ja etwas davon haben. Und für diese 21 Mark 25 pro Stunde würde ich das nicht mehr machen. Vielleicht fällt jemandem ein, daß man mit mir darüber verhandeln kann? Zwölf Stunden pro Monat schweben mir vor.

 

Meine Frage, ob schon eine Stellenanzeige aufgegeben wurde, beantwortete mein Boß so: „Nein, noch nicht. Man(?) will erst herausfinden, wie die Informatik solche Stellen aus­schreibt. Und daran will man(?) sich halten. Aber am Dienstag wird sich das klären.“. Das wird in vier Tagen sein. Warum hat man mir nicht eine Stellenbeschreibung verpaßt, um die ich schon vor langer Zeit wiederholt gebeten habe? Dann könnte man sie in gekürzter Form in eine Stellenanzeige packen und nullkommanix z.B. in der SZ veröffentlichen. Die Stellenbe­schreibung habe ich immer noch nicht, die Anzeige wird also in frühestens vier Wochen er­scheinen. Wo? Was weiß ich. Im Neuhauser Anzeiger? Ist ja nicht so wichtig.

 

Warum will man eigentlich die Informatik um Rat bitten? Die schreiben ihre Stellenanzeigen gezielt nach Tätigkeit aus und sagen, was zu warten und zu reparieren ist: Workstations oder PCs oder Peripheriegeräte oder Netzwerk oder Software oder ... Im Zentrum ist das nicht so. Haben wir doch nur drei Stellen, statt deren – sagen wir - dreißig. Da hat man einfach alles zu können. Umso einfacher und schneller sollte eine Stellenanzeige zu formulieren sein.

 

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Betreff: Noch was vom Dell-Owner

 

Inzwischen hat er seinen alten Linux-PC, seinen neuen Dell, weil sein alter Linux-PC voll war und ein noch neueres Notebook feinster Klasse für seine Umzugsdatenbank.

 

Was braucht er noch? Noch einen Dell, aber diesmal keinen Wald-und-Wiesen-Dell, sondern einen noch feineren mit so vielen Giga-Hertz wie möglich, so vielen Giga-Bytes Speicher wie rein passen, eine Festplatte mit mindestens so viel Giga-Bytes wie Stand der Technik ist, also wenigstens 100. Der Dekan hats genehmigt, damit er Raumpläne malen kann. Daß ich das mit viel kleinerer Ausstattung auch schon getan habe, das interessiert hier nicht weiter.

 

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Betreff: Hinweis

 

Die beiden vorigen Einträge sind am späten Abend des 28.10.2001 entstanden, nach der Um­stellung der Zeit, an einem Tag also, der um eine geschlagene Stunde länger ist, als so ein Normal-Tag. Bin ich schon übermüdet, weil ich die beiden Einträge so kurz fasse? Oder fin­den Sie, ich hätte das nur deshalb so breit getreten, weil ich schon übermüdet war? Antworten Sie endlich, oder sind Sie auch schon übermüdet? Wachen Sie morgen nicht zu früh auf, ge­hen Sie nicht zu früh zur Arbeit! Es dankt Ihnen keiner.

 

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Betreff: Ein Umzug steht bevor

 

Und schon bringen mir alle möglichen Leute ihren Schrott oder lassen ihn mich abholen (also gut, sie helfen mir auch schon einmal beim Tragen). Und was da alles eintrudelt. Wenn das Inventarnummern hat, so schreibe ich halt der ZA3 (Finanzen) einen Brief in doppelter Aus­fertigung, in dem ich um Abschreibung bitte und warte drei Wochen, bis ich das Zeug endlich zum Wertstoffhof karren darf. Wenn es keine Inventarnummer hat, so darf ich es gleich am nächsten Dienstag zwischen halb zehn und halb elf hinschaffen. Dreckarbeit. Gut.

 

Nun gibt es aber auch Teile, die man wiederverwenden kann. Recyceln sagt man heute auch. 3½“-Disketten zum Beispiel, mit denen man vor langer Zeit Programme für DOS oder MS-Windows 3.1x installieren konnte. Die formatiere ich dann und biete sie Leuten an, die ohne 3½“-Disketten immer noch nicht leben können. Was hört man dann? „Was? Die sind schon gebraucht! Haben Sie denn keine neuen Disketten?“ Wie stehe ich da. Befleißige ich mich doch einer Zumutung. Das ist: Schlecht.

 

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Betreff: Arbeitszeugnis

 

Bei meiner Bitte um Auflösung des Arbeitsvertrages (s. S. 70) wurde ich gefragt, ob ich ein Arbeitszeugnis haben wolle. Meine voreilige Antwort: „Nein, wozu auch? Ich will doch in den Ruhestand gehen.“

 

Inzwischen bin ich anderer Ansicht, nachdem ich gefragt wurde, ob ich vielleicht auf 630-Mark-Basis dem Zentrum weiterhin unter die Arme greifen wolle (s. vorhergehende Seite). Für das Zentrum würde ich ein Arbeitszeugnis nicht benötigen – man kennt mich dort ja schließlich zur Genüge.

 

Was aber, wenn mich das Zentrum nach der Veröffentlichung dieses Pamphlets nicht mehr kennt, nicht mehr kennen will, nicht mehr kennen darf? Dann brauche ich ein Arbeitszeugnis. Für das Zentrum oder einen anderen potentiellen Arbeitgeber. Tut mir leid, wenn mir das erst jetzt einfällt und ich drei bis fünf(?) Leuten des Zentrums, des Servicebüros und der ZV2 zu zusätzlicher Arbeit verhelfen muß.

 

So ist das halt, wenn man reformiert und die Reform immer noch im Umbruch ist. Weiß ich doch aus zuverlässiger Quelle, daß eine ehemalige Mitarbeiterin schon ein halbes Jahr auf ihr Zeugnis wartet.

 

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Betreff: Tausch

 

Ich werde das mit dem Arbeitszeugnis anders machen und tausche Schlüssel gegen Zeugnis.

 

Hm. Sollte man mich tatsächlich auf Dreihundertzweiundzwanzig-oder-so-Euro-Basis weiter beschäftigen wollen, so habe ich zwar noch die Schlüssel, mir fehlt aber ein Druckmittel. Ein anderes fällt mir aber nicht ein. Die Lösung: Dann warte ich eben auch mindestens ein halbes Jahr auf mein Zeugnis. Zumindest können die Schlüssel bei Beendigung des Teilzeit-Arbeits­verhältnisses immer noch als Tauschobjekt eingesetzt werden. Denn dann möchte ich noch ein weiteres, neues Arbeitszeugnis haben. Und das sind dann zwei. Möchte ich doch sehen, ob ich alter Knacker mich verbessert oder verschlechtert habe. Sollen wir das jetzt dahingehend weiterspinnen, ob ich ... Schluß jetzt!

 

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Betreff: Immer diese amerikanischen Commands

 

„Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ich habe schon mehrfach in äFTiehPieh ein ’Get’ gemacht und kann meine File nicht schicken“.

 

„Langsam, was haben Sie vor?“. „Ich bin zuhause und will eine File auf die Sun in der TU schicken“. „Dann sagen Sie statt ’Get’ eben ’Put’. ’Put’ steht für senden und ’Get’ steht für empfangen. Sie wollen doch nicht empfangen, sondern senden, also sagen Sie eben ’Put’“. Ganz verzweifelt: „Ich habe aber doch immer ein ’Get’ gemacht!“.

 

Das wäre nun geklärt. Der Dialog ging aber noch weiter. Ein Kollege im Zimmer nebenan bei offener Tür war der Zeuge meiner Antworten. Fragen Sie ihn, wie es weiter ging. Ich mag das nicht noch weiter schildern. Leider hat er die schlauen Fragen nicht mitbekommen und sich nur über meine trivialen Antworten gewundert. Und das nicht schlecht.

 

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Betreff: Laufzettel

 

Am 31.12.2001 werde ich ausscheiden. Schon heute, am 12.11., habe ich meinen Laufzettel bekommen.

 

Das ist gut, wenn das auch für meine Begriffe etwas zu früh geschehen ist. So kann ich mir wenigstens in aller Ruhe die Zimmernummern der anzulaufenden Damen und Herren aus dem Web fischen und meinen persönlichen Laufzettel erstellen. Fixe Leute haben wir schon.

 

Oder wie würden Sie das machen, wenn Ihnen Zimmernummern nicht gesagt werden? Das Telefonverzeichnis können Sie vergessen. Funktionsträger für die Verwaltung von Parkpla­ketten und Code-Scheiben stehen da nicht drin. Auch nicht die für das Zentrum Mathematik.

 

Ach so, Sie kennen diese Damen und Herren alle persönlich und wissen auch, wo sie zu fin­den sind. Optimieren müssen Sie Ihren Lauf aber trotzdem, sonst sind Sie nach Ihrem Aus­scheiden immer noch unterwegs. Lassen Sie sich helfen. Ihre MathematikerkollegInnen ken­nen das „Problem eines Handlungsreisenden“ bestimmt und haben für Sie eine Lösung parat, auch wenn Sie nichts zu verkaufen haben – außer Ihrer, ja was?

 

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Betreff: Am Dienstag wird sich das klären

 

sagte mir mein Boß vor zwei Wochen (s. S. 72, Lob und Dank). Es hat sich nichts geklärt. Auch heute, zwei Wochen später noch nicht. Immer noch nicht. Die haben Zeit. Ich auch.

 

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Betreff: Hier weiter

 

An dieser Stelle wollte ich mit aktuellen Einträgen weitermachen. Doch egal, was während meiner letzten 15 Arbeitstage noch passieren wird – ich mache jetzt Schluß mit diesen Auf­zeichnungen. So wichtig wird es wohl nicht sein. Und die Hoffnung, daß die Sache mit dem 322-Euro-Job noch klappt, habe ich inzwischen aufgegeben.

 

Das ist vielleicht ganz gut so. Wer garantiert mir, daß ich mich nicht irgendwann gezwungen fühlen werde, den nächsten Band meiner Erinnerungen zu beginnen?

 

Was noch folgt, hat keinen aktuellen Bezug und ist schon vorher notiert worden. Ich habe es in der letzten Zeit nur so vor mir her geschoben.

 

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Betreff: Zwei Entschlüsse

 

Mindestens zwei Entschlüsse in meinem Leben waren richtig.

 

Der eine: Diese Episoden auf Anraten meiner Frau aufzuschreiben. Ich habe ihr selten erzählt, was mir in der Arbeit so widerfährt, aber gemerkt hat sie es halt, wenn mich etwas bedrückte. Daher ihr Vorschlag. Das Aufschreiben hat mir sehr geholfen, über gewisse Dinge hinweg zu kommen. Kaum schreibt man es auf, schon ist es weg. Gut aufgehoben unter ‚Indizien’ oder sonstwo. Hier zum Beispiel. Gar oft wurde ich so nebenbei gefragt: „Was gibt es Neues?“, und wußte darauf tatsächlich keine Antwort mehr zu geben, weil es schon weg war.

 

Der andere: Rechtzeitig meinen Abschied von diesem (Adjektiv?) Zentrum zu nehmen.

 

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Betreff: Maßband

 

Soldaten schnippeln während der letzten 200 Tage ihrer Wehrdienstzeit täglich an so einem Zwei-Meter-Schneider-Maßband herum, schneiden davon täglich von hinten her einen Zenti­meter ab und wissen dann genau, wie viele Tage ihnen noch bevorstehen.. Wir machen das wesentlich eleganter, wenn vielleicht aucht nicht einfacher, und sind auch nicht beschränkt, auf 200 Zentimeter meine ich. Haben wir doch einen PC:

 

Wenn Sie schon wissen, wann Sie endlich in Rente gehen können, so erzeugen Sie (zuhause!) folgende Datei namens „Rente.VBS“, installieren den Windows Scripting Host (falls Sie ihn nicht haben, bitten Sie Ihren Betreuer darum), und machen dann täglich einen Doppelklick darauf. Dann wissen Sie immer, wie viele Jahre, Monate (die Wochen sparen wir uns), Tage, Stunden, Minuten und Sekunden Ihnen noch bevorstehen. Ersetzen Sie darin den „31.12.01“ (der gilt nur für mich) durch Ihren letzten Arbeitstag. Tippen Sie den folgenden Schmarrn nicht ab, sondern markieren Sie ihn, dann „Strg-C“, danach „Strg-V“ in einer neuen Editor-Datei, Ihr Datum einsetzen und „Speichern unter ...“ „Rente.VBS“. Ist doch einfacher als abtippen. Was haben Sie nicht schon alles getippt!

 

RENTE = "31.12.01"

MsgBox "Heute ist der " & Date & ". Ich habe nur noch "  & DateDiff("yyyy", Date, RENTE) & _

 " Jahr(e) = " & DateDiff("m", Date, RENTE) & " Monate =  " & DateDiff("d", Date, RENTE) & _

 " Tage = "    & DateDiff("h", Date, RENTE) & " Stunden = " & DateDiff("n", Date, RENTE) & _

 " Minuten = " & DateDiff("s", Date, RENTE) & " Sekunden bis zur Rente!"

 

Gezählt wird immer ab 00:00h des Tages; stündlich nachzuschauen bringt also nichts, wenn man wissen will, wieviele Stunden es noch sind. Gezählt wird immer ab 00:00h des Tages!

 

Zufrieden? Nein? Ein Trost: Es wird mit jedem Tag besser! Um 1 Tag, bzw. 24 Stunden, bzw. 1440 Minuten, bzw. 86400 Sekunden. Man muß das positiv sehen, dann wird es schon. Und wenn es soweit ist, dann mißbrauchen Sie die „Kunst am Bau“, die Rutsche, um schnellst­möglich zum Ausgang zu gelangen.

 

Das werde ich leider noch nicht können. Ich pfeife aber gerne auf diese Kunst. Dafür wird es in meinem Fall zum Beispiel so ausschauen:

 

 

 

Überschaubar! Gut bzw. OK, oder nicht? Für mich schon. Habedieehreladiesandgentlemen.

 

Es ginge natürlich auch ganz ohne Maßband und ganz ohne PC. Dazu nehme ich einfach den Bartwuchs als Zeitgeber, rasiere mich dann letztmals z.B. 136 Tage vor Rentenbeginn, also am 18. August 2001, am Tag darauf messe ich die Länge von 100 Stoppeln, bilde daraus den Mittelwert, weiß dann, wieviel mein Bart pro Tag wächst (heraus kämen z.B. 0,5 mm), weiß dann auch, wie lang er zum Rentenbeginn sein wird (68 mm), messe immer dann, wenn ich wissen will, wieviel Tage ich dem Zentrum noch zu dienen habe die Länge von 100 Stoppeln, bilde daraus den Mittelwert, subtrahiere ihn von (hier) 68 mm und weiß dann genau, wieviel Tage es noch zur Rente sein werden, wenn ich das Ergebnis durch (hier) 0,5 dividiere. Ein genialer Algorithmus, den ich mir patentieren lassen werde, falls das geht.

 

Nun werden die Praktiker unter Ihnen sagen, daß es ohne Maßband nicht ginge, da die Bart­länge zu messen wäre. Richtig, das habe ich übersehen.

 

Nun werden die Physiker unter Ihnen einwenden, daß man den Bartwuchs pro Tag genauer bestimmen könnte, wenn man im Rahmen eines Experiments vorher den Bart für die beab­sichtigte Dauer wachsen läßt, dann die Länge von mindestens 1000 Stoppeln mißt, daraus den Mittelwert bildet und diesen durch die Anzahl der Tage des Bartwuchses dividiert. Richtig, das habe ich leider ganz übersehen.

 

Nun werden die Mediziner unter Ihnen behaupten, daß der Bartwuchs abhängig sei von 1., 2.,

3. und außerdem von der nicht immer konstanten Stoffwechsellage des Patienten, sowie von seinem Blutdruck. Richtig, wie konnte ich das übersehen.

 

Nun werden die paar Mathematiker unter Ihnen vorbringen, daß der Mittelwert hier völlig unangebracht sei und man stattdessen eine Gauß’sche Fehlerrechnung durchführen müßte, basierend auf den Daten von mindestens einer Million Messungen, um zu einem einiger­maßen richtigen Ergebnis zu kommen. Richtig, Mathematiker haben immer recht, weil sie die einzigen sind, die (fast) alles beweisen können. Das habe ich immer noch nicht begriffen.

 

Dann melde ich eben kein Patent an, lasse mir aber trotzdem einen Bart stehen. Zumindest vorläufig, so lange, bis er mir genauso lästig ist wie mein Job. Ich messe doch nicht jeden Tag eine Million Barthaare ab, und die einzeln, auf den zehntel-Millimeter genau. Für die Fehler­rechnung hätte ich ja meinen PC, doch das widerspräche dem Prinzip total.

 

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Betreff: Letzte Tage

 

Wenn Sie das also (als Frau oder überhaupt) doch lieber mit dem PC machen wollen, so biete ich Ihnen hier noch eine weitere hübsche Version:

 

RENTE = "31.12.01"               ' Letzter Arbeitstag

TAGE  = DateDiff("d",Date,RENTE) ' Verbleibende Tage

ATAGE = int(TAGE*5/7-4)          ' 5 Arbeitstage/Woche - (hier) 4 freie Tage

 

MsgBox "Heute ist immerhin schon der " & Date & vbCrLf & "Ich habe noch " & _

  TAGE & " Tage bis zur Rente." & vbCrLf & "Das sind leider nur noch " & _

  ATAGE & " Arbeitstage." & vbCrLf & vbCrLf & "Urlaub geht davon auch noch ab, nämlich" & _

  vbCrLf & "vom (Datum) bis (Datum).", vbExclamation, "Last Days"

 

Kopieren, als „LastDays.VBS“ speichern, dann Doppelklick auf die Datei. Das Ergebnis:

 

 

 

Das gilt natürlich wieder nur für mich. Setzen Sie also für „RENTE“ Ihren letzten Arbeitstag ein und füllen Sie auch die beiden Felder „(Datum)“ aus, bevor Sie den Doppelklick ausführen.

 

„OK“ ist das schon, oder?

 

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Betreff: Wie groß ist eine Milliarde wirklich?

 

Ich kann mir darunter nichts vorstellen. Aber weil ich gerade so fit im Programmieren bin, will ich doch mal schauen, wie lange ich am 31.12.2001 schon gelebt haben werde:

 

 

Sagenhaft: Schon fast zwei Milliarden Sekun­den gelebt, und leider immer nocht nicht zum Milliardär geworden!

 

Bill Gates ist noch lange nicht so alt (45 ist der Spund) und hat im Lauf seines kurzen Lebens pro Sekunde im Schnitt ein Vielfaches von einer Mark – sogar von einem Euro, sogar von einem Dollar - verdient(?). Haben wir etwas falsch gemacht? Wir haben abhängig gearbeitet. Noch dazu im Öffentlichen Dienst für minderes Gehalt.

 

Auch hier wieder das Programm zum Kopieren:

 

GT = InputBox("Gib das Geburtsdatum ein (tt.mm.jj): ")

MsgBox "Du bist jetzt " & _

  DateDiff("yyyy", GT, Date) & " Jahre = " & DateDiff("m", GT, Date) & " Monate = " & _

  DateDiff("d",    GT, Date) & " Tage = "  & DateDiff("s", GT, Date) & " Sekunden alt"

 

Wie gehabt kopieren, speichern unter „Alter.VBS“, dann Doppelklick darauf. Wo? Im Windows-Explorer. Worauf? Auf „Alter.VBS“. Wie? Mit Doppelklick. Wann? Jetzt oder wann immer Sie wollen. Warum? Blöde Frage, oft gehört. Sie kommen schon auch noch drauf.

 

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Betreff: Dienstalter

 

 

In 3 Wochen und einem Tag werden es 30 Jahre sein. Das Programm zum Kopieren:

 

ET = "01.01.72"

MsgBox "Heute ist der " & Date & ". Ich arbeite jetzt schon" & vbCrLf _

& DateDiff("yyyy", ET, Date)   & " Jahre = "  & DateDiff("m", ET, Date) & " Monate = " _

& DateDiff("ww", ET, Date)     & " Wochen = " & DateDiff("d", ET, Date) & " Tage = " _

& DateDiff("h", ET, Date)      & " Stunden an der TUM.", vbInformation, "Dienstalter"

 

Das Rezept zum Kopieren kennen Sie schon. Tragen Sie für „ET“ in einer neuen Editor-Datei Ihren Eintrittstag ein und dann die neue Datei als „Dienstalter.VBS“ speichern. Den Doppel­klick darauf nicht vergessen, wenn Sie wissen wollen, wieviel Sie schon auf dem Buckel ha­ben.

 

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Betreff: Dreißig Jahre

 

Jawoll, dreißig Jahre an der TUM habe ich ich nun bald erlebt, davon fünf Jahre als Rechner­betriebsgruppler überlebt. Jetzt wird es Zeit zu gehen. Diese dreißig Jahre werde ich aber noch schnell voll machen, um einen doppelten Grund zum Feiern zu haben. Was jetzt noch folgt, ist alles während dieser Jahre geschehen, nicht nur während der letzten bitteren fünf Jahre. Sollten Sie diesen Anhang zu meiner E-Mail verloren oder das (falls Sie wirklich eines bekommen haben sollten) gedruckte Exemplar verlegt haben, so finden Sie diesen meinen lästerlichen Sermon – zumindest solange es das Internet gibt, und das wird es ewig geben - immer noch unter http://www.rolf-schoene.de/ (mit oder ohne „www.“) und dort bei bei bei.

 

Nein, eher: bei Bye Bye. Machen Sie’s gut. Nein, eher: exzellent! Ende der Korrekturen.

 

Und wenn Sie Ihre Beschwerden an mich per E-Mail nicht loswerden können (s. S. 1), so schicken Sie diese an rolf@rolf-schoene.de. Rechnen Sie ruhig mit einer Antwort.

 

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Betreff: Ausstandslied in F(ort)-, nicht G(eh)-Dur, Andante. Andante sage ich!

 

 

      Den Ton dazu finden Sie unter http://www.rolf-schoene.de/Abschied/Hoert-ihr-Leut.mp3

      (wenn Sie nicht vom Blatt singen können).

 

Aber allen zahle ich die Zeche nicht. Übrigens: Sie wissen sicher, daß „andante“ das Partizip Präsens von ital. „gehen“ ist. Wenn nicht, dann jetzt.

 

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Betreff: Ein paar letzte Dinge

 

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. (Jean Paul)

 

Höflichkeit ist wie ein Luftkissen. Es mag wohl nichts drin sein, aber es mildert die Stöße des Lebens. (Arthur Schopenhauer)

 

Eine Gemeinschaft ist nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe von Hingabe. (Antoine de Saint-Exupéry, vielleicht schlecht übersetzt.)

 

Die Welt kann auch zum Schlechteren verbessert werden. (Zarko Petan)

 

Es gibt Leute, die glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben. (nach Armin Halle)

 

Ein großer Geist fühlt sich im Dunkeln wohl. Das Web ist dazu da, gesehen zu werden. (Nach Frank Wedekind, der allerdings nicht das Web, sondern das Weib meinte)

 

Mathematiker haben Recht. Immer. Sobald das bewiesen ist. (Rolf Schöne)

 

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Betreff: Nochmals Schade

 

Was damals passiert ist (s. S. 50f.) wollte mir partout nicht mehr einfallen. Schade drum.

 

Dabei wäre mir bei der Durchsicht dieser Erinnerungen vor dem Druck noch so viel einge­fallen. Aber irgendwann muß Schluß sein. Schade drum. Dumm ist nur, daß ich das dann nicht so schnell werde vergessen können, nachdem ich es nicht aufgeschrieben habe. Schade, für mich, nicht für Sie.

 

*  *  *

 

Betreff: Von der Rolle (Abriß)

 

Dem gedruckten Exemplar als Lesezeichen beigefügt, damit Sie bei der ermüdenden Lektüre auf dem Laufenden bleiben. Es könnte dort deshalb auch heißen: „Hier schlief ich ein“. Das „Happy End“ ist trotzdem richtig. Für mich als Rentner zumindest. Muß ich diesen Schmarrn doch nicht auch noch lesen, nachdem ich ihn geschrieben habe. Wofür halten Sie mich.

 

 

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Betreff: Noch etwas Kurzes, damit diese Seite voll wird

 

Ein Betreuer: „Ich glaube, die Platte im ‘rechnersowieso‘ ist hinüber. Kann man da was tun?“

 

Schade, daß die Seite doch nicht voll wird. Oder soll ich noch ein paar solche Aussagen zitie­ren? Ich hätte schon noch einen Sack voll davon in petto.

 

Lassen wir es bleiben. Ist ja nichts Neues.

 

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Betreff: Was gibt es Neues?

 

Nichts mehr. Die beiden letzten Begebnisse müssen nur wegen der Dramaturgie an‘s Ende.

 

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Betreff: Eine Art Schwerwiegender Diskettenfehler

 

Im Rahmen eines Installationsvorganges war die Diskette 2 einzulegen (ist schon eine Weile her, eine 5¼“-Diskette – was ist das? – war einzulegen).

 

„Oh, Horror! Da ist ja schon eine drin! Was soll ich jetzt tun? Ich kann die Diskette 1 doch nicht einfach herausnehmen, wenn ich nicht dazu aufgefordert werde. Vielleicht braucht ER sie noch! Ah! Da ist ja noch ein Schlitz (der zwischen Laufwerk und Blende). Rein damit! Dann kann nichts schiefgehen.“

 

Natürlich nicht. Inzwischen hat jeder einen Kreuzschlitzschraubendreher, oder wie der heißt. Ich habe mir auch einen beschafft.

 

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Betreff: Noch ein Schwerwiegender Diskettenfehler

 

Es gibt also UserInnen, denen man sagen muß, daß man vor dem Einlegen der Diskette 2 erst die Diskette 1 herausnehmen muß. Fortgeschrittene ProgrammiererInnen von SETUP.EXE und INSTALL.EXE sind offenbar fixe Leute. Sie bauen also nach dem Bekanntwerden sol­cher Probleme sofort eine entsprechende Aufforderung ein. Und sagen auch, um ganz sicher zu gehen, daß man eine 5¼“-Diskette – was ist das schon wieder? – vorher erst aus der Hülle nehmen soll. Was offenbar nicht immer befolgt wurde.

 

Nun gibt es aber nicht nur fortgeschrittene Programmierer, sondern auch ebensolche UserIn­nen, die das selbständig tun. Was soll also diese Aufforderung? Folgsam, wie man nun einmal geworden ist, schneidet man wohl am besten das schwarze Hemd auf und popelt den eigent­lichen Datenträger da hinein, wo er hin gehört. Als Quittung für diese Bemühungen gibt es dann die schnöde, aber ausführliche Meldung: „Legen Sie die Diskette mit der Nummer 2 in das Laufwerk A: und drücken Sie ENTER“. Schön, danke, aber die ist doch schon drin!

 

Irgendwann kommen fortgeschrittene UserInnen selbst darauf, was da wieder einmal schief gelaufen ist. Man braucht dazu nicht einmal einen Kreuzschlitzschraubendreher. Eine Pinzette tut es auch. Und etwas Klebstoff für das schwarze Hemd. Oder das Telefon: 28227. Soll sich doch der Schöne um den Sch..marrn kümmern. Der hat ja sonst nix zu tun und soll ein erfül­ltes Arbeitsleben haben. Und auf diese und andere Weise habe ich es auch bekommen. Danke.

 

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Herzlichen Dank an alle, die sich wiedererkennen und nicht in diese Rubrik ‘Indizien‘ fallen. Wenig Dank an solche, die sich hier möglicherweise auch wiedererkennen, aber tatsächlich in diese Rubrik ‘Indizien‘ fallen – diesen wenigen Dank nur deshalb, weil Sie im Lauf der Jahre immerhin fleißig Stoff abgeliefert haben und ich absolut nichts erfinden mußte.

 

Übrigens: Ich habe dieses unsägliche subversive Pamphlet nicht während meiner Dienstzeit geschrieben. Ich sage das nur, damit niemand auf die Idee kommt, ich hätte „during hours“ sonst nichts zu tun gehabt – außer SPIELEN. Woher sonst käme das Obige?

 

Natürlich: Es ist eine Folge des Urknalls! Ursache allen Übels! Endlich geht mir ein Licht auf. Ausgerechnet jetzt muß ich gehen. Im Jahre 30 meiner Zugehörigkeit zur TUM. Mit einer an­gelaufenen Silbernen TUM-Nadel am Revers. Hm, da ist sie ja gar nicht. Ja wo ist sie denn?

 

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Nachtrag:

 

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die beiden zuletzt geschilderten Episoden sind natürlich nicht am Zentrum, sondern sonstwo passiert. Nämlich dort, wo vordem das pure schiefliegen­de Chaos herrschte. Bevor die 3½“-Disketten eingeführt, zuerst die Mathematik und dann endlich die ganze Universität grundlegend reformiert worden ist. Oder war es umgekehrt? In welcher Reihenfolge? Es kennt sich ja keiner mehr aus!

 

Inzwischen ist aber alles in bester Ordnung. Behauptet man. Spürt man aber nicht. Ob das wohl an dieser Experimentierklausel liegt? Das wäre zu untersuchen. Bloß gibt es dafür noch keine Kommission. Oder doch? Und eine Gegenreformation ist auch noch nicht in Sicht. Wer sollte sie auch initiieren können? Gegen einen Akademischen Raufbold dieses Formates?

 

Das mit dem Raufbold ist leider nicht von mir, sondern abgeschrieben – aus: Die Zeit Nr. 29 vom 15.07.99, Seite 36. Ja, es gibt einen Angehörigen des Unterbaues, der diese nicht verfas­sungsfeindliche Zeitung liest. Und es gibt auch einen Angehörigen des Hyperbaues, der dieser Zeitung dankenswerterweise schon einmal ein Interview gewährt, wenn er sonst gerade nichts anderes zu tun hat. Der Münchner Kirchenzeitung sowieso und der SZ häufig auch. Einschlä­gige Kreisboten und Stadtteilzeitungen lese ich selten und kann daher dazu nur wenig sagen.

 

Einen weiteren 30-Jährigen Krieg wird es also nicht geben. Dessen Ergebnis wäre mir auch mangels Erlebensfähigkeit völlig wurscht. Aber vielleicht könnte ich vom Verlauf der wei­teren Entwicklung dieser Reformen für eine Weile noch etwas mitbekommen? Das wäre für einen gelangweilten Rentner mit gewissen Insider-Kenntnissen sicher recht unterhaltsam. Wenn auch nicht sehr spannend. Zumindest kann ich mir vorstellen, zu der Empfehlung zu kommen: „Wißt Ihr was? Macht doch, was Ihr wollt.“

 

Nachdem also niemand aktiv werden will, ziehe ich mich diskret zurück, lege und lache mich schief und versichere nebenbei, daß alles genau so passiert ist, wie geschildert.

 

Ach so, der Vergleich zwischen der „in vorbildlicher Weise“ durchgezogenen Straffung der Organisationsstruktur und dem, was darauf folgte, steht noch aus? Machen Sie sich selbst ein Bild und warten Sie ab. Ganz so, wie es vordem war, wird es nicht mehr werden. Schön war es, interessant war es, herausfordernd auch, befriedigend. 25 Jahre lang. Was will man mehr? Was darauf folgte, mußte ich einfach festhalten, bevor es endgültig der Vergessenheit anheim fällt. Und jetzt, ab in die Post! Adressaten sind alle Mitglieder dieses (Adjektiv?) Zentrums Mathematik und alle sonst hier vorkommenden Leute, also z.B. der Präsident, der verflossene Dekan (ja, der Caesar), der Ministerpräsident und der LAD (Bundesverdienstkreuzträger).

 

Alles Gute wünsche ich diesem Zentrum oder seinen Nachfolgern, den Instituten für Optimie­rung (M1), Numerik (M2), Wissenschaftliches Rechnen (M3), Statistik (M4), Wahrschein­lichkeitstheorie (M5), Modellbildung (M6), Analysis (M7), Dynamische Systeme (M8), Kom­binatorische- (M9) und Differential-Geometrie (M10), Algorithmische Algebra (M11) und Biomathematik (endlich kommt mit M12 auch die Mathematik zur Sprache) – oder wie sie auch heißen mögen, die Institute. Hauptsache ist: Alle bleiben ganz oben und sind SPITZE.

 

Mist, M11 ist ja gar kein Institut. Ist nicht einmal eines Ordinariusses wert. Der Kultusminis­ter W.A.H. wird das schon richten. Ach so, er ist es immer noch nicht? Dann auch.

 

Ach ja, M13 gibt es auch noch. Gehört dieser Fremdkörper der TUM eigentlich zur TUM?

 

Dieses „(Adjektiv?)“ habe ich gesucht, aber nicht gefunden. Setzen Sie ein beliebiges ein.

 

Schönen Gruß, Schöne. (Wer war das doch gleich wieder? Hm. Komme nicht drauf...ach der!)